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An Austria - Was macht ihr bloß?

AW: An Austria - Was macht ihr bloß?

hallo, bakunin!

oh, diese situation des "beamtenmikados" kenn ich wirklich aus deutschland. und nicht nur in hessen, nein auch im bund ist dies mit der großen koalition ja so. die erste hälfte der legislaturperiode konnten sie sich nicht einigen, mussten sich einander gewöhnen, die zweite hälfte steht schon wieder im zeichen des kommenden wahlkampfes und wieder können sie sich nicht einigen. was bleibt dann noch?
 
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AW: An Austria - Was macht ihr bloß?

Hallo !

An Austria - Was macht ihr bloß?
Ich kann natürlich nicht für alle Österreicher sprechen; dennoch fühle ich mich angesprochen, nicht nur, weil ich hier geboren wurde, sondern - und vor allem - weil ich hier bleiben will.

Zur Sache: Wir - und damit meine ich viele Sozialdemokraten in unserem zeit- und teilweise schönen Österreich - machen vorwiegend ein dummes Gesicht, weil wir geglaubt haben, dass unser Parteivorsitzender und jetziger Bundeskanzler Gusenbauer soviel Punsch besitzt, dass er eine - wenn auch nur relative - Mehrheit in sozialdemokratische Politik umsetzen kann.

Mit der Hoffnung, dass sich Menschen ein Leben lang ändern können, verbleibe ich

Zeili

PS.: Mehr würde die Situation mMn wohl nur zusätzlich verwirren.
 
Lilith und Marianne beschrieben hier nun sehr ausführlich eine, wie ich denke, recht rote Sicht der Dinge. Darin spiegelt sich meines Erachtens ein entscheidendes Problem unserer Innenpolitik wider, das sich von der Gemeindepolitik bis zur Bundespolitik mehr oder minder recht konstant durchzieht.

Ich spreche von Parteidenken. Eine Partei neigt dazu die Fehler bei den anderen Parteien zu suchen. Und auch wenn Fehler der eigenen Partei erkannt werden, so wird meistens vermieden, nach außen hin darüber zu sprechen.

Die jetzige Situation unserer Politik ist in dem Sinn keine neue. Wohl aber vielleicht ist der Umstand neu, dass so vieles an die Öffentlichkeit getragen wird. Das Problem wurzelt meines Erachtens zu einem großen Teil darin, dass sich zwei Parteien gegenüberstehen, die von sich glauben, dass sie die stärkere wäre. Sie blockieren sich gegenseitig. Im Unterschied zu unserer vorherigen Regierung, in der es eine klare Linie gab, nämlich die der merklich stimmenstärkeren Partei, der ÖVP. Nun jedoch will keiner von seiner Linie mehr abweichen, und die Situation ist dahin gekommen, dass sich dieser Machtkampf nach außen gedrängt hat, und dass das, was sonst hinter verschlossenen Türen ausgetragen wurde, nun an die Öffentlichkeit gerät.

Meiner Meinung nach gibt es keine (große) Partei, die nicht irgendwo Dreck am Stecken hat. Sie alle führen ihre insgeheime Machttreiberei. Das ist aber kein politisches Problem an sich, es ist ein menschliches Problem. Machtspiele sieht man genauso in Familien, Nachbarschaften, in Betrieben und Firmen. Es wäre naiv, wenn wir uns selbst da ausnehmen würden.

Meine persönliche Einstellung ist daher folgende: Es berührt mich nicht sonderlich. Ich ärgere mich nicht über das, was die Medien mir gerade auftischen, weil ich mir bewusst bin, dass es noch viel mehr von solchen Geschichten gibt, und ich von den meisten nichts weiß und nie etwas wissen werde. Von dem her müsste ich mich ja im Grunde fortlaufend ärgern, über all diese Machttreiberei und dem Egoismus der Menschen. Im Allgemeinen, nicht nur in der Politik.
Das hat jedoch keinen Sinn. Ich kann nur darauf vertrauen, dass letzten Endes schon das Richtige geschehen wird, und bemühe mich lieber, selbst besser zu handeln, als unsere Politiker. Ich glaube nämlich, die meisten unserer Politiker (egal welcher Partei) haben dies in ihrem Leben vergessen, und daher sieht die Situation so aus wie sie heute eben aussieht.
 
AW: An Austria - Was macht ihr bloß?

