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So und so ist die Welt

AW: So und so ist die Welt

Ich glaube nicht, dass wir unsere Kinder nur so großziehen können, indem wir ihnen unsere Erklärungsmodelle der Welt überstülpen.
Lehrer könnten Kindern ja auch mit Rat und Unterstützung zur Seite stehen, wenn diese danach fragen.

Natürlich stülpen wir ihnen unsere Modelle über. Und natürlich haben auch Kinder einen eigenen Filter, und entnehmen dem Vorgegebenen das, was sie für wichtig erachten.

Selbst entdecken und neugierig die Welt erforschen, dazu muss ein Kind normalerweise nicht erst von den Eltern oder Erziehern hingeführt werden.

Kein Kind entdeckt einfach so für sich die Welt. Menschen wachsen nicht so auf. Sie wachsen in eine Welt hinein, die ihnen vorgegeben wird.

Im Gegenteil, meistens wird von den Erziehern "in Bahnen gelenkt", "Ordnung gemacht" "Grenzen gesetzt". Das alles deutet doch darauf hin, dass Kinder ganz von selbst forschen wollen und sie von Erwachsenen in ihrem Überschwang eher gebremst werden. Weil sie den Kindern ihre eigenen Vorstellungen der Welt aufzwingen wollen/müssen, um sie in ihre von ihren Erzeugern vorbestimmten Rollen (nämlich ein nützliches Mitglied der zivilisierten Gesellschaft zu sein) zu pressen.

Jede Gesellschaft ist eine Vorgabe, jedes politische Konstrukt, jede Denkrichtung. Frei erforscht hier kein Kind. Ein Kind kann allerhöchstens die Natur zu einem Grad für sich erforschen, mit Matsch spielen, ein Bächlein aufstauen, etc, aber nicht mehr.
Die Welt der Menschen ist nicht naturgegeben. Sie ist von unseren Vorfahren vorgegeben und wird an die Kinder weitervermittelt.

Ich bin wie Raphael der Meinung, dass alles, was jemand an Weisheit über mich ergießt, von mir erst mühsam wieder weggeschafft werden muss, um das zu entdecken, was meine eigene Wahrheit ist, mein Bild von der Welt.

Niemand ist genauso wie ich. Niemand kennt meine Wirklichkeit. Niemand sieht die Welt so wie ich. Also kann nur ich mein eigenes Weltbild haben. Dasjenige eines anderen kann nicht meines sein.

:blume1:

Wir ergießen doch unsere Weisheiten hier ganz freiwillig übereinander, aus Spaß an der Freud, aus Freude am Denken, ohne zwingenden Grund.
Was von einem weit entfernt ist, dringt da auch nicht weiter vor und muss auch nicht mühselig weggeschafft werden.
Mühselig weggeschafft werden müsste gegebenenfalls nur meine eigene Denke, wenn ich aus irgend einem Grund daran zu zweifeln beginne.
 
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AW: So und so ist die Welt

Scheinbar habe ich dir mit "irgendwann muss mal gut sein mit dem ewigen Weiterforschen, Weitererfinden, Weiterentwickeln, Technologiefortschritt..." aus der Seele gesprochen - jetzt wo ich darauf bestehe (in diesem Fall) weiterzuforschen und deine Behauptungen zu belegen.

Aber lass gut sein... du wärst mir eh viel zu "wissenschaftlich".

Mir aus der Seele???
Das machst Du immer so: Wenns eng wird, kommt die Wortakrobatik - langweilig.

:zauberer2
 
AW: So und so ist die Welt

@ Joan05:

Du hast ja recht, aber nur weil es üblich ist, die Kinder mit allem vollzuladen, was wir schon von unseren Vorfahren aufgeladen bekommen haben, muss es ja nicht zwangsläufig so weitergehn.

Wenn du meinst, kein Kind entdeckt einfach so für sich die Welt, dann muss ich dir allerdings vehement widersprechen. Die Kinder, mit denen ich zu tun habe, die entdecken jedes auf seine Art ihre ganz eigene Welt. Und sie brauchen kaum Anleitungen dazu.

Vielleicht entdecken wir hier gerade einen unterschiedlichen Ansatz in der Betrachtung unserer Welten. Kann es denn nicht sein, dass du die Welt anders betrachtest als ich?

:blume1:
 
AW: So und so ist die Welt

Jedes Kind braucht einen Freiraum.
Jedes Kind braucht Grenzen - und sucht sie auch immer wieder!
Jedes Kind braucht "Anleitungen", wie es die Welt selber entdecken kann.

Extreme Handlungen wie die Autorität der alten Schule oder 6 jährige Schlüsselkinder mit jeder Menge Freiheit sind leider auch Realität - aber wohl nicht das Nonplusultra?
 
AW: So und so ist die Welt

Interessant!
Kaum taucht irgendwo eine Idee auf, wo es im weitesten Sinn um unsere persönliche Freiheit geht, tauchen auch sofort die Warner auf, bei deren Worten mir ganz eng ums Herz wird. Noch bevor der Gedanke vorsichtig aufgegriffen wurde (von verfolgen kann ja gar kaum die Rede sein), wird schon geunkt:

"Das geht doch nicht!.... das war doch schon immer so!..... die brauchen das doch!..... usw.usw."


