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Wie ernst ist die Drohung des Iran zu nehmen ?

Wozu die Aufregung?

Ich habe dieses Gefühl beschrieben, welches mich beschleicht.

Deine Darstellungsweise meiner Texte stimmt nicht mit dem überein, was ich ausdrücken möchte. Du legst jedes Wort auf die Goldwaage und interpretierst es, drehst es mir im Mund um.

Das ist kein Austausch. Das ist ein Angriff voller Ironie, oder?
 
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karinamixipi schrieb:
Wozu die Aufregung?
Ich habe dieses Gefühl beschrieben, welches mich beschleicht.

Deine Darstellungsweise meiner Texte stimmt nicht mit dem überein, was ich ausdrücken möchte. Du legst jedes Wort auf die Goldwaage und interpretierst es, drehst es mir im Mund um.

Das ist kein Austausch. Das ist ein Angriff voller Ironie, oder?

Nein, Karin, das war kein Angriff und der Beitrag war auch nicht ironisch gemeint! Ich habe mit meinem Beitrag nichts "darstellen" wollen, und habe dir auch keine Worte im Mund umgedreht. Ich habe meine! Fragen gestellt, meine! Gedanken beschrieben – Fragen und Gedanken, die aus MEINEM Gefühl heraus sich stellten als ich deinen Beitrag las. Also habe auch ich einfach nur mein Gefühl beschrieben, nicht mehr und nicht weniger. Deine Worte haben mich ehrlich erschreckt. Und ich kann und konnte sie nicht in Zusammenhang mit deinen anderen Beiträgen bringen. Denn diese deine Gedanken, die ich zitiert habe, drücken für mich! keineswegs ein generelles Wollen für gegenseitiger Akzeptanz aus. Und wo auch immer es so generelle Aussagen wie DIE....(was/wen auch immer betreffend) gibt, dann werde ich mich auch weiterhin immer wieder aufregen.

Ich weiß weiterhin ehrlich nicht, Karin, was du mit dieser Aussage wirklich ausdrücken wolltest, vielleicht kannst du es näher beschreiben? Auch diese Frage ist nicht ironisch gemeint, ich würde einfach nur gerne verstehen wollen, was dich zu so einer Aussage bewegt:

Warum werde ich das Gefühl nicht los, in der Welt der Araber gibt es nur ein Thema: Krieg. Ich vermisse Taten des Friedens, der Zusammenführung und der Akzeptanz Andersdenkender. Es kommen keine solchen Angebote, weder in der Politik noch hier in meinem täglichen Leben mit Menschen aus diesen Ländern. Ob ich in Frieden mit jemandem leben kann, ist für mich eine Frage des WOLLENS.

Subjektiv habe ich das Gefühl, sie WOLLEN LIEBER KRIEG. Es mangelt in meinen Augen an der Bereitschaft zum Frieden. Was man allerdings nicht von außen bewirken kann. Sie werden weiterhin ihre Kinder mit dem Gewehr aufwachsen lassen.

Britt
 
Na, das klingt in meinen Ohren doch schon viel eher nach einer Kommunikationsbereitschaft. Der Ton macht die Musik, für mich.

Es freut mich, dass du neue Worte gefunden hast.


Es gibt in meinem Leben Araber, auch Islamisten usw. zu denen ich keine Verbindung herstellen kann. In der Öffentlichkeit grüßt man sich (vielleicht, manchmal auch nicht) und tauscht Freundlichkeiten aus, doch es kommt kein Gespräch zustande, welches darüber hinausgehen würde. Auch nicht bei beruflichen Kontakten nach Dubai, wo ich es mit sehr modernen Menschen zu tun hatte. Wenn es dann überhaupt zu einer Kommunikation kam, so endete diese sehr schnell in der Oberflächlichkeit, weil ich eine Frau bin. Die männlichen Mitarbeiter hatten diese Erfahrung nicht.

Ich würde mich freuen über eine Begegnung mit einem Araber, der die Bereitschaft hätte, sich mit meinen Fragen auseinander zu setzen, damit meine ich jetzt nicht, dass er mir seines oder meines Glauben wegens das Haupt abschlägt, da ich minderwertig und ein Ungläubiger in seinen Augen bin, sondern ich meine schon einen verbalen, tiefgründigen Austausch ohne Streit.

Das Temperament, die Historie, der Glaube dieser Menschen ist sehr dominant und ich erlebe hier, wo ich wohne, oft emotionale Ausbrüche, selbst unter Politikern, wenn es z.B. darum geht, ob in den Schulen Deutsch gesprochen werden soll. Leider bin ich noch nicht Zeuge geworden von einer friedlichen Besprechung. Es mag sein, dass ich noch nicht den Richtigen getroffen haben und es auch solche gibt, für die der Friede an erster Stelle steht - nur sind das dann noch Gläubige im Sinne ihrer Heimat?

