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Manipulativ erzeugte Bluthochdruck-Angst

Dieses Thema im Forum "Wissenschaft und Technik" wurde erstellt von Neugier, 10. September 2019.

  1. Neugier

    Neugier Well-Known Member

    Registriert seit:
    29. März 2004
    Beiträge:
    3.646
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    Manipulativ erzeugte Bluthochdruck-Angst


    Die Grenzwerte für normalen Blutdruck und Beginn von pathologischen
    Formen von Bluthochdruck (Hypertonie) wurden im Laufe der Jahrzehnte
    deutlich nach unten verschoben und werden vor allem für Senioren
    auch heute noch kontroversiell diskutiert.

    Unter anderem wird für Senioren der Nutzen eines medikamentösen
    Therapiebeginns bei einem Blutdruck von unter 160 mm Hg angezweifelt !

    In der häufig zitierten HYVET-Studie wird beispielsweise
    als Therapieziel eine Einstellung auf systolische Werte von 150 mm Hg
    angegeben.


    Die weitestgehend von der Pharma-Industrie gesteuerte Informationspolitik
    über Blutdruck kann bestenfalls als irreführend bezeichnet werden.

    Das soll in nachfolgenden Beiträgen
    an zwei Beispielen illustriert werden:

    1. Verwirrung und Verunsicherung durch unterschiedliche Messmethoden

    2. Selektive Berichterstattung über die Vorbeugung vor Schäden
    durch blutdrucksenkende Medikamente.


    >Das musste auch einmal in aller Klarheit gesagt werden.<

     
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  2. Neugier

    Neugier Well-Known Member

    Registriert seit:
    29. März 2004
    Beiträge:
    3.646

    Verwirrung und Verunsicherung.


    Eine beträchtliche Verwirrung und Verunsicherung gerade älterer Personen
    entsteht durch Veröffentlichung von Statistiken über die Verbreitung
    von Bluthochdruck, bei deren Messung nicht das in allen Arztpraxen,
    Kliniken und handelsüblichen Messgeräten eingesetzte Riva-Rocci Verfahren
    mit Beobachtung der Korotkoff-Geräusche verwendet wird,
    sondern das (präzisere ???) oszillatorische Verfahren.

    Das oszillatorische Verfahren weist beispielsweise bei älteren Personen
    um ca 20 mm Hg niedrigere Werte aus, als das übliche Verfahren.

    Z.B. die Mittelwerte (in Klammer Standarabweichung)
    für Männer in Deutschland in der Altersgruppe von 70 bis 79 Jahren,
    gemessen mit dem üblichen Verfahren:

    153 (23) mm Hg systolisch
    83 (12) mm Hg diastolisch

    Im Gegensatz dazu die Mittelwerte der gleichen Kohorte,
    gemessen mit dem oszillatorischen Verfahren:

    130,27 mm Hg systolisch
    73,29 mm Hg diastolisch

    Wenn nun nach einer Blutdruckmessung einer älteren Person
    mit der üblichen Methode der gemessene Wert
    mit den veröffentlichten Statistiken verglichen wird,
    entsteht der völlig falsche Eindruck,

    dass ein um 20 mm Hg überhöhter Blutdruck vorliegt,


    und die Anwendung von blutdrucksenkenden Medikamenten angezeigt ist.

    Diese Angstmache mit irreführender Information ist eine RIESEN-SAUEREI !

    >Das musste auch einmal in aller Klarheit gesagt werden.<

     
  3. Neugier

    Neugier Well-Known Member

    Registriert seit:
    29. März 2004
    Beiträge:
    3.646

    Selektive Berichterstattung über die Vorbeugung vor Schäden
    durch blutdrucksenkende Medikamente.


    In der Berichterstattung über die positive Wirkung von
    blutdrucksenkenden Medikamenten werden häufig Studien zitiert,
    die eine deutliche Reduktion des Risikos für verschiedene
    Schadensvorfälle aufzeigen.

    Beispielsweise bei der HYVET-Studie eine Reduktion des Risikos
    für Schlaganfall um 21 %,
    für Herzinfarkt um 23 %,
    sowie bei weiteren Risiken eine Reduktion in der gleichen Größenordnung.

