• Willkommen im denk-Forum für Politik, Philosophie und Kunst!
    Hier findest Du alles zum aktuellen Politikgeschehen, Diskussionen über philosophische Fragen und Kunst
    Registriere Dich kostenlos, dann kannst du eigene Themen verfassen und siehst wesentlich weniger Werbung

Ein politisch bedenkliches Signal

AW: Ein politisch bedenkliches Signal

Miriam
Was ist eigentlich Neuenfels Grundgedanke in seiner Inszenierung des Idomeneo? Der Regiseur zeigt symbolisch, dass der Mensch sich gegen die Allmacht der Götter auflehnen kann und auch soll.
Idomeneo, der Kreterkönig, lehnt sich gegen den Befehl der Götter auf seinen Sohn Idamantes zu opfern - und dies betrifft in der Auslegung von Neuenfels nicht nur Poseidon, sondern auch die großen Glaubensrichtungen und auch die Religionskriege.

Thema verfehlt (von Hans Neuenfels)
 
Werbung:
AW: Ein politisch bedenkliches Signal

Thema verfehlt (von Hans Neuenfels)

Das wird ja heute fast schon unerträglich hier im Forum: Zwetsche und Claus sind einer Meinung (Thread über denn Hass) - und jetzt auch noch das:
scilla und ich, wir sind ziemlich der gleichen Meinung .

Auch schon ein politisch bedenkliches Signal?

Gruß von Miriam
 
Zuletzt bearbeitet:
AW: Ein politisch bedenkliches Signal

Noch ein paar Gedanken zum Thema

Ich denke nicht, dass die Freiheit der Kunst durch die Absetzung der Oper wirklich in Gefahr ist. Die Freiheit der Kunst hat sich längst an den Meistbietenden verkauft. Das hat sie immer Sie war immer Hure der Mächtigen und Reichen. Sie wurde und wird noch immer von allen Ideologien und Religionen zu ihren Zwecken, gebraucht je nach Betrachtungsweise Missbraucht oder verunglimpft.

Interessant wird die Inszenierung durch den Zwischenfall, weil es einfach neugierig macht.

Wovon soll die Kunst frei sein? Frei von religiösen Dogmen? Frei von Provokation? Frei von Respekt und Achtung gegenüber anderen Gefühlen?

Bei der ganzen Sache hat sich ein religiöser Streit eines Kulturkreises in einem anderen Kulturkreis verlagert. Das ganze noch durchgemischt mit den Interessen einiger Multinationaler Konzerne und wird von politischen Interessen missbraucht.

Eine „jetzt erst recht Mentalität“ trägt wirklich nicht zu einer Lösung des Problems bei. Sie behindert die Kunst sich zu befreien.
 
AW: Ein politisch bedenkliches Signal

Ich für meinen Teil finde diesen "Schachzug", dieses Stück einstweilig auszusetzen, schlichtweg genial - und zwar aus mindestens zweierlei Gründen:

1.) Marketingtechnisch gesehen könnte man sich keine bessere und effektivere (weltweite und kostenlose!) Bewerbung dieses Stücks, dieses Schauspielhauses bzw. dessen Protagonisten vorstellen.

2.) Die Diskussion über Glaubensgrundsätze bzw. -Differenzen im gesellschaftlichen "Miteinander" wird aufrecht erhalten und mMn eine Spur aufrichtiger geführt, und zwingt muslimische Kulturinteressensvertreter zu konkreteren Stellungnahmen ...
 
AW: Ein politisch bedenkliches Signal

Zitat:
in dieser Oper sterben sie ja alle, nicht nur Mohammed, sondern auch Poseidon, Jesus und Buddha – deren abgeschlagene Köpfe triumphierend von Idomeneo, König von Kreta, präsentiert werden.
Zwar findet sich diese Szene nicht in der Originalfassung Mozarts, aber seit 2003 in der Version des Regisseurs Hans Neuenfels.

da aber der abgeschlagene Kopf Mohammeds
nichts und überhauptnichts mit Mozart zu tun hat,
ist die Absetzung allein ein Problem von Hans Neuenfels

Statt neue Meisterwerke zu kreieren, glauben immer wieder Regisseure, dass sie befugt sind, vorhandene Meisterwerke zu verhunzen, was ich als Pfusch am Bau bezeichne.
Auch hier sollte man so etwas wie Denkmalsschutz betreiben.

Ich erinnere mich noch mit Entsetzen an eine Aufführung in Münster/Westf. als im Faust die Walpurgisnacht in einem Massagesalon stattfand und die Akteure Hakenkreuze im Bereich der Genitalien auf dem Slip hatten.
Aber das Motto ist wie so oft, auffallen um jeden Preis, Hauptsache es wird darüber geschrieben und gesprochen.:megaphon:

Miriam
Auch von mir: Danke für die Recherche

MfG Jan Amos
 
AW: Ein politisch bedenkliches Signal

Hallo!

