Es gibt auch Bereiche, wo Gleichbehandlung zu Gerechtigkeit führt. Bei der Chancengleichheit. Klassisches trauriges Beispiel ist unser krudes Schulsystem. Wenn Kinder aus unterschiedlichen sozialen Schichten in der Schule unterschiedlich behandelt werden, ist das ungerecht, trotz Ungleichheit.
Chancengleichheit bedeutet, dass ein*e jede*r die gleichen Chancen hat. Aber eine Chance ist eben auch nur eine Option, mehr nicht.
Unterschiedlich behandelt zu werden: Das ist nicht per se schlecht, ganz im Gegenteil. Es geht nicht darum,
ob Menschen unterschiedlich behandelt werden, sondern
wie sie es werden.
Der oder die eine braucht mehr Unterstützung, der/die andere weniger. "Gerecht" ist es, wenn alle dasselbe bekommen. "Sozial" ist es, wenn man sich um den einen mehr kümmert, und um den anderen weniger.
Heute habe ich, zum ersten Mal in 10 Monaten, mal verschlafen. 20 Minuten, nachdem ich eigentlich schon am Arbeitsplatz hätte sein müssen, rief ich an: Sorry, ich habe verschlafen und komme jetzt dann. Wir haben uns schon Sorgen gemacht, hieß es am anderen Ende (!)
Aha: Ein anderer Kollege kommt dauernd zu spät (wenn auch nur mal so eine Viertelstunde, aber eben ständig), und da macht sich keiner "Sorgen". Aber wenn ich dann einmal abloose, einmal in 10 Monaten, dann sind sie schon alle ganz aus dem Häuschen.
Man sieht: Von mir erwartet man mehr als von anderen, und wenn ich dann einmal zu spät dran bin ... oje, da kann ja etwas nicht stimmen. Liegt er etwa im Straßengraben?
Gerecht ist das nicht - aber zutiefst menschlich, und mir gefällt das.
Zum Thema Kunst und Literatur.
Kinderbücher umzuschreiben finde ich übertrieben und nicht nachvollziehbar. Lieber die als kritisch eingestuften Inhalte pädagogisch aufarbeiten.
Was ich wiederum ok finde, dass speziell bei Kinderbüchern künftig auf die Wortwahl geachtet wird. Das tut niemandem weh.
Ach, ich weiß nicht.
Kinder können mehr aushalten als man glaubt, und insbesondere ihre (Helikopter-)Mütter glauben. Ich habe mal einer 5jährigen Geschichten aus 1001er Nacht erzählt (aus dem Kopf und eher nah am Original). Da passieren ganz haarsträubende und erschrökliche Abenteuer, aber jedesmal, wenn ich zu dieser Familie stieß: Ich musste erzählen ... und zwar von "Räubern, Zauberern, Piraten und Hexen" (die 5jährige ...).
In einer Geschichte (Ali Baba und die 40 Räuber) wird jemand gevierteilt, die Räuber werden am Ende alle grausam umgebracht (mit kochendem Öl) ... ich überlegte mir, ob ich diese garstigen Dinge dem Kind gegenüber nicht weglassen sollte.
Aber ich entschied mich anders: Denn dann wäre die Geschichte nicht mehr folgerichtig gewesen und schließlich ... ein Original ist ein Original.
Also erzählte ich das Märchen in all seiner Garstigkeit, wurde sogar theatralisch, und die anwesende Mutter rollte währenddessen mit den Augen - aber die kleene Biene höhrte mit rotglühendem Kopf zu und genoss jeden Satz meines Vortrags. Und schließlich kommt ja jedes Märchen zu einem gutem Ende, und es sind die Gerechten, die gewinnen, und nicht die Bösen.
Eine "politisch korrekte", "soziale" Geschichte mag zwar erstrebenswert sein - sie ist aber auch stinklangweilig, insbesondere für Kinder. Denn die wollen - wie wir Erwachsenen im Übrigen auch - eben die Räuberpistolen, die Dramen, oder eben Räuber, Zauberer, Piraten und Hexen.
Im Alltag kann man sich verbaler Aggression nicht so einfach entziehen. Bestes Beispiel Cybermobbing. Kam gestern auf Arte, was sich Frauen an Hass anhören müssen.
Ein unhöflicher Mensch ist ein solcher, ob nun real oder im Internet.
Männer dürfen sich übrigens auch einiges anhöhren - von anderen Männern. Allerdings nehmen sie es sich meist nicht so zu Herzen.
Gleichberechtigung bedeutet nicht, ich könnte, dürfte oder sollte Frauen dasselbe sagen, was ich vllt. zu Männern sage. Allein deshalb schon nicht, weil Frauen es möglw. "in einen ganz anderen Kanal bekommen" als Männer.