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Austeritäts-Politik als Lösung für Griechenland?

Dieses Thema im Forum "Wirtschaft" wurde erstellt von Walter, 7. Juli 2015.

  1. Walter

    Walter Administrator Mitarbeiter

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    Austerität bedeutet Sparsamkeit, Disziplin. In Zusammenhang mit Wirtschaftspolitik ist damit gemeint, einen ausgeglichenen Staatshaushalt anzustreben ohne neue Schulden zu machen.

    Dass man nicht dauerhaft über seine Verhältnisse leben darf, sieht jeder ein - das heisst aber nicht, dass Schulden machen nicht auch sinnvoll sein kann. Im Privatleben der meisten Europäer gibt es Zeiten, wo man Schulden macht, z.B. für Immobilien die anders für die meisten gar nicht leistbar wären. Und auch Firmen wären ohne Kredite meist nicht in der Lage, am Markt zu operieren.

    Wenn man einmal von der Tatsache absieht, dass Griechenland in der Vergangenheit über seine Verhältnisse gelebt hat, möchte ich hier die Frage nach der Zukunft stellen: hat Griechenland eine Chance, mit einer harten Austeritätspolitik aus seiner Sackgasse zu kommen?

    Alle anderen Aspekte (Schuldfrage, Verschwörungstheorien, etc) sollen in diesem bitte Thread bitte aussen vor bleiben.
     
  2. Walter

    Walter Administrator Mitarbeiter

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    Paul Krugmann meint in der NYT, "Otherwise Greece will face endless austerity, and a depression with no hint of an end", also sehr frei übersetzt "Sonst wird Griechenland Sparsamkeit ohne Ende erleben, und damit eine Flaute ohne Ende".
    Quelle: http://www.nytimes.com/2015/06/29/opinion/paul-krugman-greece-over-the-brink.html?_r=0
     
  3. Walter

    Walter Administrator Mitarbeiter

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  4. Muzmuz

    Muzmuz Well-Known Member

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    Ich denke, Austerität führt letztendlich aus der Krise - nur wäre jetzt der falsche Zeitpunkt damit anzufangen da die Wirtschaft momentan am Boden liegt. Das heißt, Gr würde ewig im Teufelskreis bleiben. Zwar womöglich nicht weiter verschulden, aber auch nie die Kraft haben vom Boden wegzukommen.
    Für den Aufbau ist Investition (wenn möglich auch mit fremdem Geld) nötig. Die Frage ist, ob sich ein Investor findet, der das Risiko auf sich nimmt, wo sich Griechenland als sehr unzuverlässiger, undankbarer und sogar unverschämter Schuldner gezeigt hat.
     
  5. scriberius

    scriberius Well-Known Member

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    die Antwort: ein klares Nein. Wie sollte es denn gehen? Die Situation ist doch folgende: Deutschland (auch Österreich) ist heute (noch) in der Lage, dass es von seiner Stellung als Werkstatt Europas profittiert, eben weil es noch über nennenswerte Industrie verfügt und deshalb über die entsprechende Wirtschaftskraft. Wir besetzen derzeit eine Sonderposition, die direkt auf den Schwächen der meisten anderen Nationen beruht. Wenn jetzt unsere Politiker von Griechenland fordern, es sollte es uns gleich tun, so ist dies eine Unverschämtheit, vergleichbar einem Bettler, dem der Armanianzugträger aus seiner Stretchlimo zuruft: "Strenge dich an, du Versager, ich habe es ja auch geschafft!"

    Bemerkenswert finde ich allerdings deine Aufforderung, die Gründe für die heutige Situation ("Verschwörungstheoriern") außen vor zu lassen. Genau da liegt das Problem: Es darf nur an den Symptomen herumgedoktert werden, auch heute noch, wo bereits alles am Zerfallen ist. Es handelt sich keineswegs um VST, wenn immer mehr Experten die Schuld im Schuldsystem sehen - es ist Fakt und schlicht die Wahrheit. Die Idee, erdrückende Schuldenlasten mit immer neuer Krediten lösen zu wollen, ist so dumm, dass eigentlich alle, die dies fordern dafür bestraft werden sollten. Die Systemfrage liegt erdrückend in der Luft, nur will sie niemand sehen oder hören. Sorry.
     
  6. Bernies Sage

    Bernies Sage Well-Known Member

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    Zwischen Erde und Himmel und doch bodenständig
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    Ich halte es durchaus für möglich, die Finger auf die Wunde einer durchaus auto-systemisch erklärbaren Verhaltensökonomie zu legen ohne beleidigend werden zu müssen, weshalb ich zunächst die Vokabel von Muzmuz in der eigentlich unzulässigen Abqualifizierung eines Währungsschuldners als EU-Partner bewusst weder zitiere noch ausdrücklich gutheiße.

    Hier meine sachliche Stellungnahme in vier Thesen zu einer so - vor allem vom Ausland - ins Spiel gebrachten Austeritätspolitik, welche ich für eine sprachlich bewusst 'übersetzungs-missglückte' Sprachformel betrachte, an welcher man sich so richtig - im Für und Wider - aufgeilen kann, weil dabei nicht Gescheites herauskommen kann, also für die politische Scheindiskussion gerade deshalb hervorragend geeignet scheint:

    1) Ich verbinde Austerität mit einer restriktiven Fiskalpolitik und halte sie dort für gefährlich, wo sie als Dauerlösung alternativlos zum Selbstzweck politisch missbraucht wird.

    2) Ein Staatshaushalt, der auf lange Sicht ausglichen ist, unabhängig von der Art der Nachprüfung seines Zustandekommens, ist zugleich auch als unabhängig von der beliebigen Meinung ihrer Bürger zu werten.

