Europäische Mörder
Hallo Claus!
Ist dir denn auch schon in den Sinn gekommen, dass unschuldige Menschen zum Tode verurteilt wurden?
Oder vielleicht nimmst du auch andere Beispiele zur Hand, vielleicht einmal von Mördern, die ihre Schuld abgesessen haben und danach ein ordentliches Leben begonnen haben.
Ein Mörder hat auf alle Fälle die schwerste Schuld auf sich geladen, die es gibt. Manche sind mehr, andere weniger schuldig. Doch schuldig sind sie alle, haben sie doch ein Menschenleben ausgelöscht.
Für die Verurteilung haben wir die Gerichte. Und weil die Richter ja auch nur Menschen sind und nicht Gott, können sie sich irren. Deswegen wurde auch die Todesstrafe abgeschafft.
Wenn ich aber daran denke, dass ein Lustmörder einige Opfer zu Tode gequält hat, bin ich auf Seite der Opfer. Ob der nun in der Jugend mißhandelt wurde oder nicht muss mir schnurzegal sein. In diesem Fall wäre ich für die Todesstrafe, obwohl auch das ein zu mildes Urteil wäre. So ein Mensch kann sich jahrelang verstellen um eine Frühentlassung zu erwirken. Und darnach?
Wie oft ist es schon geschehen, dass er das Morden nicht lassen konnte. Triebverbrecher sind selten zu bessern.
Oder findest du, dass in unserer Gesellschaft kein Platz für Nachsicht und Vergebung ist? Ziehst du es gar nicht in Betracht, dass sich Menschen ändern können, auch Mörder?
Triebverbrecher ändern sich nur selten.
Oder anders gefragt: Hast du nicht auch schon selbst Fehler gemacht? Und wie oft wurde dir die Gelegenheit gegeben, eine Sache besser zu machen, also sprich eine zweite Chance?
Willst du allen Mördern diese Chance absprechen, die Chance zu beweisen, dass man es besser machen kann?
Ich will nicht, dass man mir diese Chance abspricht, darum spreche ich sie auch niemand anderen ab.
Dein edler Charakter in Ehren, doch du musst in erster Linie an die Opfer denken.
Aber der für mich wichtigste Punkt, der gegen die Todesstrafe spricht, ist für mich die Tatsache, dass jeder Mensch seine konkreten Gründe hat, zu handeln. Auch Mörder haben ihre Gründe. Und selbst wenn ich Mord unter keinen Umständen als richtig ansehe, so sehe ich es dennoch als meine Pflicht an, die persönlichen Gründe eines jeden Mörders einzubeziehen, bevor ich über ihn urteile. Oft versteht man dann erst, dass die meisten Mörder viel weniger böse als verzweifelt und unglücklich sind.
Für mich gibt es keine Gründe, einen anderen Menschen zu ermorden. Doch möglicherweise gibt es welche. Die Gerichte müssen das herausfinden. Dazu sind sie ja da.
Wäre ich zur Zeit des Zweiten Weltkriegs geboren, wäre ich womöglich selbst schon ein Mörder. Hätte man allen Mördern des Zweiten Kriegs die Todesstrafe anhängen sollen? Ich hätte es für Unrecht gehalten.
Claus, würdest du dir das Recht nehmen meinen Großvater umzubringen, weil er selbst Menschen im Krieg ermordet hat?
Diese Frage ich meines Erachtens unfair. Wer weiß, was Krieg bedeutet, wird so eine Frage nicht stellen.
Und wenn nun jemand einwirft, dass man einen Mörder im Krieg nicht mit einem Mörder unseres heutigen Europas vergleichen kann, dann meine ich doch Recht zu haben, wenn ich sage, dass sich manche Menschen sehr wohl im Krieg befinden. Sei dieser "Krieg" nun ein grausames Umfeld oder irgendeine andere schwere Lebenssituation. Und haargenau solche Umstände machen meines Erachtens erst einen Menschen zum Mörder.
So einfach darf man sich die Sache nicht machen. Jeder Mensch erlebt in seinem Leben fürchterliche Enttäuschungen und Ungerechtigkeiten, doch deswegen in die Kriminalität abzugleiten, ist nicht entschuldbar, und Mord schon gar nicht!!
Und daher finde ich es Unrecht, dass man Menschen hinrichtet, nur weil man deren Hintergründe nicht versteht. Ich bin davon überzeugt, dass niemand die Todesstrafe befürworten würde, wenn er sich in einen Mörder hineinversetzen könnte.
In einen Mörder will ich mich nicht hineinversetzen. Das überlasse ich den Richtern. Mord ist das schwerste Vergehen. Jeder weiß es, auch was er zu erwarten hat, wenn er sich wie immer hinreißen lässt.
Daher denke ich Claus, dass dir dieses Einfühlungsvermögen fehlt. Und das finde ich einerseits schade und andererseits macht es mich auch ein wenig wütend, weil ich es ungerecht und kurzsichtig finde.
Hier geht es nicht nur um Einfühlungsvermögen sondern vor allem um ein
Gerechtigkeitsempfinden und den Schutz der anderen Menschen, die nicht gemordet haben.
Warum macht dich eigentlich bei einem gesundes Gerechtigkeitsempfinden wütend?
Musste mich einmischen, obwohl ich schon längst unterwegs sein soll.
Nichts für ungut
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