Ich erwähne es nur, um es klar zu stellen: Menschen anderer Herkunft reagieren auch emotional und führen Kriege. Doch bevor mir das im Antwortposting vorgeworfen wird, will ich Missverständnissen vorbeugen.


Subjektiv habe ich das Gefühl, dass sie meinen, alle Welt müsse ihren Glauben teilen und sie bekämpfen daher alle Nicht-Gläubigen.

Ein subjektives Gefühl muss nicht der Wahrheit entsprechen, so wie dein subjektives Gefühl von mir auch nicht der Wahrheit entsprechen muss.

Ich habe allerdings NICHT geschrieben: Huch!! Da bin ich aber ehrlich geschockt und verwirrt, ihr Araber, solche Worte von euch? Wo bleibt da die Toleranz? usw.

Für mich besteht in der Wortwahl ein Unterschied, vielleicht gehe ich auch nur zu sensibel damit um oder reagiere zu empfindlich. Doch empfinde ich ein Gespräch auf dem JETZIGEN Niveau bedeutend angenehmer und bin gerne bereit mich in dieser Form mit den Gedanken Andersdenkender auseinander zu setzen.

Ich lehne es ab mich zum emotionalen Sandsack machen zu lassen, wenn du verstehst, wie ich das meine. In Ruhe und Frieden bin ich mit jedem zu jedem Gespräch bereit. Was ich nicht will, sind diese Schlammschlachten, die damit enden, dass man sich gegenseitig beleidigt und nicht mehr respektiert, in denen man den anderen lächerlich macht und sich selbst über ihn erhebt.

Wenn du also z.B. formuliert hättest: Warum werde ich das subjektive Gefühl nicht los, dass du...(oder ähnlich, ist nur ein Beispiel)

...wäre es bei mir als Interesse an einem Austausch angekommen.

Deine Formulierung kam bei mir nicht so an. Vielleicht liegt ein Missverständnis vor und es ist deine Art, Fragen zu stellen, die in deiner Umgebung gut ankommt. Was der eine noch toleriert, ist für den anderen vielleicht schon zu viel?

Vielleicht reagieren *die* Araber ja auf meine Formulierung ebenso und ich müsste mich anpassen an ihre Gepflogenheiten, wenn ich einen Austausch möchte? Irgendetwas muss ja falsch laufen, sonst würde man miteinander sprechen und den anderen verstehen (wenn auch seine Meinung vielleicht nicht teilen).

Frau Merkel beschimpfen oder Flaggen verbrennen oder anderen Ländern mit Bomben drohen ist für mich nicht unbedingt ein Zeichen von Gesprächsbereitschaft.
 
Warum werde ich das subjektive Gefühl nicht los, dass du damit nicht auf meine Fragen geantwortet hast? Ja, vielleicht liegt es an meiner Art Fragen zu stellen. Ich denke immer öfter, ich sollte endlich aufhören, Fragen zu stellen, zumindest hier im Forum. Vielleicht liegt es auch an deiner Art auf Fragen einzugehen - weil sie oft deinem Empfinden nach in einer Art gestellt werden, die für dich nicht akzeptabel ist.

So wie du dein subjektives Gefühl beschrieben hast wie „die“ Araber so sind habe ich mich subjektiv gefragt (danach dich), ob du damit alle Araber unter einem Kamm scherst. Es sind eben nicht „alle“ Araber die Frau Merkel beschimpfen und Flaggen verbrennen. Extremisten gibt es überall, auch hier im Lande.

Und nach wie vor finde ich, dass die Zeilen, die mich aufregten, ja!, im großen Gegensatz zu dem steht, was du hier im Forum sonst schreibst. Aber das ist natürlich nur meine ganz subjektive Meinung.