Das ist vorbei :):):)

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Benjamin- zu Dir... ich habe einerseits nur Fakten wiedergegeben, andrerseits mich sehr kritisch beiden Großparteien gegenüber geäußert.
 
AW: An Austria - Was macht ihr bloß?

Hallo Benjamin!
Ich nehm mal deinen Beitrag her, um auf das Thema Parteipolitik näher einzugehen.

Lilith und Marianne beschrieben hier nun sehr ausführlich eine, wie ich denke, recht rote Sicht der Dinge. Darin spiegelt sich meines Erachtens ein entscheidendes Problem unserer Innenpolitik wider, das sich von der Gemeindepolitik bis zur Bundespolitik mehr oder minder recht konstant durchzieht.

Ich spreche von Parteidenken. Eine Partei neigt dazu die Fehler bei den anderen Parteien zu suchen. Und auch wenn Fehler der eigenen Partei erkannt werden, so wird meistens vermieden, nach außen hin darüber zu sprechen.

Wenn du von Parteidenken sprichst, so muss erst einmal klar sein, dass die Parteien eine wesentliche Basis für die Demokratie sind. Irgendwie klingt es oft so, als ob das was grundsätzliche Schlechtes wäre, dass es Parteidenken gibt. Dabei ist das doch ganz klar, dass ich nur durch eine Parteienstellung meine Interessen artikulieren und wahren kann.

Die Politiker vertreten die Interessen jener Menschen, die sie in diese Funktion gewählt haben. Das ist anscheinend nicht jedem klar, dass er beim Ankreuzen eines Stimmzettels einem Menschen den Auftrag gibt, seine individuellen Interessen zu einem öffentlichen Anliegen zu machen.
Jede Partei vertritt andere Interessen und daher muss in allen Bereichen ein Konsens gefunden werden. Die Streitereien, wer woran Schuld ist, sind dabei auch aus meiner Sicht sehr überflüssig und ärgerlich.

Das nur ganz grob. Einiges läuft da schief, das will ich nicht leugnen, aber grundsätzlich finde ich diese Struktur ganz brauchbar.

Die jetzige Situation unserer Politik ist in dem Sinn keine neue. Wohl aber vielleicht ist der Umstand neu, dass so vieles an die Öffentlichkeit getragen wird. Das Problem wurzelt meines Erachtens zu einem großen Teil darin, dass sich zwei Parteien gegenüberstehen, die von sich glauben, dass sie die stärkere wäre. Sie blockieren sich gegenseitig. Im Unterschied zu unserer vorherigen Regierung, in der es eine klare Linie gab, nämlich die der merklich stimmenstärkeren Partei, der ÖVP.

Genau diese klare Linie der ÖVP war der Grund, warum die SPÖ trotz BAWAG-Skandals und ÖGB-(Fast)Zusammenbruch bei der Nationalratswahl 2006 wieder stimmenstärkste Partei wurde. Denn die sehr einseitige Wirtschafts- und Steuerpolitik der Schwarz-blaurangen Regierung, die die Schere zwischen arm und reich noch weiter aufmachte, die wollten viele nicht mehr unterstützen.

Nun jedoch will keiner von seiner Linie mehr abweichen, und die Situation ist dahin gekommen, dass sich dieser Machtkampf nach außen gedrängt hat, und dass das, was sonst hinter verschlossenen Türen ausgetragen wurde, nun an die Öffentlichkeit gerät.

Und das ist auch gut so. Vom Volk gewählte Vertreter haben nicht hinter verschlossenen Türen Geheimnisse auszumauscheln.

Meiner Meinung nach gibt es keine (große) Partei, die nicht irgendwo Dreck am Stecken hat. Sie alle führen ihre insgeheime Machttreiberei. Das ist aber kein politisches Problem an sich, es ist ein menschliches Problem.
Da hast du leider Recht. Aber eben, weil es ein menschliches Problem ist, gibt es ja Kontrollorgane. Nun stellt sich heraus, dass dort, wo eine Partei schon lange die Mehrheit hat, gewisse Usancen einreißen, wo sich das öffentliche Mandat und die Parteiinteressen mischen. Wie sich ja beim Innenministerium herausstellt, das aus langer Tradition bis zu Liese Prokop mit niederösterreichischen Politikern besetzt wurde, was der Landeshauptmann von NÖ, Erwin Pröll, ganz offensichtlich als Möglichkeit betrachtete, der Nö. ÖVP Informationen aus erster Hand zu verschaffen. Denn viel Interessantes bzw. möglicherweise Brisantes, was dort an polizeilichen Informationen erhoben wurde, landete gleich einmal auf dem Tisch der NÖ. VP-Zentrale.

