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Aktion gegen Schwarzarbeit...?!

Stephanie

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Registriert
27. April 2007
Beiträge
1
Ich schlug heute morgen die Zeitung auf und las einen Artikel über eine ach so erfolgreiche Kontrollaktion der Polizei gegen Schwarzarbeit (Südniedersachsen). Da drängt sich mir doch die Frage auf: Aktionen gegen Schwarzarbeit-und sich dann mit dem Erfolg derselben rühmen? Zuerst sollte man doch fragen, warum die Leute "schwarz" arbeiten! Sind davon nicht meist Menschen betroffen, denen keine andere Möglichkeit bleibt? Zum Beispiel jene ohne Arbeitserlaubnis? Oder die, die vielleicht alleinerziehend sind und mit dem bißchen HartzIV nicht leben können? Man sollte nie das Ursache-Wirkung -Prinzip aus den Augen verlieren...wenn die persönlichen und wirtschaftlichen Bedingungen so sein würden, wie es uns vorgegaukelt werden soll, würde niemand auf die Idee kommen, Menschen schwarz zu beschäftigen oder selbst schwarz zu arbeiten. Und zum fast blinden Aktionismus der Behörden: Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie sich 2 oder mehr Polizisten auf Klein(st)kriminelle stürzen, um diese der harten Bestrafung unserer Justiz in solchen Fällen zuzuführen (bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug wegen Beschäftigung von Schwarzarbeitern!), während man als Kinderschänder ja mit drei Jahren auf Bewährung davon kommen kann...wo ist denn sowas noch gerechtfertigt?
 
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AW: Aktion gegen Schwarzarbeit...?!

Grüße!

Die Sache mit der Schwarzarbeit ist aus meiner Sicht sehr vielschichtig. Das jemand aus Geldnot solch eine Tätigkeit annehmen muss, dann eventuell erwischt und gestraft wird, ist nur eine kleine Facette. Ich bin auch der Meinung, dass Schwarzarbeit nicht explizit eine Frage „des sich keinen ordentlichen Beschäftigten leisten könnens“ ist. Wenn jemand die Möglichkeit sieht, Geld für die eigene Tasche zu sparen, wird er es tun.

Abgesehen von der Tatasche, dass eine solche Tätigkeit gesetzlich Illegal ist, steht für mich persönlich das Ausmass einer solcher Tätigkeit im Mittelpunkt. Wenn ich zum Beispiel für jemanden eine Website um € 100,-- entwerfe und diese Person damit zufrieden ist, dann sehe ich darin keine wesentliche Schädigung anderer (etwa professioneller Unternehmen, bei denen man für die genannte Summe sicher keine Website bekommt).
Anders verhält es sich, wenn z.B. ein Wohnblock mit 100 Wohnungen von einem Unternehmen errichtet wird, bei dem (jetzt mal so in den Wind geschossen) 40% der Arbeiter schwarz beschäftigt werden. Denn:

# Diese sind nicht versichert, im Fall einer Krankheit oder Unfalls daher ohne jegliche Absicherung. Es entgeht dem Staat Geld aus den Versicherungsleistungen.
# Auch bei rechtlichen Angelegenheiten haben sie keine Chance (manche arbeiten 1 bis 2 Monate und bekommen kein Geld).
# In vielen Fällen müssen die Arbeiter „Provision“ an einen Vermittler zahlen, damit sie überhaupt einen Job bekommen. Nicht selten werden sie fürs Wohnen auch noch abgezockt.
# Es ist auch möglich, dass die Qualität der geleisteten Arbeit nicht den von Fachkräften entspricht.
# Und ja, sie nehmen „offiziellen“ Arbeitskräften den Platz weg.

Bezüglich der Frage, ob und wen man strafen soll, bin ich der Meinung, dass jener, der die Schwarzarbeiter beschäftigt, wesentlich höher bestraft werden sollte, als der Arbeiter.
Für den Arbeiter sollte sogar eine Art „Geringfügigkeitsgrenze“ (ABER NUR IM STRAFBERICH!) gegeben sein.