Britt
 
hallo, karinamixipi. danke für die resonanz.

um deine fragen zu beantworten:

karinamixipi schrieb:
Solange sich Unmutsäußerungen auf Beschimpfen und Flaggenverbrennen beschränken ist das vielleicht nicht gerade akzeptabel, richtet aber keinen Schaden an. Doch was ist, wenn die Emotionen hochkochen und ein Krieg entsteht? Ist es nicht immer angebrachter sachlich und leise über eine Angelegenheit zu sprechen?

sicher wäre das 'angebrachter', zumindest aus der sicht derer, die das stärkere sicherheitsbedürfnis haben. die definition dessen was angebracht ist liegt ja immer den jeweiligen interessen zugrunde, für die es ja zunächst einmal einen kompromiß geben müsste, der jedoch bedauerlicherweise nicht in aussicht steht. ich habe oben, vermutlich vergeblich, bereits darauf hingeweisen, dass es im orient keine vergleichbare entwicklung hin zum liberalismus gegeben hat und versucht die psychologie des djihadisten zu skizzieren. ich möchte noch ergänzen, dass solche extremeisten nicht plötzlich auftauchen wie ein paar schafe die zu wölfen mutieren, während der rest der heerde von nichts weiss. auf einen selbstmordattentäter kommen x beinahe selbstmordattentäter und auf einen beinahe-selbstmordattentäter kommen x beharrliche frömmler und auf einen beharrlichen frömmler kommen x tief gläubige moslems, etc. der hinweis darauf, dass psychologische merkmale ihrer intensität nach ebenso der statistischen normalverteilung unterworfen sind, wie jede andere unabhängige zufallsvariable auch, ist grundsätzlich ein äußerst unangenehmes, regelrecht tabuisiertes argument, jedoch nichtdestoweniger eine tatsache. für das auffahren solch schweren geräts, bin ich es nun natürlich schuldig in aller ausdrücklichkeit hinzuzufügen, dass ich damit nicht sagen will, alle araber seien potentiell gefährlich. einige von ihnen sind jedoch definitv gefährlich. wenn man nicht als qualitativen, aber als strukturellen vergleich die deutschen zur zeit des nationalsozialismus heranzieht, begreift man, wo die problematik im begriff der kollektivschuld in diesem zusammenhang liegt: nicht alle deutschen damals waren fanatische nationalsozialisten (und damit gefährlich), einige waren es jedoch und diese wurden durch die unterstützung des ungefährlichen rests noch gefährlicher. man könnte natürlich sagen 'das waren keine deutschen! das waren nichteinmal menschen!' , aber was bringen einem diese einstudierten reizreaktionsmuster? die nazis waren menschen und es waren deutsche und deutsche waren es, die damals gemordet und offensiv krieg geführt haben. punkt, aus. man kann die kollektivschuld erst einmal sogar völlig außer acht lassen, denn es geht zunächst einmal nur darum festzustellen, dass sich das iranische volk eben zumindest zur zeit hinter sein regime stellt - die gründe dafür sind mit sicherheit vielfältiger und komplexer, als ich es zu ermessen vermag - und man muss sich fragen warum das so ist! in nahezu allen islamischen nationen wird derzeit mit extremistischen führefriguren zumindest sympathisiert und dinge, wie diese blödsinnigen karrikaturen, die aus westlicher sicht trivialitäten sein mögen, verletzen und kränken diese menschen offenbar zutiefst. welchen hinweis braucht der westen noch, um zu begreifen, dass es ausser oktoberfest, hollywood, fusball, pizza und mc-donalds noch andere charakteristika für andere welten gibt? in kleinen maßstäben gedacht fällt es uns doch auch nicht schwer intuitiv das richtige zu tun: wenn man mit nachbarn koexistieren muss, für die es eine verletzung der sphäre des respekts vor ihrem glauben ist, wenn ich sonntag abend in meinem garten umgedrehte kruzifixe in den boden stecke, dann muss ich das doch nicht unbedingt tun und vor allem dann nicht, wenn ich davor schon großen krach mit meinem nachbarn hatte und ich eigentlich die absicht erklärt habe eine friedliche koexistenz anzustreben.
wenn man durch sein verhalten ständig sienen nachbarn provoziert und unnachgiebig bleibt, dann demonstriert man damit seine absicht vor einer möglichen konfrontation nicht zurückzuschrecken und damit legt man auch den willen offenbar seinen nachbarn im zweifelsfall aus dem wege zu räumen. das ist dominanzverhalten und wird in der nachbarschaft auch so verstanden.

es gab einmal eine zeit, da wurden in diesem lande menschen, selbst kinder, verbrannt, wenn sie gegen die kirche oder gott lästerten oder auch nur im verdacht standen gott oder der kirche gelästert zu haben. wieso ist es so schwer zu verstehen, dass sich die zeiten auf der welt eben nicht überall gleich schnell ändern und wer legt fest, wer sich wem anzupassen hat? die araber mögen aus westlicher sicht zu stolz sein, man sollte jedoch nicht vergessen, dass diese sichtweise nur deshalb möglich ist, weil der stolz der westlichen nationen im laufe jahrhundertelanger kriege gebrochen - jawohl, gebrochen - wurde. wer hat also wem etwas voraus? die, die durch die katastrophalen folgen ihrer anmaßung dazugelernt haben oder die, die sich offenbar noch keine anmaßung zu schulden kommen ließen, deren folgen schwer genug wiegen würden, um einen lebenswandel den vergangenen fehlern vorzuziehen?