Wie praktisch sowas ist, sah man ja auch am ganz zufällig in einen Wahlkampf gefallenen Bawag-Skandal, wo Informationen, die schon relativ alt waren, plötzlich als Munition gegen die SPÖ verwendet wurden. Oder jetzt wieder, jetzt tauchen auf einmal sehr auffällig platzierte Schachteln mit Unterlagen auf, die auf eine mögliche Parteienfinanzierung der SPÖ durch die BAWAG hinweisen. Aber es gibt ja auch nächste Wochen Landtagswahlen in NÖ. Wär ja schade, wenn diese Schachteln nicht sinnvolle Verwendung gefunden hätten.

Machtspiele sieht man genauso in Familien, Nachbarschaften, in Betrieben und Firmen. Es wäre naiv, wenn wir uns selbst da ausnehmen würden.

Es geht mMn gar nicht darum, sich über Machtspiele zu ärgern. Es geht darum, die Auswüchse dieser Machtspiele, nämlich einerseits persönliche Bereicherung und Amtsmissbrauch, andererseits die dadurch wieder wachsende Korruption von öffentlichen Bereichen zu verhindern bzw. wieder aufzudecken und hier Ordnung zu schaffen.
Das ist sicher nicht ganz leicht, denn wenn sowas schon eine Zeit lang läuft, ohne dass irgendjemand genau hinschauen will - die Gründe lass ich jetzt einmal beiseite, dann hat das schon Kreise gezogen.
Ich wünsche und hoffe, dass es trotzdem möglich ist, auch wieder Licht in so manches Dunkel zu bringen.


Meine persönliche Einstellung ist daher folgende: Es berührt mich nicht sonderlich. Ich ärgere mich nicht über das, was die Medien mir gerade auftischen, weil ich mir bewusst bin, dass es noch viel mehr von solchen Geschichten gibt, und ich von den meisten nichts weiß und nie etwas wissen werde. Von dem her müsste ich mich ja im Grunde fortlaufend ärgern, über all diese Machttreiberei und dem Egoismus der Menschen. Im Allgemeinen, nicht nur in der Politik.

Das habe ich so wie du, auch nicht für sinnvoll erachtet. Deshalb bin ich ja auf Gemeindeebene in die Politik gegangen. Da wusste ich so viel wie das, was ich hier von dir lese.
Ich dachte, die sind ja alle gleich, alle haben Dreck am Stecken, keiner braucht über den anderen zu schimpfen.
Und eigentlich ist es egal, wer da oben sitzt. Sie bedienen sich ja alle nur im eigenen Interesse.
Aber das stimmt so nicht. Nicht so allgemeingültig und so pauschal.
Es gibt Korruption, aber es gibt auch Kontrolle. Es gibt Willkür, aber sie hält sich nicht lang. Es gibt, wie du sagst, Benjamin, alles das, was an menschlichen Abgründen auftauchen kann. Aber die Kontrollinstanzen funktionieren im Großen und Ganzen ganz gut. Wenn auch die Mühlen manchmal sehr langsam mahlen.



Das hat jedoch keinen Sinn. Ich kann nur darauf vertrauen, dass letzten Endes schon das Richtige geschehen wird, und bemühe mich lieber, selbst besser zu handeln, als unsere Politiker. Ich glaube nämlich, die meisten unserer Politiker (egal welcher Partei) haben dies in ihrem Leben vergessen, und daher sieht die Situation so aus wie sie heute eben aussieht.
Du ziehst sehr edle Schlüsse für dich. Dafür möchte ich dir meine Anerkennung aussprechen. Das ist es auch, was jeder einzelne tun kann, denn die Politik gibt durch Gesetze ja nur einen Rahmen vor.

Eins ist mir aber klar geworden: Es ist ein großer Unterschied, wo die Richtung der ÖVP hinführt und wo die Richtung der SPÖ. Denn wenn auch die Art und Weise, wie Politiker reden, wie sie sich gegenseitig die Schuld zuschieben, oder wie sie einen Wahlkampf führen, in allen Parteien sehr ähnlich ist, so geht es doch um die Inhalte, die sie im Interesse der Menschen, die sie gewählt haben, umsetzen sollen.

