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Darf man Falsches lehren?

Mut

Mut

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen
Was keiner sagt, das sagt heraus
Was keiner denkt, das wagt zu denken
Was keiner ausführt, das führt aus.

Wenn keiner ja sagt, sollt ihr's sagen,
Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein.
Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben.
Wenn alle mittun, steht allein.

Wo alle loben, habt Bedenken.
Wo alle spotten, spottet nicht.
Wo alle geizen, wagt zu schenken.
Wo alles dunkel ist, macht Licht.

(Zenetti, Texte der Zuversicht.)
 
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Hallo,

Die Frage wird ja immer mehr auf der Metaebene bemüht, deshalb gestatte ich mir, anschließend an Robins Ausführungen über das Paradoxe der Situation, etwas Falsches zu lehren, nochmals folgenden Überlegungen assoziativen Raum zu geben.


Von der Ethikseite können wir ebenso genau differenzieren.

Leicht ist es auf der präskriptiven Seite.
Wenn ich anerkenne, dass das Gebot:” Du sollst nicht lügen” ein verbindliches ist, verstoße ich dagegen, wenn ich willentlich etwas Falsches als Richtiges lehre. Und je höher der Kompetenzbereich des “ Lügners” ist, desto schwerer wiegt dann so ein Betrug.

Schwieriger wird es schon , wenn wir die Frage rein deskriptiv beleuchten, denn aus all unseren Argumenten geht ja hervor, dass so etwas geschieht. Oft sogar ( Harkas Beispiele), zum Schutz sowohl des “ Belogenen” als auch der zu vermittelnden “Faktenwahrheit”.
Meiner Meinung nach sind solche Verhüllungstechniken im Journalismus gang und gebe.
Im Sinne einer höheren Konsistenz machen solche Strategien sogar oft Sinn.

Und - immer unter der Voraussetzung, wir anerkennen das ethische Gebot der widerspruchslosen Aussage ( immer als Absichtsethik verstanden) - kommt es dann zum beobachteten Paradox, dass etwas ist, was nicht kann/ darf.

Und wie in der Realität dieses Gebot umgangen, missachtet wird, wissen wir.


Nun kommt mir ein “ perverser” Gedanke:

Was wäre, wenn wir uns nicht an das Gebot hielten.
Dann würde Falsches gelehrt - die “ Belogenen” kämen anhand der “Wirklichkeit” selbst in den Genuss, des intellektuellen AHAerlebnisses und hätten “ gelernt”. ( Robins Anfangsthese, glaube ich).


Jetzt wiederhole ich mich ( nur geringfügig variiert): Gegen diese Art des Lehrens bestehen auch meiner Meinung nach im Alltag nur wenig Bedenken. Eines davon scheint mir zu sein, dass sich viele gar nicht mit der Selbstkontrolle abgeben, und so “ dumm sterben”. Sicher: das genau ist die moderne Form des Wissensstandes, dass wir praktisch alles, was wir wissen, unhinterfragt annehmen müssen ( Ökonomie!) . Wir können aber - bis jetzt - eher sicher sein, dass unser aktuelles Wissen auf entweder wissenschaftlicher Grundlage beruht oder: im Alltag - auf Erfahrungswissen von Generationen.


Danke Robin und Harka für Eure Überlegungen. Ich sehe jetzt, dass sogar eine zunächst provokant - und daher in meinen Augen fragwürdige Frage zu einer interessanten argumentaiven Diskussion führt.

Marianne
 
was ist falsch?

ist es falsch den kreationismus zu lehren?
ist es falsch die lehre darwins zu verbreiten?

zwei gegensätze, bzw. ihre anhänger stellen sie als gegensätze da, aber was ist nun falsch, was richtig?

kann man überhaupt falsches lehren unter anbetracht der tatsache?
Dann würde Falsches gelehrt - die “ Belogenen” kämen anhand der “Wirklichkeit” selbst in den Genuss, des intellektuellen AHAerlebnisses und hätten “ gelernt”. ( Robins Anfangsthese, glaube ich).
können wir nun noch falsches lehren?

es ist falsch nichts zu lehren, aber eine lehre kann nie falsch oder richtig sein, sie ist es nur bezogen auf den persönlichen standpunkt.

ciao
 
Hi tosto
tosto schrieb:
was ist falsch?
ist es falsch den kreationismus zu lehren?
ist es falsch die lehre darwins zu verbreiten?