wenn der westen nicht im stande ist die initiative für einen kompromiß zu ergreifen, dann wird es keinen kompromiß geben. der iran hat jahre darauf gewartet, dass man ihm auf diplomatischer ebene entgegen kommt und es ist nichts geschehen - und ja, wir sind in der pflicht dem iran entgegen zu kommen, weil wir etwas von ihnen wollen und nicht der iran von uns! wielange hätte sich der iran denn nach europäischer vorstellung noch der gefahr einer invasion durch die u.s.a aussetzen sollen? weshalb sollte ein souveräner staat sich nicht strategisch absichern dürfen? mit welchem moralischen recht dürfen wir irgendetwas fordern, insbesondere nach den vielen demütigungen, die die araber durch den westen schon erlitten haben?
wir haben den reichtum, wir haben die macht, wir haben die demokratie, wir haben die menschenrechte, wir haben soziale sicherungssysteme und wir haben unsere phase des fundamentalismus und des grausamsten totalitarismus hinter uns gebracht. die andere seite hat all das nicht. natürlich gibt es ansätze für ein liberales, sekulares bürgertum in teheran und natürlich existieren demokratische ströhmungen in der islamischen welt, aber offensichtlich kann man nicht mit ihnen rechnen. wenn man nun den beleidigten spielt, weil der orient in ein paar dekaden nicht das zustande bringt wofür das gute alte europa wenigstens 1500 jahre benötigt hat, dann wird man nichts weiter bewirken, als dass sich die fronten ins unüberwindliche verhärten und ich befürchte, dass genau dieses geschehen wird.

karinamixipi schrieb:
Muss ich den Araber begreifen oder er mich? Müssen beide sich nicht akzeptieren und annähern? Warum wird Verständnis nur von westlicher Seite erwartet?

die araber verstehen den teil des westens, mit dem sie kontakt haben sehr gut: der westen will das öl und sie ansonsten ignorieren. politik wird nur in den seltensten fällen von milttätigen und vertrauensseeligen gemacht. was wir heute haben, ist eine welt, die von kriegern und tyrannen gestaltet wurde und im grunde wird sie das zum größten teil noch immer. während der beleidigte westeuropäer sich noch vom pausbäckchen die tränchen abwischt, wirbeln die amerikaner bereits die kriegstrommeln, was die europäer irgendwie nicht begreifen oder wahrnehmen wollen, weswegen sie über die ignoranz ihrer verletzten gefühle empört sind. was glaubst du macht den arabern mehr sorgen, die amerikanische kriegsmaschinerie, mit der jüngst der irak überrollt wurde oder unsere vor erregung feuchten patschehändchen?

karinamixipi schrieb:
*** machen diese Selbstmordattentate heute noch Sinn oder könnte man erwarten, dass eine Weiterentwicklung stattfindet?

macht die israelische siedlungspolitik einen sinn? hat es während des irakkrieges einen sinn gemacht, dass auf einen getöten soldaten 10 getötete zivilisten kamen? ich denke ich bin oben ausfürlich genug auf das prinzip des selbstmordattentates eingegangen, so dass ich eine entsprechend ausführlichere (und damit durchdachtere) fragestellung an diesem punkt verdient hätte. genauso gut könnte mann doch fragen, ob krieg, bzw. das töten an sich sinn macht. hatt denn all das leid, dass die araber ständig erfahren haben - von der gegenwart über die jüngere geschichte bis in die antike hinein - irgend einen sinn gemacht? die ganze westliche welt ist entsetzt und fassungslos, wenn in europa ein paar bomben explodieren. ich glaube das ist noch gar nichts, im vergleich zum alltag der araber.

karinamixipi schrieb:
Ebenso muss der Araber verstehen, dass die westliche Welt ANDERS reagiert und denkt