Gusi hat als Persönlichkeit viel Glaubwürdigkeit eingebüßt, weil er seine großartigen Versprechen nicht halten konnte. Er opferte sie der Koalition. Die ÖVP weiß, dass Gusenbauer die Koalition nicht aufs Spiel setzen will, und presst damit die SPÖ bis an die Schmerzgrenze.
Aber wenn man sich ansieht, wo in Österreich in den Jahren der Schüssel-Regierungen eingespart wurde - bei den Leistungen der Krankenkassen, beim öffentlichen Verkehr, bei den Pensionen,..... und wenn man sieht, welche Steuerpolitik betrieben wird, wie z.B. die Abschaffung der Erbschaftsteuer, oder eine geplante Senkung des Einkommensteuerhöchstsatzes, dann sieht man schon wo es hinführen sollte. Ja, von irgendwoher musste das ja kommen, dass die Reichen reicher und die Armen ärmer wurden.

Es ist kühl geworden hier in Österreich. Gusenbauer hat sehr viel versprochen, damit er Kanzler werden konnte, hat sehr viel verspielt mit den leidigen Kompromissen für die Koalition mit der ÖVP, aber hält hoffentlich die Blockade noch eine Weile durch, weil mit weiteren Jahren ÖVP-Politik der Sozialabbau noch radikaler betrieben würde.

Die Sozialdemokraten können ihre Politik erst dann wirksam umsetzen, wenn die Mehrheitsverhältnisse nicht so knapp liegen, sodass sich eine Koalition mit einer der kleinen Parteien ausgeht.

Sollten wir wirklich auf Neuwahlen zusteuern, dann bricht bei mir das große Zittern und Bangen aus, so wie vor der letzten Wahl. Denn derzeit lässt sich nicht einschätzen, für welche der beiden Koalitionsparteien der günstigere Wind weht.
:blume1:
 
AW: An Austria - Was macht ihr bloß?

Wenn du von Parteidenken sprichst, so muss erst einmal klar sein, dass die Parteien eine wesentliche Basis für die Demokratie sind. Irgendwie klingt es oft so, als ob das was grundsätzliche Schlechtes wäre, dass es Parteidenken gibt. Dabei ist das doch ganz klar, dass ich nur durch eine Parteienstellung meine Interessen artikulieren und wahren kann.

Die Politiker vertreten die Interessen jener Menschen, die sie in diese Funktion gewählt haben. Das ist anscheinend nicht jedem klar, dass er beim Ankreuzen eines Stimmzettels einem Menschen den Auftrag gibt, seine individuellen Interessen zu einem öffentlichen Anliegen zu machen.
Jede Partei vertritt andere Interessen und daher muss in allen Bereichen ein Konsens gefunden werden. Die Streitereien, wer woran Schuld ist, sind dabei auch aus meiner Sicht sehr überflüssig und ärgerlich.

Das nur ganz grob. Einiges läuft da schief, das will ich nicht leugnen, aber

:blume1:

So ist es, lilith .... genau so...
ich begründe noch einenen Schritt weiter,
grundsätzlich finde ich diese Struktur ganz brauchbar.
, denn das sind eben die Machtmechanismen in einer repräsentativen Demokratie.
 
AW: An Austria - Was macht ihr bloß?

Die Sprachregelung geht nun dahin, dass wir mit einer Strategie der gegenseitigen Blockade zwar nicht weiterkommen, weder schwarz noch rot bringt etwas zustande, aber es wird dadurch auch eine weiterer Abbau der sozialen Errungenschaften verhindert, wie er in den 7 Jahren der schwarz/blau-orangen Koalition betrieben wurde.

Blockade ist Stagnation.
Offenbar habt ihr ein Kommunikationsproblem, denn das Rezept wäre in der Theorie (ich weiss, die politische Praxis ist wesentlich komplizierter) einfach: Klare Kommunikation was man will (und davon sehe ich derzeit nichts).

Vielleicht hast du mitgekriegt, dass im Zug des großen BAWAG-Skandals auch der ÖGB, der Österreichische Gewerkschaftsbund involviert war, der dadurch fast zerschlagen wurde und schwer zu kämpfen hat, um sich wieder neu zu ordnen. Das waren gezielte Manöver der Schwarzen, die dadurch viel Spielraum für ihre Zwecke gewonnen haben. Natürlich haben die Roten genug Anlässe geliefert, dass diese Machtspielchen greifen konnten, aber alles, was an verdächtigen Machenschaften bekannt wurde, wurde erst dann öffentlich gemacht, als es für den Wahlkampf der ÖVP als Munition eingesetzt werden konnte. Super Strategie!