Es ist falsch beides nicht zu unterichten, nur meine ich das es darauf ankommt welcher Theorie dabei die größte Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Ansonsten müsste das Ptolomäische Weltbild auch gelehrt werden neben dem anderen.


... aber eine lehre kann nie falsch oder richtig sein, sie ist es nur bezogen auf den persönlichen standpunkt.

Soll das heissen das es keine Wahrheit gibt? Und wahr oder falsch einerlei ist?

lG v kW
 
Hallo zusammen!

Auf die Frage: "Darf man Falsches lehren?"
antworte ich: sowiet mir bekannt ist gibt es an deutschen Universitäten Lehrfreiheit und Forschungsfreiheit dem Gestze nach. Demnach muss es gestattet sein auch Falsches lehren zu dürfen.

Ob das ethisch verantwortbar und/oder unter didaktischen Gesichtspunkten empfehlenswert ist - ist ja nicht gefragt.

vG v kW
 
kleine Wolke schrieb:
Hallo zusammen!

Auf die Frage: "Darf man Falsches lehren?"
antworte ich: sowiet mir bekannt ist gibt es an deutschen Universitäten Lehrfreiheit und Forschungsfreiheit dem Gestze nach. Demnach muss es gestattet sein auch Falsches lehren zu dürfen.

Ob das ethisch verantwortbar und/oder unter didaktischen Gesichtspunkten empfehlenswert ist - ist ja nicht gefragt.

vG v kW



Ei, ei - Du Kluge!

Soweit es mir bekannt ist, ist das Lehren von "Falschem" nur noch in der jeweiligen Wissenschaftsgeschichte Usus. Und zwar, um Entwicklungslinien aufzuzeigen. Das ist legitim.




Aber: das war wohl ja nicht Dein message.


Wenn Du so eine I-Tüpfelchenreiterin bist - in Bezug auf die Fragestellungen - empfehlt es sich Dir doch, Du schriebst einfach nur:

JA man darf


Dein kleiner Hieb, dass moralische Erwägungen bei der Beantwortung keine Rolle spielten, erübrigte sich dann auch.




Eine Frage an Dich:

Hast noch nie etwas von argumentativem Diskurs gehört? vom Abwägen?



Marianne
 
Claus schrieb:
wie wärs mit einem Lehrstuhl für Astrologie an jeder deutschen Uni? :wut1:
Was willst du damit ausdrücken? Dass die Astrologie "falsch" ist? Aus welcher Sicht?

Es könnte der Wissenschaft mMn nicht schaden, wenn sie auch einmal einen andere Sichtweise in der Betrachtung der Welt einnehmen würde.

Ich kann sowieso nicht verstehen, warum vor allem die Naturwissenschaftler die "alten" Wissenschaften der Esoterik fürchten wie der Teufel das Weihwasser.

Ich dachte eigentlich, alle Wege zu neuen Erkenntnissen sind wichtig.

herzlich
lilith
 
Ekkehard Friebe schrieb:
Ich möchte zur Diskussion in diesem Forum auf einen wichtigen Vortrag von Professor Dr. Gerhard VOLLMER aufmerksam machen, der auf einer Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), Fachverband „Didaktik der Physik“ gehalten wurde und der 1989 in der Zeitschrift: „Naturwissenschaften“ veröffentlicht wurde.

Ekkehard Friebe

Hallo Ekkehard,

ich warte zwar immer noch auf eine Stellungnahme von Dir zu einer gewissen Thematik, aber das hindert mich nicht, zu dem jetzt eröffneten Thema meine Meinung kund zu tun.

Um es gleich zu sagen: Richtig und falsch sind m.E. "Schwarz-Weiss-Begriffe".

Zu jedem Gesetz, zu jeder Theorie, müssen dessen/deren Anwendbarkeitsbedingungen (Gültigkeitsbereich) angegeben werden. Verlässt man den Gültigkeitsbereich, dann kommt es zu Fehlern.

