PhilippP
Well-Known Member
- Registriert
- 8. April 2003
- Beiträge
- 948
Hallo zusammen,
alle jene Menschen, die sich mit Schule und Bildung nicht beruflich (professionell) beschäftigen und die also - von eigenen einschlägigen Erfahrungen bzw. Erinnerungen abgesehen - oft über keine grundlegenden Kenntnisse diesbezüglich verfügen, möchte ich darauf hinweisen, dass populäre Behandlungen der Thematik (exemplarisch sei hier Richard David Precht genannt) aus wissenschaftlicher Perspektive absolute Außenseiterpositionen darstellen und das nicht ohne guten Grund.
Nicht wenige warten auf die versprochene und prophezeite Bildungsrevolution, diese sei - glaubt man den Beschwörern - unvermeidbar, da sich das momentane Bildungssystem gleichsam (und zwar binnen der nächsten Jahre) selbst vernichte.
Ich werde nun nicht - wie an anderer Stelle des Forums - weit ausholen und einzelne Aussagen kritisieren, sondern weise schlicht und ergreifend darauf hin, dass Bildungsreformen mit Zielen, wie sie auch von heutigen Kritikern genannt werden, ein altes Thema sind - schon in Preußen gab es Reformen, in der Weimarer Zeit und selbst der Nationalsozialismus bildete keine Ausnahme.
Anbei eine knappe Zusammenfassung der Berichte von Schulinspektoren zur NS-Zeit:
"Dabei wird gerade immer wieder beklagt, dass der Unterricht nicht anregend und lebendig genug sei, dass die Lehrer zu viel redeten, zu viel selbst täten, zu früh Hilfen gäben, die Schüler zu wenig selbst finden ließen. Dass eine der Ursachen für solchen Lehreraktivismus allerdings auch in der Überprüfungssituation selbst liegen könnte, wird von den Schulräten nur selten in Betracht gezogen."
Quelle: Gerhard Kluchert: "Die Entwicklung der Lehrer-Schüler-Interaktion und die Bildungswachstumsschübe. Zur inneren Schulreform im 20. Jahrhundert". In: Zeitschrift für Pädagogik 49 (2003) 1, S. 55.
Fazit: Wer auch immer sich heute hinstellt und meint, die Schule bzw. das Bildungssystem sei ein erstarrtes Gebilde, dessen primäres Ziel die Vernichtung von Lernfreude und Individualität der Lernenden sei, der sollte zumindest für einen kurzen Moment innehalten und sich vor Augen führen, dass ideale und reale Verhältnisse bisweilen weniger als nichts verbindet.
Wem das bewusst ist, der muss innerlich laut aufheulen, wird er mit Modereformern und deren naiven (dreisten) Aussagen konfrontiert; sie verkaufen öffentlich Äpfel für Birnen und werden dafür lauthals beklatscht.
Es wird keine Bildungsrevolution stattfinden, da es sich um ein nebulöses Fantasiegebilde handelt. Um schlecht reflektierte Idealvorstellungen, die letztlich an den tatsächlichen Bedürfnissen und Verhältnissen zwischenmenschlicher Interaktionen vorbei zielen und gerade deshalb selbst zutiefst unpädagogisch sind.
Gruß
Phil
alle jene Menschen, die sich mit Schule und Bildung nicht beruflich (professionell) beschäftigen und die also - von eigenen einschlägigen Erfahrungen bzw. Erinnerungen abgesehen - oft über keine grundlegenden Kenntnisse diesbezüglich verfügen, möchte ich darauf hinweisen, dass populäre Behandlungen der Thematik (exemplarisch sei hier Richard David Precht genannt) aus wissenschaftlicher Perspektive absolute Außenseiterpositionen darstellen und das nicht ohne guten Grund.
Nicht wenige warten auf die versprochene und prophezeite Bildungsrevolution, diese sei - glaubt man den Beschwörern - unvermeidbar, da sich das momentane Bildungssystem gleichsam (und zwar binnen der nächsten Jahre) selbst vernichte.
Ich werde nun nicht - wie an anderer Stelle des Forums - weit ausholen und einzelne Aussagen kritisieren, sondern weise schlicht und ergreifend darauf hin, dass Bildungsreformen mit Zielen, wie sie auch von heutigen Kritikern genannt werden, ein altes Thema sind - schon in Preußen gab es Reformen, in der Weimarer Zeit und selbst der Nationalsozialismus bildete keine Ausnahme.
Anbei eine knappe Zusammenfassung der Berichte von Schulinspektoren zur NS-Zeit:
"Dabei wird gerade immer wieder beklagt, dass der Unterricht nicht anregend und lebendig genug sei, dass die Lehrer zu viel redeten, zu viel selbst täten, zu früh Hilfen gäben, die Schüler zu wenig selbst finden ließen. Dass eine der Ursachen für solchen Lehreraktivismus allerdings auch in der Überprüfungssituation selbst liegen könnte, wird von den Schulräten nur selten in Betracht gezogen."
Quelle: Gerhard Kluchert: "Die Entwicklung der Lehrer-Schüler-Interaktion und die Bildungswachstumsschübe. Zur inneren Schulreform im 20. Jahrhundert". In: Zeitschrift für Pädagogik 49 (2003) 1, S. 55.
Fazit: Wer auch immer sich heute hinstellt und meint, die Schule bzw. das Bildungssystem sei ein erstarrtes Gebilde, dessen primäres Ziel die Vernichtung von Lernfreude und Individualität der Lernenden sei, der sollte zumindest für einen kurzen Moment innehalten und sich vor Augen führen, dass ideale und reale Verhältnisse bisweilen weniger als nichts verbindet.
Wem das bewusst ist, der muss innerlich laut aufheulen, wird er mit Modereformern und deren naiven (dreisten) Aussagen konfrontiert; sie verkaufen öffentlich Äpfel für Birnen und werden dafür lauthals beklatscht.
Es wird keine Bildungsrevolution stattfinden, da es sich um ein nebulöses Fantasiegebilde handelt. Um schlecht reflektierte Idealvorstellungen, die letztlich an den tatsächlichen Bedürfnissen und Verhältnissen zwischenmenschlicher Interaktionen vorbei zielen und gerade deshalb selbst zutiefst unpädagogisch sind.
Gruß
Phil