    Diese Argumentation wirkt auf den ersten Blick zweifellos überzeugend.

    Bei genauerer Betrachtung stellt sich jedoch zweierlei heraus:

    1. Diese Ergebnisse wurden mit (80-jährigen) Patienten erzielt

    deren mittlerer Blutdruck bei 173 mm Hg lag.


    Das heisst, in diese Untersuchung war eine große Zahl von Patienten
    mit einem Blutdruck von 180, 190, oder 200 mm Hg eingeschlossen.

    Bei einem derart hohen Blutdruck zweifelt kaum jemand daran,
    dass eine Blutdrucksenkung diverse Risiken senken kann.


    2. Das mit der Medikation angestrebte Therapieziel war 150 mm Hg.

    Das heißt im Klartext, für Personen über 80 Jahre

    wird ein Blutdruck von 150 mm Hg als unbedenklich betrachtet.


    Dieses Therapieziel von 150 mm Hg für 80-Jährige
    steht in starkem Kontrast zur Verschreibungspraxis
    von blutdrucksenkenden Medikamenten bei Blutdrücken ab 130 mm Hg.


    >Das musste auch einmal in aller Klarheit gesagt werden.<

     
    Zuletzt bearbeitet: 10. September 2019
  4. Neugier

    Neugier Well-Known Member

    Registriert seit:
    29. März 2004
    Beiträge:
    3.646

    Bluthochdruck-Angsterzeugungs-Religion ?


    Einem notariell beglaubigten Verschwörungstheoretiker drängt sich
    nun die Frage auf:

    Könnte es eventuell sein, dass Missionare einer
    Bluthochdruck-Angsterzeugungs-Religion im Dienste der Pharma-Industrie
    verwirrende selektive Informationen über Zusammenhänge
    zwischen Blutdruck und Krankheitsvorfällen verbreiten,
    die darauf abzielen, möglichst viele Personen zu verunsichern,
    damit sie sicherheitshalber blutdrucksenkende Medikamente einnehmen ?

    Wenn diese Missionare im Hauptberuf als
    Allgemeinmediziner, Internisten oder Apotheker auftreten,
    dann macht das die Sache nicht einfacher.

    >Das musste auch einmal in aller Klarheit gesagt werden.<

     
  5. Neugier

    Neugier Well-Known Member

    Registriert seit:
    29. März 2004
    Beiträge:
    3.646

    Und die Moral von der Geschicht ?


    Welche Schlussfolgerungen sind also
    aus diesen Beobachtungen zu ziehen?

    Allem voran ist darauf zu achten,
    dass zu einem Vergleich der eigenen Messwerte
    mit statistischen Daten über die Gesamtgesellschaft
    eine Statistik herangezogen wird,
    die mit der selben Messmethode erstellt wurde,
    wie die Messung der eigenen Werte.

    Glücklicherweise ist ja eine quasi amtliche Statistik
    über die Verteilung der Blutdrücke in Deutschland verfügbar,
    die mit der am häufigsten verwendeten Messmethode
    nach Riva-Rocci erstellt wurde.

    Der veröffentlichte Bundes-Gesundheitssurvey-1998 (BGS98)
    enthält unter anderem das Kapitel
    "Blutdruck in Deutschland – Zustandsbeschreibung und Trends"

    https://www.thieme.de/statics/dokumente/thieme/final
    /de/dokumente/zw_das-gesundheitswesen/gesu-suppl_klein.pdf

    In diesem Bericht werden auf PDF-Seite 37, Tabelle-1,
    die mittleren Blutdruckwerte und die Standardabweichung
    nach Altersklassen, Geschlecht und West/Ost ausgewiesen.
    Für diese Gesundenuntersuchung wurden die Blutdruckwerte von
    rund 7100 Probanden nach dem Riva-Rocci Verfahren gemessen.
    Diese Statistik eignet sich deshalb sehr gut für Vergleiche
    mit den üblichen Messungen.