Irgendwie haben alle hier Recht:

1. Zunächst stellt sich die Frage, ob das Stück so furchtbar wertvoll ist, daß dafür Risiken eingegangen werden müssen. Ich habe nur in den Nachrichten die eine Szene gesehen und glaube mir würde es nicht liegen. Aber freilich geht es auch nicht um mich, andere haben einen anderen Geschmack.

2. Ferner kann, liebe Miriam, natütlich nicht von anderen verlangt werden, daß sie sich Risiken aussetzen. Da geb ich Sibel mit ihrem ersten Beitrag Recht. Ich finde übrigens nicht, daß die Kultur, geschweige denn diese Inszenierung insofern wertvoller ist, als die Integrität des Einzelnen Schauspielers bzw. Zuschauers (Anders, wenn es z.B. um einen gefährdeten Zeugen in einem Gerichtsverfahren geht, der muß aussagen). Aber auch über diese juristische Gewichtung der Kunst kann man geteilter Meinung sein.

3. Den Beitrag mit der Vermarktung fand ich ebenfalls sehr gut. So kann selbst das müdeste Stück zum Kassenschlager gemacht werden. Wäre freilich dumm, denn man muß die Fronten auch nicht unnötig provozieren. Dies wurde ebenfalls zu Recht angemerkt, allerdings fürchte ich, daß Abwarten nichts bringt. Die Situation läßt sich offenbar nicht aussitzen, der Zivilisationskonflikt ist bereits ausgebrochen.

4. Kern des Problems ist sicher, ob sich unsere freiheitliche Gesellschaft dem Druck des Terrors beugen darf. Nein, darf sie nicht, denn es steht in der Tat zu viel auf dem Spiel, als daß man sich die Errungenschaft von Locke, Kant uva. binnen kurzer Zeit wieder kaputtmachen läßt.

"Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen"

hat Heine einmal geschrieben und seine Fähigkeit zur Prophetie hat sich - wir erinnern uns an Goebbels Rede zur Bücherverbrennung und der Folgejahre - nicht nur in der Frage bitter bewahrheitet.

Im thread "Das Diesseits..." habe ich DerMoslem mehrmals vergeblich aufgefordert, zu der Frage Stellung zu nehmen, was er unter Schuld versteht. Es ging mir um die Frage, welcher Form von Legalität wir uns unterziehen sollen, einer demokratischen oder einer theologischen? Er hat sich - so scheint es jedenfalls - endgültig zurückgezogen. Schade, denn seine Meinung zu der Frage hätte mich wahrlich mehr interessiert als die teils etwas unverständlichen und ausweichenden Ausführungen über unsere Ungläubigkeit. Vielleicht darf ich mir erlauben, diese Frage in dem Kontext dieses threads hier an die Mitdiskutanten zu stellen und auf den anderen thread inhaltlich zu verweisen. Vielleicht meldet sich ja auch DerMoslem oder andere Vertreter seines Glaubens einmal dazu zu Wort.

Liebe Grüße
Zwetsche
 
AW: Ein politisch bedenkliches Signal

Noch ein paar Gedanken zum Thema

Ich denke nicht, dass die Freiheit der Kunst durch die Absetzung der Oper wirklich in Gefahr ist. Die Freiheit der Kunst hat sich längst an den Meistbietenden verkauft. Das hat sie immer Sie war immer Hure der Mächtigen und Reichen. Sie wurde und wird noch immer von allen Ideologien und Religionen zu ihren Zwecken, gebraucht je nach Betrachtungsweise Missbraucht oder verunglimpft.

Interessant wird die Inszenierung durch den Zwischenfall, weil es einfach neugierig macht.

Wovon soll die Kunst frei sein? Frei von religiösen Dogmen? Frei von Provokation? Frei von Respekt und Achtung gegenüber anderen Gefühlen?

Bei der ganzen Sache hat sich ein religiöser Streit eines Kulturkreises in einem anderen Kulturkreis verlagert. Das ganze noch durchgemischt mit den Interessen einiger Multinationaler Konzerne und wird von politischen Interessen missbraucht.

Eine „jetzt erst recht Mentalität“ trägt wirklich nicht zu einer Lösung des Problems bei. Sie behindert die Kunst sich zu befreien.

Hallo Akelei,

von meinem Standpunkt aus und nach meinen Erfahrungen mit der Kunst hast Du recht.