Es ist doch nichts Neues, dass wir alle durch Nachahmen und eigene Erfahrungen lernen. Ich sehe wie es die andern machen und mache es auch so. (Nicht weil mir jemand den Überbau, warum das so ist, erklärt.) Wenn ich damit gute Erfahrungen mache, dann behalte ich es bei. Wenn ich es nicht schaffe, versuche ich es anders.

Aber wenn jemand dazu sagt, ich müsste das nur so und nicht anders machen, weil das das einzig Richtige ist (und ich auch noch dafür bestraft werde, wenn ich es nicht so mache), dann kommt die Angst vor dem Versagen dazu. Und genau die macht uns heutzutage das Leben schwer. Die bringt unsere Kinder dazu, sich lieber mit Drogen vollzudröhnen, damit sie ihre Angst, ihr Leben nicht meistern zu können, nicht spüren.

Ein sarkastisches "Bravo" an alle, die meinen, sie wissen wie man richtig lebt!

Und ja, ich weiß, dass da auch andere Faktoren mitspielen!

Schönen Sonntag allen!
:blume1:
 
AW: So und so ist die Welt

Liebe Leute!

Ich weiß nicht, wie man richtig lebt und so stelle ich mich und die Welt ständig in Frage.

Trotzdem war ich Lehrer von Beruf.
Nur sagte ich meinen Schülern immer, von mir würden sie nicht die Wahrheit hören, sondern lediglich das, was ich dafür halte.
Das scheint mir ein großer Unterschied zu sein.

Mich stören Absolutsheitsansprüche, doch bin ich mir bewusst, dass mein Anspruch, nämlich ungefragt keine Erklärungen über die Welt bekommen zu wollen, ebenfalls ein absoluter ist.

Wer tief genug in sich hineingeht, vermag zu finden.
Das, was er oder sie gefunden hat, gebe er oder sie nur weiter, wenn jemand darum bittet.

So wäre meine Welt beschaffen.

Mit freundlichen Grüßen
Raphael
 
AW: So und so ist die Welt

@ Joan05:

Du hast ja recht, aber nur weil es üblich ist, die Kinder mit allem vollzuladen, was wir schon von unseren Vorfahren aufgeladen bekommen haben, muss es ja nicht zwangsläufig so weitergehn.

Natürlich muss es zwangsläufig so weitergehen. Das liegt in der menschlichen Natur.
Wir müssen unsere Gesellschaft, unsere nicht von der Natur vorgegebene Gesellschaft kennenlernen, unser Land, unsere Lebensweise. Wir entdecken da von unseren Vorfahren Vorgegebenes. "Geh auf dem Gehsteig" - überlebensnotwendig. Die Fische im Bach tabu. Und betritt den Rasen nicht. Nimm nichts von den Supermarktregalen.
Da gibt es ein Vaterland, ein künstliches Konstrukt, zu dem wir keine Alternative haben. Die Grenzen sind gesteckt. Gebote, Gesetze, gilt es einzuhalten.

Wie könnte man das denn ändern? Ein Kind heranwachsen lassen in einer Blase, einem Universum für sich, in dem es sich selbstständig entwickelt? Auch das würde eine Welt vorgeben, ein von aussen konstruiertes Weltbild.

Wenn du meinst, kein Kind entdeckt einfach so für sich die Welt, dann muss ich dir allerdings vehement widersprechen. Die Kinder, mit denen ich zu tun habe, die entdecken jedes auf seine Art ihre ganz eigene Welt. Und sie brauchen kaum Anleitungen dazu.

Sie können sich nur innerhalb der vorgegebenen Richtlinien "frei" entwickeln.
Welche "eigene" Welt entdecken sie denn?

Vielleicht entdecken wir hier gerade einen unterschiedlichen Ansatz in der Betrachtung unserer Welten. Kann es denn nicht sein, dass du die Welt anders betrachtest als ich?

:blume1:

Das mag schon sein. Vielleicht fallen dir die künstlichen, also von unseren Vorfahren erschaffenen Konstruke nicht so sehr ins Auge wie mir, vielleicht nimmst du sie eher als gegeben hin.
Ich sitze beispielsweise im Auto und sehe die Hügel in der Ferne, und versuche mir vorzustellen, wie unsere frühesten Vorfahren wohl gedacht haben, deren Welt offen war, ohne eine vorgegebene Straße, ohne Gehwege und Pfade.
ICH bewege mich zielgerichtet von A nach B, von B nach A, immer auf den selben Pfaden, diese Hügel sind für mich nichts anderes als nette Dekoration. IHM müssen sie als eventuelle Ziel vor Augen gelegen haben, die Erwägung wert, sich dorthin aufzumachen.
Meine Welt ist vorgeplant, seine war offen.
Kein Kind kann heute in eine offene Welt hineinwachsen, weil es eine solche gar nicht mehr gibt.
 