das ist 'dem araber' völlig klar und sogar dem terroristen. unter anderem tötet letzterer genau deswegen. das denken und reagieren der westlichen welt zur zeit der islamischen revolution im iran unter khomeini gestaltete sich beispielsweise darin, den irakischen diktator nicht nur mit finanzmitteln zu unterstützen, sondern auch mit mirage kampfbombern (frankreich) und produktionsanlagen für panzer und raketen (deutschland), ebenso wie mit logistischer und nachrichtendienstlicher unterstützung und chemischen waffen (vereinigte staaten) zu versorgen. dabei scherte man sich natürlich nicht um die folgen einer herrschaft durch die shariah, sondern davor, daß khomeini den ölhahn zugedreht lässt. die gleiche heuchelei haben wir heute im grunde auch wieder: die vereinigten staaten kraulen merkel ein wenig den nacken, putin schenkt ihr einen plüschhund und schon ist man bereit mit den u.s.a über die bedingungen eines möglichen militäreinsatzes zu reden, der natüüürlich nur 'die letzte möglichkeit ist', und legt dem iran nahe doch bittschön so nett zu sein, sich in seiner energieversorgung von mütterchen russland abhängig machen zu lassen. ganz in diesem sinne sind sich die araber vollkommen der tatsache bewußt, 'dass die westliche Welt ANDERS reagiert und denkt'.

gruß,

scipio
 
Zuletzt bearbeitet:
in westlichen ohren ist eine darartig lautende äußerung aus dem munde eines staatschefs natürlich ein grund entsetzt zu sein
Thesenartig einiges um grundsätzliche Probleme zu skizzieren:
1. Die europäische Form des political correctness hat sich bereits an den Höfen der Monarchen herausgebildet und ist kein Ergebnis des Liberalismus. Somit gilt diese Etikette auch bei uns nur in gewissen sozialen Kontexten.
2. Das verbale Verhalten der muslimischen Welt ist nur aus eurozentrischer Sicht übertrieben. Selbst in Europa wenn wir etwas weiter nach Süden oder Osten schauen, müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass eine für unsere Begriffe gefühlsmäßige Übertreibung in der Sprache mehr und mehr zunimmt. Besonders schön merkt man es, wenn man von der Normandie in den Midi reist. In Bali ist einzig ein Lächeln als Gefühlsausdruck gestattet ist und alles Weitere stellt einen Tabubruch dar.
3 Selbst das offizielle Amerika sieht im Verbrennen der US-Flagge sowie das Herumtrampeln darauf als „freie Meinungsäußerung“ Warum wird es schlimm, wenn es Araber machen? Außerdem wie vergesslich eine Ethnie ist, wenn es um die eigene Zivilisation geht: In Wien sind vor der amerikanischen Botschaft schon einige der „heiligen“ Flaggen verbrannt worden, „spontaner“ noch als im Orient.
4. Wir; aber nicht nur wir, haben stets eine ethnozentrische Sicht der Welt. (Die Selbstbezeichnung vieler Ethnien meint nichts anderes als „Mensch“). Aus dieser Sicht sind die „Anderen“ zwar noch keine Tiere, aber vollwertige Menschen auch nicht. Somit werden Menschen anderer Kulturen oft als Wilde, Primitive, Unterentwickelte, bestenfalls noch als Eingeborene, als Exoten gesehen. Das hebt das eigene Selbstwertgefühl, lässt wenig Hochachtung vor den Anderen mitschwingen – besonders dann, wenn wir uns wirtschaftlich oder gar militärisch überlegen fühlen! Die Minderwertigkeit der anderen lässt sich immer begründen.
5. Demokratien verhalten sich nur nach innen demokratisch, außenpolitisch sind sie mindesten ebenso imperialistisch wie die alten Monarchien.
Soweit könnte ich Dir, Scipio, in so manchem, was Du sagst, zustimmen. Trotz allem, die persische Kultur ist bitte dennoch keine arabische, auch wenn beide im jahrtausendlangen Neben- und Miteinander sich stark beeinflusst haben, auch die Perser nicht mehr ganz die ursprüngliche Ethnie sind und auch, wenn das, was Du über die Araber sagst zum größten Teil auch für sie gilt.
6. Jedes Wertesystem ist Kultur bedingt. Es gibt keine allgemein gültigen „ewigen“ Werte. Religionen behaupten dies zwar, doch sind sie sich untereinander da bei weitem nicht einig, außerdem sind diese „ewigen“ Werte dem Zeitenwandel stark unterworfen. Warum also sollten unsere Werte im Iran gelten müssen, wo nicht einmal gewiss ist, ob sie noch morgen bei uns gelten; die Wahrheit als Tochter der Zeit.

Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass japanische Kamikaze- und deutsche Sturzkampfbomberflieger ihre Einsätze flogen, mit fast sicherer Aussicht auf den verklärenden Heldentod. Und in den hehren Heldenepen, die uns St. Hollywood heute ständig vor Augen führt, überlebt zwar meist der Hauptheld, wird gar Gouverneur, aber seine „Freunde“ sterben in rauen Mengen heldenhaft und ruhmreich für ihn und für eine gute Sache. Ebenso altmodisch? mittelalterlich?