    3) Die Erwirtschaftung deutscher Haushaltsüberschüsse in fremder EU-Währung bei gleichzeitiger Diskriminierung der internen Mitwettbewerber im Euro-Raum als Handelspartner erhöht die Verbindlichkeiten der am Markt Diskreditierten zu einem im Voraus berechenbaren Windfallprofit des politischen Verleumders.

    4) Austerität, so wie sie von Frau Merkel verstanden wird, kann als die sachlich und fachlich beste verführerische Methode beschrieben werden, unmerklich die völlige Abschaffung von wahrhaftiger Demokratie einzuläuten.

    Bernies Sage
     
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  7. FreniIshtar

    FreniIshtar Well-Known Member

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    Hallo Walter!

    Du möchtest nicht, dass man in Deinem Thread über eine Schuldfrage diskutiert.
    Ich meine, was die Wirtschaftssituation Griechenlands
    anbelangt, müsste oder möge man sämtlich-sauteure
    Waffen diesem Land (wieder) zurück nehmen -abkaufen.
    Dass Austerität nicht die gute Wahl sein kann, steht ja sehr ausführlich in diesem, Deinem Link:
    -zumindest in dem jetzigen Zustand Griechenlands:
    Eine -wirkliche- Lösung fehlt derzeit wohl allen, meine ich!
    "...Dass der Arbeiter für seine Arbeit auch einen Lohn haben muss, ist eine Theorie, die heute allgemein fallen gelassen worden ist ... Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben..."
    (1929: P.Panter=Tucholsky)
     
  8. Neugier

    Neugier Well-Known Member

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    Fass ohne Boden.

    Walter,
    du hast das entscheidende Stichwort ja bereits gebracht,
    ich möchte es geringfügig modifizieren:

    "über einen Konjunkturzyklus ausgeglichenen Staatshaushalt".

    Diese Zielsetzung hat schon vor langer Zeit
    der Nationalökonom John Maynard Keynes formuliert.

    Damit ist gemeint, dass in der Phase guter Konjunktur ausreichend
    hohe Reserven aufgebaut werden, damit bei stotternder Konjunktur
    ein "deficit spending" finanziert werden kann.

    Das Problem mit vielen extrem-populistischen kurzfristig
    orientierten Politikern (Bruno Kreisky, etc.) ist, dass sie
    in jeder Konjunkturphase ein deficit spending
    betreiben,
    sodass früher oder später das Defizit nicht mehr finanziert
    werden kann.

    Wenn es erst einmal soweit gekommen ist,
    dann gibt es keinen schmerzfreien Ausweg mehr.


    Natürlich kann ein Ausweg aus dieser Situation nur über Anstrengungen
    zur Beseitigung der Ursachen für die Defizit-Entstehung führen.

    Wer die dafür nötigen Kredite gewähren soll,
    das ist die ganz große Frage.

    Die Euro-Partner haben bereits mehrere Hundert Milliarden €uro
    an Unterstützung gewährt, irgendwann muss dem Fass ohne Boden
    halt doch ein Boden eingesetzt werden.


    > Das musste auch einmal in aller Klarheit gesagt werden. <

     
  9. Muzmuz

    Muzmuz Well-Known Member

    Registriert seit:
    15. März 2004
    Beiträge:
    11.506
    Wann soll Sparpolitik betrieben werden ?
    Während eines Aufschwungs ? Nein, denn wir wollen den Aufschwung ja nicht bremsen !
    Während eines Hochs ? Nein, denn der Aufschwung ist schon vorbei, wir müssen einen drohenden Abschwung verhindern !
    Während einer Rezession ? Nein, denn jetzt würde man die Rezession nur noch beschleunigen !
    Während einer Depression ? Nein, denn gerade jetzt wäre es am Schlimmsten !
    Tja.....

    Es ist immer so, dass die Sparpolitik kurz- und mittelfristig mit Nachteilen behaftet ist. Und doch ist sie für eine langfristige Stabilität notwendig. Aber klar, es ist ein Dilemma, in dem man steckt, weil beide Wege ihren Preis und ihre Gefahren beinhalten - auch jener Weg mit der langfristigen Stabilität.
     
  10. Daphne_

    Daphne_ Member

    Registriert seit:
    15. März 2015
    Beiträge:
    95
    Ich glaube nicht. Fatal könnte sich aber dennoch der nun nötig scheinende Schuldenschnitt auswirken. Andere EU-Staaten, die sich abmühen, empfänden das als ungerecht. Zudem ist hier im Forum ja auch schon mehrfach auf die freche Art hingewiesen worden, mit der Griechenland genau das erreichen will.
    Wenn man das auf eine private Situation überträgt, wird, wie ich finde, deutlich, warum das das falsche Zeichen wäre.
    Man stelle sich vor, ein Harz IV -Empfänger leiht sich von einem Freund Geld, was er zuvor nicht schuldlos verplempert hat. Er verspricht, sich um neue Arbeit zu bemühen, um die Schulden zurück zu zahlen. Man gibt also aus Gutmütigkeit und Freundschaft das Geld, hat dadurch abe selber zu knabbern. Dann stellt man fest, der Freund bemüht sich nicht um Arbeit, verlangt noch mehr Geld von einem und fordert zum Schluss frech, man solle ihm der Freundschaft wegen die Schulden erlassen. Deine Angehörigen haben wegen dem Geldverleih aber schon seit einem Monat nur Spaghetti gegessen, nur damit der Freund nicht total pleite geht. Nun soll das so weiter gehen, aber das geliehene Geld kommt nicht zurück und dem Freund tut es noch nicht einmal leid.
     

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