Daran sind die SPÖ und ihr Nahestende nun wirklich selber schuld. Was bei der Bawag alles zu Tage kommt ist ja nun wirklich widerlich und ihr könnt ja nicht vom politischen Gegner erwarten, dass er so eine Vorlage nicht auch nutzt.


Ein Untersuchungsausschuss, der prüfen soll, in welcher Art das Innenministerium hier für Parteizwecke missbraucht wurde, ist nun gerade zum Prüfstein für die Koalition geworden. Die ÖVP tat kund, falls die SPÖ diesem Untersuchungsausschuss zustimme, dann sei dies ein Bruch der Koalition.

Das zeugt nur vom unterentwickelten Demokratieverständnis der ÖVP. Und ich denke, dass das Volk klug genug ist, so etwas nicht zu goutieren, noch dazu wo die zu untersuchenden Vorfälle auch einen populären Kriminalfall berühren.

In Niederösterreich sind am 9.März Landtagswahlen, d.h. die Landesregierung wird gewählt. Hier hat die ÖVP eine satte Mehrheit, unser Landeshauptmann Pröll agiert wie ein feudaler Herrscher, das spielt hier natürlich auch noch eine Rolle in der derzeitigen politischen Landschaft.

Phänomene wie Pröll oder die jahrzehntelange Regierung der CSU in Bayern sind mir völlig unverständlich. Wer so lange an der Macht ist wird zwangsläufig korrumpiert. Das tut keiner Partei gut.
 
Benjamin- zu Dir... ich habe einerseits nur Fakten wiedergegeben, andrerseits mich sehr kritisch beiden Großparteien gegenüber geäußert.

Ja, ich gebe zu, dein Eingangsbeitrag war imgrunde nicht wirklich einer roten Sicht verhaftet, da hab ich dich ein wenig voreilig mithinein gezogen. Sorry. Aber nichtsdestotrotz halte ich folgendes Kommentar nicht für ein wirkliches Faktum:
Marianne schrieb:
Die ÖVP mit dem nunmehrigen Klubobmann Schüssel , der als graue Eminenz wähnt, weiterhin die österreichischen Politthemen vorgeben zu müssen, legte sich von Anfang an zu allen Arbeitsvorschlägen der SPÖ quer.
Es soll ja durchaus auch Einigungen gegeben haben.

Ob es aber wirklich zu Neuwahlen kommt ? Wer weiß. Jedenfalls im Augenblick würde die Bevölkerung eher der ÖVP die Schuld daran geben.

Bei einer anderen Umfrage, und zwar, wer momentan mehr Stimmen erhalten würde, war die ÖVP vor der SPÖ. (Hab ich in irgendeiner Zeitung jetzt am Wochenende gesehen ... glaub, es war die Kleine Zeitung.)
 
Die Politiker vertreten die Interessen jener Menschen, die sie in diese Funktion gewählt haben. Das ist anscheinend nicht jedem klar, dass er beim Ankreuzen eines Stimmzettels einem Menschen den Auftrag gibt, seine individuellen Interessen zu einem öffentlichen Anliegen zu machen.

Das sehe ich nicht so. Politker vertreten nicht die Interessen ihrer Wähler. Politiker vertreten Interessen, und Wähler können sich für diese Interessen entscheiden. Es ist aber nicht so, dass der Wähler zum Politiker geht, und ihm einen Wunschzettel überreicht. Viel mehr kreirt der Politiker ein Programm und der Wähler kann sagen, das nehm ich oder ich nehm es nicht.
Ich hatte bei keiner politischen Wahl das Gefühl, eine Partei würde meine Interessen vertreten. Ich habe mich bloß für das Programm entschieden, das mir am meisten zusagte ... man möchte fast meinen, das kleinere Übel.

Genau diese klare Linie der ÖVP war der Grund, warum die SPÖ trotz BAWAG-Skandals und ÖGB-(Fast)Zusammenbruch bei der Nationalratswahl 2006 wieder stimmenstärkste Partei wurde. Denn die sehr einseitige Wirtschafts- und Steuerpolitik der Schwarz-blaurangen Regierung, die die Schere zwischen arm und reich noch weiter aufmachte, die wollten viele nicht mehr unterstützen.