Allerdings das Mittelalter habe ich anders in Erinnerung. Weder Früh- schon gar nicht Hochmittelalter hatten einen finsteren Zug an sich. Da werden Klischees bedient, ähnlich wie in der Muslimendiskussion. Gewiss, das Paradies war es nicht, aber die wirklich finsteren Zeiten begannen mit dem Niedergang des Spätmittelalters und dem Beginn der Neuzeit, wo die alten Paradigmen der Moral nicht mehr hielten und die neuen noch nicht herausgebildet waren. Jetzt wurde es zum Sport, Hexen hochnotpeinlich zu befragen, jetzt brannte Giordano Bruno, jetzt zitterte Galilei und das große zivilisierte Geschäft mit dem Sklavenhandel florierte, alles in der „Neuzeit“.

Ob das heutige Konzept der Selbstmordattentäter gänzlich auf Hassan ibn Sabah zurückgeht, wage ich zu bezweifeln, da sind wohl eher hollywood - japanische Vorbilder aus jüngerer Zeit bekannter und wirksamer, denn einen „mittelalterlichen“ Fernseher haben sie ja alle.

Mit der jahrhundertelangen Demütigung arabischer Völker hast Du Recht, und diese endete noch nicht mit dem Ende des Kolonialstatus. Die ehemaligen Kolonien blieben in eine Unzahl von unfreiwilligen Handelsverträgen eingepfercht und die „Gesellschaften“ behielten ihren Besitz.

Dein Versuch, die Selbstmordkommandos differenzierter zu sehen, hat was für sich. Es lässt sich halt keine heutige abendländische Moral verlangen, so lange die abendländisch - wirtschaftlichen und kulturellen Voraussetzungen dazu fehlen. Aber da in den letzten Jahre einige Moscheen und nicht nur Asylantenheime in Europa gebrannt, haben, im spanischen Andalusien der Mob ein Pogrom unter den marokkanischen und formal illegalen aber doch sehr benötigten Gastarbeitern veranstalteten und 12 tote Marokkaner hinterließ, hatte ich nicht den Eindruck das als feine europäische Moral benennen zu dürfen.

Menschliches Leid ist nicht verrechenbar, das gegenseitige Aufrechnen von Fehlern macht nichts aber auch gar nichts gut. Die eigenen aber ständig zu übersehen oder zu verharmlosen, macht alles nur schlimmer, weil es in den Schwächeren die Vermutung weckt, dass er minderwertig sei und Recht nur eine Frage der Macht ist.

Aus Sicht der Muslime, gibt es viele Gründe zornig, verbittert zu sein, auch wenn wir aus unserer Sicht diese absolut nicht wahr haben wollen. Wenn sie schon aus ihrer Sicht ständig gedemütigt werden, indem sie nicht alles machen dürfen, was andere Staaten dürfen, dann sind sie versucht, mit Hilfe verbaler Kraft einen Ausgleich zu schaffen. Wobei aber, glaube ich, dieses für Ahmadinejad persönlich gar nicht ausschlaggebend ist, sondern für die Perser sich in ihm repräsentiert fühlen.

Weil „bad news“ mediale „good news“ sind, wird jedem „bad“ in dieser Region volle und konzentrierte Aufmerksamkeit geschenkt. Zur Not wird ein wenig „bad“ nachgeschaufelt damit’s auch so richtig gut wird, vor allem auch weil es Rechtfertigung für westliches Handeln liefert und ermöglicht westliche Interessen zu wahren.

Lg, diethelm

P.S.: Unsere Presse ist zwar „frei“, aber die „Tatsachen“ sind ist bereits so interpretiert, dass sie unseren Erwartungen entsprechen
 
Nur wer sich selbst bestimmen kann, kann liberal sein

Es gilt, denke ich, mit zu beachten, dass unter der Bedingung des kolonialen Beherrschtwerdens, Liberalismus sich gar nicht entwickeln kann, selbst wenn „er“ wollte. Es ist auch weiters mit zu bedenken, dass Definitionshoheit immer vom Mächtigeren ausgeübt wird, andere „Benennungen“ keine Gültigkeit erlaubt wird. Somit einzig die Sicht des Stärkeren gilt.

Ich bin davon überzeugt, dass ebenso wenig wie das heutige Deutschland, Österreich, Polen nicht ohne seine jüngere Geschichte verständlich ist, ebenso wenig ist es der Iran.

Ich kenne mehrere Perser aus der Schah-Zeit, die in Österreich studierten. Und ich weiß von ihnen, dass in Persien die Religiosität damals „bei Allah“ nicht übermäßig war. Nicht nur die Intelligenz war verhältnismäßig links und säkular eingestellt, auch große Teile der Bevölkerung.