AW: So und so ist die Welt

Raphael,

Wenn jemand so spricht, als würde er mit letzer Sicherheit WISSEN, inwiefern ist das schlimmer für dich, als wenn er zu jeder Aussage einen Zusatz wie IMHO macht?

IMHO hat Sokrates mit letzer Sicherheit recht wenn er sagt, "Ich weiß, dass ich nichts weiß".

Was nun?

Grüße,
Joan
 
AW: So und so ist die Welt

Jeder kann nur das ihm Vorgelegte nach seinem Verständis erschließen. Wenn jemand wissenschaftlichen Thesen nicht folgen kann, dann ist ihm vielleicht das, was ein Guru ihm erklärt, verständlicher und nachvollziehbarer.
Bereitgestellt wird immer viel, die Auswahl bleibt dem Einzelnen überlassen.

Wie schafft es beispielsweise ein Rassist, sein rassistisches Weltbild aufrecht zu erhalten?
Er bedient sich vieler Quellen, sogar wissenschaftlicher.
Qualifiziert ihn das zu einem Selberdenker?

Joan, Du hast grundsätzlich Recht. Aber jeder kann sich heutzutage darüber informieren, was über gewisse Probleme der allgemeine Konsens ist, ob das Medizin, allgemeine Wissenschaft, Politik, Ökonomie ist.

Es ist wahr, dass man da auch eine gewisse Fehlerwahrscheinlichkeit hat, aber gewöhnlich steht ja hinter einem allgemeinen Konsens ein großer Erfahrungsschatz der Menschheit als ganzer.

Es ist demnach viel vernünftiger für Normalo, wenn er sich an dem orientiert, was (z.B.) von der Mehrzahl der Fachleute vertreten wird. Normalo wird soetwas heute übers TV aufnehmen - mit allen Gefahren der Desinformation und Interessenpolitik, die damit verbunden sind. Die Welt ist nirgends perfekt.

Die schlechteste Option ist aber normalerweise, hergelaufenen Einzelnen, die "völlig revolutionäre" Wunderrezepte für Problem XYZ haben, zu vertrauen. Solche Leute sind vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie irgendeine "aus dem Nichts" gekommene Lehre total dogmatisch vertreten. Solche Leute nenne ich Gurus, und solche Leute sind gefährlich. Schau z.B. auf Zwirbels Erfahrungsbericht...

LG, pispezi :zauberer2
 
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AW: So und so ist die Welt

Joan, Du hast grundsätzlich Recht. Aber jeder kann sich heutzutage darüber informieren, was über gewisse Probleme der allgemeine Konsens ist, ob das Medizin, allgemeine Wissenschaft, Politik, Ökonomie ist.

Ein allgemeiner Konsens ist noch lange nicht der Weisheit letzer Schluss. Ich meine sogar, Weiterentwicklung kann es nur geben, wenn jemand sich dem allgemeinen Konsens NICHT anschließt, sondern ihn hinterfragt.

Es ist wahr, dass man da auch eine gewisse Fehlerwahrscheinlichkeit hat, aber gewöhnlich steht ja hinter einem allgemeinen Konsens ein großer Erfahrungsschatz der Menschheit als ganzer.

Gerade heute ist dieser "allgemeine Konsens" oft schlecht begründet. Da wird einfach dies und das behauptet, AUCH von Wissenschaftlern, und das meiste widerspruchslos brav geschluckt. Die Inputs, die Denkarbeit an sich, wird von nur Wenigen getätigt, die große Mehrheit glaubt nur.

Es ist demnach viel vernünftiger für Normalo, wenn er sich an dem orientiert, was (z.B.) von der Mehrzahl der Fachleute vertreten wird. Normalo wird soetwas heute übers TV aufnehmen - mit allen Gefahren der Desinformation und Interessenpolitik, die damit verbunden sind. Die Welt ist nirgends perfekt.

Die schlechteste Option ist aber normalerweise, hergelaufenen Einzelnen, die "völlig revolutionäre" Wunderrezepte für Problem XYZ haben, zu vertrauen. Solche Leute sind vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie irgendeine "aus dem Nichts" gekommene Lehre total dogmatisch vertreten. Solche Leute nenne ich Gurus, und solche Leute sind gefährlich.

LG, pispezi :zauberer2

Gerade in der Medizin gibt es bei jedem Arzt eine andere Meinung. Einer Mehrheit kann man sich also schlecht anschließen.
Blickt der Patient da nicht mehr durch, und geschieht ihm auch keine fühlbare Besserung, kommt ihm ein Guru oft gelegen.

Übrigens, wo wir gerade bei Gurus und Irrglauben sind: Granderwasser, also völlig normales, aber teurerers, weil "belebtes" Leitungswasser, wird heutzutage sogar in Firmen angeboten, findet sich in den Essiggurkerln, etc...

Wo liegt die Grenze zwischen dem, was wahr und dem was unwahr ist, zwischen Wissenschaft und Guruwesen?
 
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