Mit lieben Grüßen

suche
 
AW: Ein politisch bedenkliches Signal

Nicht bedenklich, Miriam, nein verheerend ist dies Signal, so sehr ich Dir sonst in Deinen grundlegenden Ausführungen zustimme, die ich gern schärfer akzentuiere. Ich gehe selten in erine Oper und diese Mozartoper werde ich mir gewiß nie anschauen, und ich finde die Schlußszene, die ich im TV sah, einfach nur widerlich-geschmacklos. Aber das ist völlig unerheblich. Niemals und unter gar keinen Umständen darf irgendwelchen Drohungen, konkret oder nicht, gewichen werden. Genau dies Erfolgserlebnis, die abendländische Welt beugt sich den Verbrechensplänen der Terroristen und der sie stützenden islamischen Fundamentalisten, dürfen wir ihnen nicht geben. Die Folgen könnten verheerend sein! Das bestärkt sie in der Überzeugung: Wir können sie besiegen, weil sie es nicht mehr wagen, ihre Werte der Toleranz, der Meinungsfreiheit, der Pluralität zu verteidigen.
Bei dem Karikaturenstreit hätte die gesamte westliche Presse diese Zeichnungen der dänischen Zeitung nachdrucken müssen und nicht kuschen vor Angst. Keinen Millimeter darf man gegenüber dem Verbrechen zurückweichen. Das kann kurzfristig Opfer kosten, aber sie wiegen gering gegenüber den künftigen quantitativ und qualitativ größeren. Für mich ist die Absetzung der Oper nichts anderes Ausdruck einer - durch angebliche Verantwortung - kaschierten erbärmlichen Feigheit.
 
AW: Ein politisch bedenkliches Signal

Ziesemann, kaum kann ich glauben, was ich hier von dir lese. Ein aufrechter Krieger, der dem Feind fest ins Auge blickt und unerschrocken für seine Überzeugung eintritt. Sogar Opfer dürfen in Kauf genommen werden.

Der Feind ist ..... wer? Die potentiellen islamistischen Terroristen, die man evtl. auf den Plan gerufen hätte.

Der Krieger ... sitzt daheim vor dem Fernseher oder dem Computer und blickt unerschrocken auf die Mattscheibe.

Bedenklich, so wie Miriam dieses Signal sieht, ist es wirklich, im wahrsten Sinn des Wortes sollten alle Apsekte der angeblichen und wirklichen Bedrohungen beleuchtet und bedacht werden.

Aber verheerend?
Ich glaube, jegliche Empörung wirkt sich verheerender aus, als die Entscheidung von Frau Harms. Angesichts der gerade stattfindenden (oder sind sie schon vorbei?) Gespräche mit den Vertretern des Islams in D kam diese Geschichte ja gerade recht. So als konkretes Beispiel, wie schwierig die Kommunikation zwischen christlicher und islamischer Kultur derzeit (noch) ist.

herzlich
lilith
 
Werbung:
AW: Ein politisch bedenkliches Signal

Nicht bedenklich, Miriam, nein verheerend ist dies Signal, so sehr ich Dir sonst in Deinen grundlegenden Ausführungen zustimme, die ich gern schärfer akzentuiere.

In Gegensatz zu dir Lilith, kann ich eigentlich deiner schärferen Akzentuierung Ziesemann, zustimmen.
Wenn man aber einen Thread eröffnet, muss man sich etwas vorsichtiger ausdrücken um nicht auch anderen Meinungen à priori den Weg zu versperren - doch eigentlich finde ich, dass die Absetzung der - zugegeben künstlerisch bedenklichen Inszenierung ein regelrechter Kniefall war.
Jetzt kommt noch die Richtigstellung seitens der Sicherheitsbehörden, dass es gar keine Hinweise auf potentielle Gefahren gab.

In diesem Land darf sich keinerlei politische Feigheit wieder breitmachen - wohin die führen kann hat doch die bittere Erfahrung der Vergangenheit gezeigt.
Vor einigen Tagen sah ich eine Kabarettsendung in der einer der Kabarettisten, Frank-Markus Barwasser behauptete, dass es in Deutschland für ein Obsiegen der Terroristen ausreichen würde, 10 Koffer übers Land verteilt eifach stehen zu lassen.

Doch zurück zu den Überlegungen was dieses bedenkliche Signal (wie ich es nannte) alles noch auslöst. Eigentlich bedeutet die Absetzung der Oper auch den Verzicht auf einem der unverzichbaren Eckpfeiler der Demokratie: die Freiheit der Kultur.
Die Ausdrucksformen in der sich unsere liberale Kultur konkretisiert, müssen uns nicht gefallen - ich meine damit: als künslerische Interpretation eines Werkes. Wir können einfach wegschauen, wir können sie (vehement) kritisieren, ja sogar als inakzeptabel bezeichnen, aber ihr Bestehen müssen wir verteidigen.

Wie nannte sinngemäß ein Journalist die Tage die Absetzung von Idomeneo?
Es ist ein Sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen.

Grüße in die Runde

Miriam
 
Zurück
Oben