Doch wurde; wer nur irgendwie bedeutend erschien, vom persischen Geheimdienst SAVAK eliminiert. Dieser wurde darin von den westlichen Geheimdiensten mächtig unterstützt, so ihnen nicht rechtzeitig die Flucht gelang. Damals waren bis zu 41.000 militärische und 20.000 zivile US-Berater waren im Iran tätig. Vergessen die Demonstrationen der pers. Studenten, vergessen wie sie von „Jubelpersern“ verprügelt wurden, unter polizeilicher Aufsicht? Alles vergessen? Gleichzeitig wurde in Europa das romantische Bild von einem exotischen Traumprinzen medial aufgebaut, seine brutalen Menschenrechtsverletzungen aber total verschwiegen.

Jeder demokratische Widerstand wurde brutal eliminiert. Letztlich verblieb nur der islamische Klerus in Persien, an dem Widerstand sich kristallisieren konnte. (In Polen, in der Zeit des realen Sozialismus, war die Situation ähnlich, nur katholisch.) Khomeni erhielt in Frankreich Asyl und organisierte von dort aus den Widerstand.

Diese durch die USA unterstützte Diktatur des Schah ist der Mehrzahl der Perser noch in schlechtester Erinnerung, sodass die Perser die „geistliche“ Führung jeder anderen durch die USA unterstützen Führung vorziehen. Die nachbarlichen irakischen Zustände sind auch nicht gerade jene, die verlocken könnten. Ebenso ist den Persern noch gut in Erinnerung, dass die USA den Irak nicht nur zum Krieg um den Shatt Al Arab ermuntert hat sondern auch deren materielle, einschließlich Giftgas, wie logistische Unterstützung, an der auch Europa Anteil hatte.

Auch ist noch nicht vergessen, dass der 1953 gestürzte Schah nach einem Putsch eines Teils der iranischen Armee gegen den Ministerpräsidenten Mossadegh mit Hilfe des CIA wirde auf den Thron gekommen ist. ( „Operation Ajax“. Unter Leitung von Colonel H. N. Schwarzkopf.) Sein Sohn, Norman Schwarzkopf leitete dann den 2. Golfkrieg. Auch nicht, wie die amerikanischen Truppen untätig zusahen, wie von Husseins Truppen nach Persien flüchtende Schiiten zu tausenden niedergemacht wurden Von den Problemen mit der Anglo-Iranian-Oil-Company will ich gleich gar nicht anfangen zu reden. (http://www.mdr.de/nachrichten/173998.html + http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Persiens, wenn sich wer näher dafür interessiert)

Und jetzt erklär mir bitte wer, wie da „Freude“ mit den demokratischen „Freunden“ aufkommen hätte können!

Das eigenartige Verhalten der Atombehörde: Die Inspektoren hatten im Iran völlige Bewegungsfreiheit, weitaus mehr als in Pakistan oder gar den USA, und mussten keine Inspektion anmelden, war berechtigt alles zu überprüfen. Trotzdem wurde versucht, die Errichtung einer Anreicherungsanlage zu verhindern, obwohl laut Atomsperrvertrag sogar die Hilfe der Behörde für die Errichtung zur friedlichen Nutzung vorgesehen ist. So lange die Kontrolleure der Behörde sich frei bewegen können, kann jedes abgezweigte Gramm waffenfähiges Uran festgestellt werden. Aber es geht ja nicht um die Bombe, sondern darum, dass Persiens über seine Energievorräten nicht selbst verfügen kann.

Die nuklearen Anlagen sind für den Iran von großer Bedeutung, weil sie ihm erlauben, Nukleartechnik zur Stromerzeugung einzusetzen das Erdöl teilweise zu verkaufen und teilweise als Treibstoff zu verwenden. Und, was ebenso wesentlich ist, statt des billigen Uranerzes höherwertige Reaktorbrennstäbe zu verkaufen.


Dazu noch wissend, welche Bedeutung Mohammed für die Muslime hat und ihn trotzdem so zu verarschen, hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. In den USA wäre das nie und nimmer möglich gewesen, da war Bush in seiner ersten Reaktion wirklich ehrlich. Es gehört grundlegend zur amerikanischen Kultur, peinlichst darauf zu achten, den Nächsten nur ja nicht in seinen religiösen Gefühlen zu verletzen, denn das wäre ein schwerer Eingriff in seine Privatsphäre! Nun, kostenlos wird Bush seinen politischen Schwenk gewiss nicht gemacht haben.