Ich denke, das ist allerhöchstens eine Teilwahrheit. Ich persönlich habe nicht das Gefühl, dass uns die Regierung unter der ÖVP ein ärmeres Österreich gebracht hätte. Bei uns im Bezirk wurde in den letzten Jahren so viel gebaut und investiert, wie ich es zuvor noch nicht erlebt habe. Auch meine persönlichen Lebensumstände sind durch aus gut, und ich schätze mich zufrieden, vor allem mit dem Gedanken daran wie wahnsinnig viel wir doch wirklich haben.
Zu sagen, die letzte Regierung wäre daran Schuld gewesen, dass die Schere zwischen arm und reich weiter auseinander gegangen ist, halte ich für - verzeih bitte die Direktheit - naiv. Damit wären alle Regierungen Europas "schlecht" wie unsere letzte. Dass die Schere zwischen arm und reich sich immer weiter öffnet, ist kein österreichisches Problem an sich, es ist ein Problem weltweit. Man kann nicht einfach so jedes gesellschaftliche Problem, der Politik vor die Füße werfen und erwarten, dass sie es löst.
Die meisten - wenn nicht sogar alle - gesellschaftlichen Probleme werden von der gesamten Gesellschaft mitgeschürt und getragen. Klar, soll es die Aufgabe der Politik sein, Lösungen zu finden und diese durchzusetzen.
Viele Ansätze der ÖVP finde ich auch nicht unbedingt gut. Und viele Ideen der Sozialdemokraten sind an und für sich nicht schlecht und human. Aber Humanes versprechen und Humanes bewirken sind eben zwei verschiedene Paar Schuhe.
Reiche stärker besteuern und Arme entlasten klingt super und schön, aber sind wir uns auch den Folgen bewusst? Wenn die Regierung die reiche und wohlhabende Schicht zu stark besteuert, werden diese zunehmend das Weite suchen, und sich in Ländern ansiedeln, wo sie weniger zahlen müssen. Im Endeffekt wird dadurch unsere Wirtschaft ruiniert, weil die Betriebe absiedeln.

Einfach so in den Raum zu werfen, dies ist schlecht und jenes gehört verbessert, ist unheimlich leicht. Aber hier wirklich ein gesundes Mittelmaß zu finden, ist schon eine Sache für sich.

Es gibt Korruption, aber es gibt auch Kontrolle. Es gibt Willkür, aber sie hält sich nicht lang. Es gibt, wie du sagst, Benjamin, alles das, was an menschlichen Abgründen auftauchen kann. Aber die Kontrollinstanzen funktionieren im Großen und Ganzen ganz gut. Wenn auch die Mühlen manchmal sehr langsam mahlen.

Ja, das will ich auch gar nicht abstreiten. Was ich aber abstreiten will, ist, dass es eine Großpartei gebe, die nicht selbst korrupte Teile habe, die selbstsüchtig und willkürlich agieren.

Aber wenn man sich ansieht, wo in Österreich in den Jahren der Schüssel-Regierungen eingespart wurde - bei den Leistungen der Krankenkassen, beim öffentlichen Verkehr, bei den Pensionen,..... und wenn man sieht, welche Steuerpolitik betrieben wird, wie z.B. die Abschaffung der Erbschaftsteuer, oder eine geplante Senkung des Einkommensteuerhöchstsatzes, dann sieht man schon wo es hinführen sollte. Ja, von irgendwoher musste das ja kommen, dass die Reichen reicher und die Armen ärmer wurden.

Du scheinst mir die Dinge doch sehr einseitig zu betrachten. Ich stelle ganz einfach einmal die Frage: Woher soll der Staat denn das Geld nehmen, das er nicht hat? Weiter verschulden? Reiche besteuern?
 
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AW: An Austria - Was macht ihr bloß?

