Berücksichtigst Du auch, dass Christen sogar ihre Feinde lieben sollen – und trotzdem die allermeisten nicht im Entferntesten daran denken, das auch zu tun?
Ein Gebot erweist sich nicht allein dadurch als richtig, dass es eine breite Befolgung findet. Vielmehr könnte man argumentieren, dass gerade die Vorschriften, welche die natürlichen Neigungen der Menschen zügeln, ihre Berechtigung haben, da sie andernfalls keiner expliziten Regelung bedürften. Ein prägnantes Beispiel dafür ist die Aufforderung Jesu, wonach ein verheirateter Mann es vermeiden sollte, eine andere Frau begehrlich anzublicken – eine Norm, die ihre Gültigkeit nicht einbüßt, selbst wenn sie in praxi selten vollständig eingehalten wird.
Weiterhin ist es vonnöten, das zeitgenössische Verständnis von Liebe zu hinterfragen. Im Neuen Testament, insbesondere im griechischen Ursprungstext, werden unterschiedliche Arten von Liebe differenziert: Eros, die erotische Liebe, findet keine Erwähnung; Philia beschreibt die freundschaftliche Liebe; Agape steht für selbstlose Liebe, geprägt von Hilfsbereitschaft und Empathie. Diese letztgenannte Form der Liebe entspricht unserem angeborenen Wesen, was auch durch die Existenz von Spiegelneuronen wissenschaftlich untermauert wird. Im Lebensverlauf kann diese grundlegende Ausrichtung allerdings durch egoistische Tendenzen, wie sie beispielhaft bei Individuen wie Herrn Frischling auftreten können, unterminiert werden. Gebote dienen daher nicht nur der Verhaltensregulierung, sondern offenbaren auch menschliche Unzulänglichkeiten.
Das Argument: Christen halten es nicht, daher ist es falsch, ist also falsch.
Der Jude Jesus hat laut Joh. 8, 43-44 gesagt, und das wurde Dir zitiert, dass die Juden Kinder des Teufels sind und ihnen laut Mark. 16, 15-16 die Verdammnis angedroht, wenn sie sich nicht taufen lassen (auch das wurde Dir zitiert).
Aus Ihrer Ablehnung Juden gegenüber haben Sie sich selbst argumentativ beseitigt. : In dieser Johannes-Passage spricht Jesus zu einer Gruppe von Juden, die seinen Lehren widerstehen, und ihn umbringen wollen. Man sollte schon etwas schlau sein zu begreifen, dass diese Äußerungen spezifisch auf eine Konfliktsituation gerichtet waren und nicht als generelle Charakterisierung aller Juden intendiert waren. Jesus selbst war Jude - wie von Ihnen selbst zugegeben - und seine frühesten Anhänger waren ebenfalls Juden. Die Bezeichnung als "Kinder des Teufels" bezieht sich hier auf die spezifische Ablehnung seiner Botschaft durch die angesprochenen Zuhörer, nicht auf eine ethnische oder religiöse Verallgemeinerung. Einen generellen Antisemitismus ist als unmöglich ableitbar, außer durch Antisemiten, aber, da habe ich schon bereits erwähnt, dass die auch so einen aus der Speisekarte eines Thai-Restaurants ableiten könnten.
Markus
ie darin enthaltene Drohung der Verdammnis bei Nichtglauben richtet sich an alle Menschen, nicht speziell oder ausschließlich an Juden. Die Taufe wird im zweiten Teil nicht erwähnt, ist also nicht wichtig genug. Wer den Satz ganz einfach lesen kann, wird feststellen, dass es am Glauben hängt und nicht an der Taufe. Es geht also nicht um nichtgetaufte Juden, denn Juden waren bereits getauft.
In 1. Korinther 10:1-2 erklärt Paulus:
"Ich will euch nicht in Unkenntnis darüber lassen, Brüder, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren und alle durch das Meer hindurchgingen und alle auf Mose getauft wurden in der Wolke und im Meer."
Daher gibt es keine ungetauften Juden.
Dass aber hält Dich nicht davon ab, die giftigen Wurzeln im NEUEN Testament zu bestreiten, die suggerieren, einzig der jüdische Klerus und die Juden, die von Pilatus verlangt haben: „kreuzige ihn“, für den für das für Christentum unabdingbare Leiden und Sterben eines vorgeblichen Gottessohnes und Namensgeber des Christentums verantwortlich gewesen sein sollen.
Es ist keineswegs meine Behauptung, dass die Bibel ausschließlich die Juden für die Kreuzigung Jesu verantwortlich macht oder dass daraus eine Rechtfertigung für Antisemitismus abzuleiten wäre. sondern Ihre! Wie ich bereits in früheren Diskussionen erörtert habe, stellt die Kreuzigung Christi im christlichen Verständnis ein von Gott vorhergesehenes Ereignis dar, das zentral für die Heilslehre steht. Unter diesem Gesichtspunkt könnte man sogar argumentieren, dass, falls die Juden daran beteiligt gewesen wären, man ihnen paradoxerweise dankbar sein könnte. es wäre weitaus mehr eine Begründung zum Anti-Antisemitismus. Zumal ich Ihnen mehrer Stellen zeigte, die es unmöglich machen, so krank zu argumentieren:
die biblische Überlieferung zeigt zudem klar, dass die letztendliche Entscheidung bei Pontius Pilatus lag, dem römischen Präfekten, der die Autorität besaß, Jesus freizusprechen. Trotz möglicher Anklagen und öffentlichem Druck war es Pilatus, der das Todesurteil aussprach. Selbst wenn hypothetisch „alle Juden“ über ein ganzes Jahr gefordert hätten, Jesus zu kreuzigen, hätte ohne die Zustimmung des Pilatus keine Kreuzigung stattgefunden.
Ergebnis. Die Behauptung, Antisemitismus sei auf die jüdischen Autoren des Neuen Testaments zurückzuführen und sei somit eine Art „Opfer-Täter-Umkehr“, ist nicht nur historisch irreführend, sondern auch ein gefährliches Gedankengut, fast noch schlimmer als bei Antisemiten.
Ohne diese Machenschaften wäre Jesus ein unbedeutender religiöser Eiferer geblieben, von denen es damals in Palästina viele gab, etwa Johannes den Täufer.
Johannes den Täufer kennt man noch heute. Sie werden hingegen eine Woche nach Ihrem Tod vergangen sein und kaum Erwähnung mehr finden.