Ahmadinejad weiß, dass er sein Volk auf harte Zeiten einstimmen muss, will der Iran sein Atomnutzungsprogramm weiter betreiben. Da kommen ihm die die Karikaturen innenpolitisch sehr gelegen und instrumentalisiert sie um einem innerpersischen Schulterschluss zu erreichen; muss er sogar, will er durchkommen!

Ich verstehe das komische Gejeiere um die „Pressefreiheit“ nicht! Es ist auch bei uns Grundvoraussetzung guten Benehmens, wenn man in eine andere Kultur kommt zu achten, was deren Tabus sind. Und wir wissen um deren Tabus sehr wohl. Ihre Beachtung schränkt unsere Presse-, Rede- und Meinungsfreiheit nicht im Geringsten ein. Tun wir doch nicht so, als wäre Mohammedverarschung unsere einzige Freiheit. Wir dürfen uns ihnen gegenüber verbal alle „Freiheiten“ erlauben, wie sie sich uns gegenüber und sich selbst gegenüber erlauben. Nur scheint das das zivilisierte Abendland nicht zu verstehen.

Der Protest wird durch die gesamte muslimische Welt gehen und nicht beschränkt bleiben auf die paar mittelalterlichen Araber. Wenn es nicht gelingt, rechtzeitig zu deeskalieren, und nicht nur von den Muslimen Deeskalation zu verlangen, werden die Zeiten heiß werden,

befürchtet diethelm

P.S.: Wenn man jeden bewaffneten Eingriff der Geheimdienste der abendländischen Länder in die Geschicke anderer Länder ebenfalls als das bezeichnet, was es ist, nämlich Terrorismus, dann stehen sie den muslimischen Ländern nicht nach.
 
diethelm schrieb:
Diese durch die USA unterstützte Diktatur des Schah ist der Mehrzahl der Perser noch in schlechtester Erinnerung, so dass die Perser die „geistliche“ Führung jeder anderen durch die USA unterstützten Führung vorziehen. Die nachbarlichen irakischen Zustände sind auch nicht gerade jene, die verlocken könnten. Ebenso ist den Persern noch gut in Erinnerung, dass die USA den Irak nicht nur zum Krieg um den Shatt Al Arab ermuntert hat, sondern auch deren materielle, einschließlich Giftgas, wie logistische Unterstützung, an der auch Europa Anteil hatte.

Auch ist noch nicht vergessen, dass der 1953 gestürzte Schah nach einem Putsch eines Teils der iranischen Armee gegen den Ministerpräsidenten Mossadegh mit Hilfe des CIA wieder auf den Thron gekommen ist.

Hallo diethelm,

danke für Deinen Beitrag, der an wichtige historische Ereignisse erinnert, die heutzutage in den Medien leider verschwiegen werden. Ich selbst bin alt genug, um diese Dinge noch in guter Erinnerung zu haben.

Wer sich mit der Geschichte ernsthaft auseinandersetzt, der erkennt, was wirklich im Nahen Osten abläuft und wer aus welchen Gründen die wirkliche Gefahr für den dortigen Frieden darstellt!

Gruss
Hartmut
 
Hartmut schrieb:
... an wichtige historische Ereignisse erinnert, die heutzutage in den Medien leider verschwiegen werden
Es ist die Tragödie der modernen jungen Journalisten, dass sie meinen, die Welt existiere erst seit ihrem Schulabschluss, und das reicht für die Interpretation der Ereignisse.

Manchmal allerdings habe ich auch das Gefühl, dass bei einigen Absicht dahinter steckt. Es werden wohl unruhige Zeiten werden!

Lg, diethelm
 
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karinamixipi schrieb:
Subjektiv habe ich das Gefühl, dass sie meinen, alle Welt müsse ihren Glauben teilen und sie bekämpfen daher alle Nicht-Gläubigen.

Hallo karinamixipi,

ich habe gerade das umgekehrte Gefühl, dass es nämlich der "Westen" ist, der glaubt, die allein selig machende Lebensweise zu haben, nach der sich alle richten mögen.

Frau Merkel beschimpfen oder Flaggen verbrennen oder anderen Ländern mit Bomben drohen ist für mich nicht unbedingt ein Zeichen von Gesprächsbereitschaft

Da hast Du sicher recht. Was aber die Bedrohung angeht: Ist es nicht eher so, dass die bis an die Zähne mit Atomwaffen bewaffneten Grossmächte das eigentliche Bedrohungspotential darstellen?

Es ist m.E. einfach lächerlich, von einer echten Bedrohung des Westens durch die islamischen Staaten zu reden. Diese Staaten wollen doch keinen kollektiven Selbstmord begehen!

Gruss
Hartmut
 
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