Aber sicher doch, nämlich genau dann, wenn man diese ersatzreligiös zelebriert. Die dazu erforderlichen Gebote lauten zum Beispiel wie folgt.
1. Gebot
Du sollst keine Lehrautorität anerkennen.
(Philosophen liegen stets im Streit über alle möglichen Behauptungen, es gibt keine Übereinstimmung und keine verlässliche Lehrautorität.)
2. Gebot
Du sollst keine Letztbegründung akzeptieren.
(Jeder Satz bedarf einer Begründung, die einer Begründung bedarf, welche wiederum einer Begründung bedarf, die aber einer Begründung bedarf, für welche eine Begründung nötig ist, die aber angezweifelt werden kann, so dass sie einer Begründung bedarf, welche aber ohne eine Begründung nicht auskommt, welche wiederum eine Begründung notwendig macht …)
3.Gebot
Du sollst nichts für sicher halten.
(Unsicherheit aufgrund der Möglichkeit, dass sich der Kontext eines Objekts oder der Standpunkt des Betrachters ändert.)
4. Gebot
Du sollst die gelehrte Meinung achten und verteidigen.
(Jeder Satz bedarf einer Begründung, die einer Begründung bedarf, welche wiederum einer Begründung bedarf und die wird per Lehrsatz einfach an einer Begründungsstelle abgebrochen, weil es der Lehrherr so will, indem er einfach von der letzten Begründung behauptet, sie müsse unbezweifelbar wahr sein, auch wenn sie dies nicht ist.)
5. Gebot
Du sollst den Zirkelschluß ehren.
(Jeder Satz bedarf einer Begründung, die einer Begründung bedarf, welche wiederum einer Begründung bedarf und die an einer Stelle aus Gründen der Vereinfachung eine Begründung erhält, die aber der Ausgangssatz ist, der zuerst begründet werden sollte.)
Das kann man bei Bedarf noch ein wenig aufdröseln und erhält sodann die bekannten zehn Gebote.
Gegenstand der Verehrung ist das zweifelsfrei tätige Prinzip der allgemeinen Verunsicherung.
Gott zum Gruße!