Das sehe ich nicht so. Politker vertreten nicht die Interessen ihrer Wähler. Politiker vertreten Interessen, und Wähler können sich für diese Interessen entscheiden. Es ist aber nicht so, dass der Wähler zum Politiker geht, und ihm einen Wunschzettel überreicht. Viel mehr kreirt der Politiker ein Programm und der Wähler kann sagen, das nehm ich oder ich nehm es nicht.
Ich hatte bei keiner politischen Wahl das Gefühl, eine Partei würde meine Interessen vertreten. Ich habe mich bloß für das Programm entschieden, das mir am meisten zusagte ... man möchte fast meinen, das kleinere Übel.
Das siehst du nicht so, aber trotzdem ist es so. Vielleicht vergisst du aber nur, dass am Tag der Wahl über etwas entschieden wird, das den Weg von der Basis jeder Partei, durch alle Ebenen bis zur Bundesebene durchdiskutiert und erarbeitet wurde. Wenn du deine demokratischen Rechte nicht wahrnimmst, nämlich dein Mitspracherecht auch auszuüben, zum Bürgermeister oder den Vertretern der politischen Parteien auf Gemeindeebene zu gehen, um deine Interessen zu artikulieren, dann ist es billig, "den Politikern" vorzuwerfen, sie würden deine Interessen nicht vertreten.
Wie hältst du es denn bisher mit deinem Mitspracherecht? Gehst du zu Parteiversammlungen, zu Bürgerversammlungen die der Bürgermeister veranstaltet? Liest du die Anschläge in den Schaukästen der Gemeinden, wo bekanntgemacht wird, welche Vorhaben in der Gemeinde grad geplant werden, wie das Geld ausgegeben wird, etc. Gehst du zu öffentlichen Sitzungen des Gemeinderats, des Landtags, des Parlaments? Informierst du dich und schreibst deine Meinung oder Kritik an die dafür zuständigen Stellen in den Ämtern bzw. Ministerien?


Ich denke, das ist allerhöchstens eine Teilwahrheit. Ich persönlich habe nicht das Gefühl, dass uns die Regierung unter der ÖVP ein ärmeres Österreich gebracht hätte. Bei uns im Bezirk wurde in den letzten Jahren so viel gebaut und investiert, wie ich es zuvor noch nicht erlebt habe. Auch meine persönlichen Lebensumstände sind durch aus gut, und ich schätze mich zufrieden, vor allem mit dem Gedanken daran wie wahnsinnig viel wir doch wirklich haben.

Ja, so werden Ergebnisse einer Regierungsperiode meistens beurteilt. Gehts mir halbwegs gut, dann hat die Regierung halbwegs gut gearbeitet.
Das war mir zuwenig, nur nach "meinem Gefühl" einzuschätzen.

Zu sagen, die letzte Regierung wäre daran Schuld gewesen, dass die Schere zwischen arm und reich weiter auseinander gegangen ist, halte ich für - verzeih bitte die Direktheit - naiv. Damit wären alle Regierungen Europas "schlecht" wie unsere letzte. Dass die Schere zwischen arm und reich sich immer weiter öffnet, ist kein österreichisches Problem an sich, es ist ein Problem weltweit. Man kann nicht einfach so jedes gesellschaftliche Problem, der Politik vor die Füße werfen und erwarten, dass sie es löst.
Ach! Wer sollte sich denn deiner Meinung nach darum kümmern? Die Politiker sind für die Erfüllung der öffentlichen Bedürfnisse der Allgemeinheit zuständig. Sie verwalten schließlich das Geld, das die Bürger ihnen genau zu diesem Zweck abliefern. Das ist ja keine Gnade, dass der öffentliche Verkehr, die sozialen Einrichtungen, die Sicherheitseinrichtungen usw....... funktionieren sollen. Das ist schlicht und ergreifend die Arbeit, für die Politiker und die Beamten als Ausführende der Politischen Entscheidungen gut bezahlt werden. Und wenn z.B. Entscheidungen immer wieder zugunsten einer Bevölkerungsschicht getroffen werden, die dann immer grad ein bissel mehr als andere kriegen, dann geht die Schere eben auf. Wer sollte dafür sonst verantwortlich sein? Von Naivität kann da keine Rede sein.


Die meisten - wenn nicht sogar alle - gesellschaftlichen Probleme werden von der gesamten Gesellschaft mitgeschürt und getragen. Klar, soll es die Aufgabe der Politik sein, Lösungen zu finden und diese durchzusetzen.
Viele Ansätze der ÖVP finde ich auch nicht unbedingt gut. Und viele Ideen der Sozialdemokraten sind an und für sich nicht schlecht und human. Aber Humanes versprechen und Humanes bewirken sind eben zwei verschiedene Paar Schuhe.