    Für Messungen des eigenen Blutdrucks, die mit
    dem oszillatorischen Verfahren vorgenommen wurden,
    steht zum Vergleich ebenfalls eine quasi amtliche Statistik
    zur Verfügung.
    Der im Jahr 2013 veröffentlichte Bericht über Ergebnisse
    der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1)
    enthält unter anderem die Abhandlung
    "Blutdruck in Deutschland 2008–2011"

    http://edoc.rki.de/oa/articles/re8KOEo8EndiU
    /PDF/27o1T5kanfuvA.pdf

    Bei der Gesundenuntersuchung DEGS1 wurden die Blutdruckwerte
    mit dem oszillatorischen Verfahren gemessen.


    Nach dem Vergleich der eigenen Messwerte
    mit einer geeigneten Statistik

    kann die Interpretation der Ergebnisse
    dem Missionar des Vertrauens überantwortet werden
    [... der dann hoffentlich zwischen Korrelation und Kausalität
    unterscheiden kann].

    >Das musste auch einmal in aller Klarheit gesagt werden.<

     
    Zuletzt bearbeitet: 12. September 2019
  6. Bernies Sage

    Bernies Sage Well-Known Member

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    Danke Neugier für diesen Thread. Nach dem Lesen deines Threads habe ich sofort meinen Ruhepuls (mit einer Handmanschette) gemessen und eine erfreuliche Feststellung wie nach einem leichten Dauerlauf gemacht: Puls leicht erhöht und Blutdruck überraschend in einem - für Ärzte leider - "stinknormalen" Bereich...
    :lachen:
     
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  7. 5Zeichen

    5Zeichen Well-Known Member

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    20. Oktober 2010
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    11.415
    ... Ich messe einen Blutdruck nicht.
     
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  8. Bernies Sage

    Bernies Sage Well-Known Member

    Registriert seit:
    31. Oktober 2011
    Beiträge:
    14.726
    Ort:
    Zwischen Erde und Himmel und doch bodenständig
    Leider ist das auch die falsche Antwort.
    Der Mensch darf und muss lernen, wie er seinen Blutdruck ohne Medikamente günstig beeinflussen kann, sobald er seine Körpersignale zu 'mehrdeuten' weiß....
     
    ^gaia^ gefällt das.
  9. ^gaia^

    ^gaia^ Well-Known Member

    Registriert seit:
    20. Januar 2018
    Beiträge:
    3.100
    Im Seniorenheim gabs immer das "Phänomen" des hohen Butdrucks( oder Puls) aufgrund von Aufregung bei Messung. Besonders wenn ein Arzt da war.
    "Ohnein mein Blutdruck ist bestimmt wieder viel zu hoch."Ich gb zu, da hab ich schon gschwindlt, um ihn nch höhr zu jagn. Di näcst Msung passt sich dann der genannten Zahl an.
    Trotzdem war das Messen Pflicht und auch in der ersten Maßnahmen bei Stürzen.
    Ich zieh da Pulsfühlen vor- also spüren wie er sich in Verbindung des Allgemienzutands anfühlt.
    Bzw spürt man ja selbst wenn man Probleme hat und muss da auf den Körper hören.
    Kriegt man zB nen roten Kopf und spürt den Puls hämmern, ist am ende eine Pause angebracht, nn der man mal dann die Füße hochlegt, in Glas Wasser trinkt usw.
    Allerdings sind Medikamte auch nicht immer böse und abzulehnen.
     
  10. Neugier

    Neugier Well-Known Member

    Registriert seit:
    29. März 2004
    Beiträge:
    3.646

    Rücksichtsloses Konsumentenverhalten.

    5Zeichen,
    du bringst es also tatsächlich übers Herz,
    deinen möglicherweise, vermutlich, wahrscheinlich
    weit überhöhten Blutdruck gar nicht erst zu messen?

    Und wie bei einem derart egoistischen Konsumentenverhalten
    die notleidenden Unternehmen wie Bayer, BASF, Ratiopharm,
    GL-Pharma, etc., ihr nagendes Problem der nicht und nicht
    explodieren wollenden Profite lösen sollen,
    daran verschwendest du keinen Gedanken?

    Ts..., ts..., ts... ! :)

    >Das musste auch einmal in aller Klarheit gefragt werden.<

     
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