1. Beispiel: klassische Mechanik, kinetische Energie
Indem Du behauptest, dass die klassische Formel für die kinetische Energie [Ekin=(1/2)*m*v^2] für beliebige Geschwindigkeiten v gilt (auch v=Lichtgeschwindigkeit), verlässt Du den Gültigkeitsbereich der klassischen Mechanik, und es kommt Falsches heraus (Der angebliche Widerspruch zur Formel m*c^2). Du "lehrst" somit auf Deiner Homepage Falsches.

2. Beispiel: klassische Mechanik, Fallgesetze nach Galilei
Die bekannten Fallgesetze von Galilei gelten unter der Annahme, dass es keinen Luftwiderstand gibt und dass die Anziehungskraft der Erde konstant ist. Der von Dir zitierte Prof. G. Vollmer zeigt sehr schön, wie sich die Fallgesetze ändern, wenn man die Ortsabhängigkeit der Erdanziehungskraft berücksichtigt.

Prof. G. Vollmer kommt zu folgender Schlussfolgerung:

Die Bedingungen, unter denen Falsches gelehrt werden darf, lauten also in aller Kürze: Man muss den Fehler kennen und verantworten können; man darf nicht suggerieren, die wissenschaftlichen Hypothesen seien "induktiv" gewonnen oder gar deduktiv bewiesen; man sollte gelegentlich die Vorläufigkeit des erreichten Kenntnisstandes betonen und dabei auch auf die Zuverlässigkeit wissenschaftlicher Theorien verweisen.

Dem kann ich mich vollinhaltlich anschliessen!

Zum Schluss noch ein physikhistorisches Beispiel zur Vorläufigkeit des erreichten Kenntnisstandes: Hat Licht Teilchen- oder Wellencharakter?

- Newton vertrat die Ansicht, dass Licht aus Teilchen bestünde.
- Huygens zeigte, dass Licht Welleneigenschaften besitzt (z.B. Interferenz)

Wer lehrte nun Falsches?

Seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts wissen wir, dass Licht sowohl Teilchen- als auch Welleneigenschaften zeigt, abhängig von der physikalischen Situation. Dies gilt nicht nur für das Licht, sondern z.B. auch für Elektronen. Das heisst: Richtig ist es, den Welle-Teilchen-Dualismus zu lehren. Aber deshalb lehren wir doch weiterhin die Wellenoptik! Wir wissen aber genau, unter welchen Bedingungen sie anwendbar ist.

Gruss
Hartmut
 
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lilith51 schrieb:
Was willst du damit ausdrücken? Dass die Astrologie "falsch" ist? Aus welcher Sicht?

Es könnte der Wissenschaft mMn nicht schaden, wenn sie auch einmal einen andere Sichtweise in der Betrachtung der Welt einnehmen würde.

Ich kann sowieso nicht verstehen, warum vor allem die Naturwissenschaftler die "alten" Wissenschaften der Esoterik fürchten wie der Teufel das Weihwasser.

Ich dachte eigentlich, alle Wege zu neuen Erkenntnissen sind wichtig.

herzlich
lilith

Hallo lilith,

Claus wird Dir sicher noch antworten. Hier meine Ansicht:

Astrologie ist keine Wissenschaft, sondern Glaubenssache, wie die Religion. Beide sind also weder falsch noch richtig. Wie sollte man denn die Richtigkeit oder Falschheit beweisen?

Wenn es jemanden gut tut, an Astrologie zu glauben: warum nicht? Aber bitte nicht die Astrologie als Weg zu neuen Erkenntnissen (objektiver Art) bezeichnen!

"Eine andere Sichtweise in der Betrachtung der Welt einnehmen" gehört in den Bereich der Weltanschauung. Eine Weltanschauung kann (muss aber nicht) wissenschaftlich fundiert sein. Wer aber Wissenschaft betreibt, muss sich harten Kriterien stellen.

Als Naturwissenschaftler fürchte ich nicht die Esoterik. Sie hat ja mit Wissenschaft wenig oder gar nichts zu tun. Und solange nicht Teufelsaustreibungen praktiziert werden, ist mir die Esoterik ziemlich egal.

Gruss
Hartmut
 
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