Reiche stärker besteuern und Arme entlasten klingt super und schön, aber sind wir uns auch den Folgen bewusst? Wenn die Regierung die reiche und wohlhabende Schicht zu stark besteuert, werden diese zunehmend das Weite suchen, und sich in Ländern ansiedeln, wo sie weniger zahlen müssen. Im Endeffekt wird dadurch unsere Wirtschaft ruiniert, weil die Betriebe absiedeln.

Das diese Politik nicht zum gewünschten Ergebnis führt, das können wir zunehmend beobachten, denn die Betriebe kassieren erstmal alles, was sie an Unterstützung kriegen können, und dann entlassen sie trotzdem die Leute und ziehen woanders hin, wo es billiger ist.

Und vielleicht hast du sogar schon davon gehört, dass es Österreich von einigen anderen EU-Ländern schon sehr übel genommen wird, dass es hier noch so etwas wie ein Steuerparadies gibt, das z.B. Deutsche als Steuerflüchtlinge nützen.

Der erpresserischen Haltung von manchen Unternehmen, die mit der Verantwortung ihren Aktionären gegenüber argumentieren, sollte eine Steuerpolitik entgegengesetzt werden, die einen fairen Ausgleich für die Arbeiter garantiert. Schließlich ist die Regierung eines Landes für das Wohl aller ihrer Bürger verantwortlich, nicht nur für die Unternehmer und die Leute, die Geldgeschäfte machen.


Einfach so in den Raum zu werfen, dies ist schlecht und jenes gehört verbessert, ist unheimlich leicht. Aber hier wirklich ein gesundes Mittelmaß zu finden, ist schon eine Sache für sich.

Wer macht das? Ich finde auch nicht, dass das leicht ist. Ein gesundes Mittelmaß sollte das Ergebnis einer guten Regierungsarbeit sein, das sehe ich auch so. Wo einmal die eine Seite und einmal die andere zum Zug kommt, da kommt es auch zu diesem Ergebnis.
Sehr einfach machen es sich mMn jene, die am Ergebnis herumkritisieren, sich selbst aber niemals die Mühe machen, für die Allgemeinheit etwas zu tun. Und die sich nicht einmal dazu aufraffen können, an einer zuständigen Stelle an einer Formulierung von Interessen teilzunehmen. Aber sich dort, wo nur gejammert und genörgelt wird, ausweinen. Pauschal auf "die Politiker" schimpfen, das ist leicht. Es selbst besser machen, oder zumindest versuchen, etwas beizutragen, dass es besser wird, das ist schwer.

Ja, das will ich auch gar nicht abstreiten. Was ich aber abstreiten will, ist, dass es eine Großpartei gebe, die nicht selbst korrupte Teile habe, die selbstsüchtig und willkürlich agieren.

Das streite ich auch nicht ab. Das bewirkt sogar, dass ich immer wieder, wenn wieder so ein Skandal aufgedeckt wird, am liebsten sofort meine politische Tätigkeit einstellen würde.
Allerdings will ich ja nicht gerade diejenigen, die sich bemühen, ihre Arbeit ordentlich zu machen, hängen lassen. Wenn alle ehrlichen und geradlinigen Politiker aufgeben, dann bleiben die korrupten und eiskalten Egoisten, die nur auf ihren eigene Sack schauen, übrig. Ich kann dir auch sagen, dass das nicht lustig ist, wenn man für die schweren Fehler, die unsere Parteikollegen begangen haben, den Hass und die Kritik ins Gesicht geworfen (manchmal sogar gespuckt) bekommt, obwohl einem selbst das Herz blutet, weil man es kaum fassen kann, was da so geschehen ist.

Du scheinst mir die Dinge doch sehr einseitig zu betrachten. Ich stelle ganz einfach einmal die Frage: Woher soll der Staat denn das Geld nehmen, das er nicht hat? Weiter verschulden? Reiche besteuern?

Zweiteres! Es gibt genug Geld, das kannst du getrost glauben. Eine Steuerreform könnte die Spirale wieder in eine faire Richtung drehen. Die Ärmeren und die mittlere Einkommensschicht können nicht mehr weiter ausgepresst werden. Die haben keine Reserven mehr.

Wer meinst du, kann vom Kuchen etwas hergeben? Die paar Millionen, von denen jeder drei Brösel kriegt, oder die paar Tausend, die den Hauptanteil des ganzen Kuchens haben?
Die Rechnung dürfte nicht allzu schwer sein.

:blume1:
 
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