Liebe Grüße
metropolis71
 
AW: Aktion gegen Schwarzarbeit...?!

Eine Gesellschaft, die durchgängig wie ein Parasit am Wertschöpfungsprozess eines Werkenden hängt und diesen ausnutzt und ihn mit seiner „Wissenschaft“ gefügig macht, wird sich über „schwarze“ Arbeit Sorgen machen. Sie würde ohne ihn nicht existieren.

Bekämpfe Schwarzarbeit, Parasit. Neide sie, du gut erzogener Sklave, der du gewerkschaftlich onaniesiert bist. Sei gut, genügsam und fleißig..., du feiger Dummkopf.

Bernd
 
Zuletzt bearbeitet:
Ordnung muß sein!

Bernd schrieb:
gewerkschaftlich onaniesiert
*kringel vor lachen*

metropolis schrieb:
Wenn ich zum Beispiel für jemanden eine Website um € 100,-- entwerfe und diese Person damit zufrieden ist, dann sehe ich darin keine wesentliche Schädigung anderer (etwa professioneller Unternehmen, bei denen man für die genannte Summe sicher keine Website bekommt).
Jau, ich erteile Dir als Freiberufler den Auftrag, wir machen einen ordentlichen Honorarvertrag, Du versteuerst das ordnungsgemäß und das nennt sich dann nicht Schwarzarbeit, sondern Wettbewerb, wenn Du andere Unternehmer preislich unterbietest ;)
 
Thorsten schrieb:
Jau, ich erteile Dir als Freiberufler den Auftrag, wir machen einen ordentlichen Honorarvertrag, Du versteuerst das ordnungsgemäß und das nennt sich dann nicht Schwarzarbeit, sondern Wettbewerb, wenn Du andere Unternehmer preislich unterbietest

Na ist ja klar, dass unter genannten Umständen nichts schwarzes dabei ist.
In meinem Beispiel mit der 100,-- Website habe ich auch nicht davon gesprochen, dass es einen Vertrag gibt … :zunge3:

Was ich vielleicht in meinem Beitrag nicht ganz klar ausgesprochen habe, ist das ich selbst – bis zu einem gewissen Grad – die Schwarzarbeit nicht unbedingt ablehne.

So, jetzt kommt sicher die die Frage: Was ist „bis zu einem gewissen Grad“? Wo ist die Grenze?
Nun ja, das heißt für mich, dass die Grenze dort erreicht ist, wo durch die Tätigkeit (etwa durch Fehlen fachlicher Eignungen, Kenntnisse und Mittel) zur Schädigung und Gefährdung kommen kann. Zur Veranschaulichung folgende Beispiele:

# Siehe mein Beispiel mit der 100,-- Website. Wenn es dem Kunden passt und es funktioniert, dann ist das für mich OK.

# Wenn eine alleinerziehende Mutter (wg. Gleichberechtigung: Vater:) ) 1xwöchentlich Hausarbeiten (Putzen, Bügeln) erledigt, dann ist das für mich auch OK.

# Wenn ich in einem Haus eine E-Installation mache (ohne Ausbildung und Kenntnisse) und das Haus dann wegen der Installation abbrennt, dann ist das für mich nicht OK.

Eine weitere Grenze wird bei Schwarzarbeit aus meiner Sicht erreicht, wenn volkswirtschaftlicher Schaden entsteht (siehe dazu mein Beispiel mit der Großbaustelle).

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich in Bezug auf die Schwarzarbeit moralisch keine entweder/oder Entscheidung anführen kann.

Liebe Grüße
metropolis71
 
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metropolis schrieb:
In meinem Beispiel mit der 100,-- Website habe ich auch nicht davon gesprochen, dass es einen Vertrag gibt …

Was ich vielleicht in meinem Beitrag nicht ganz klar ausgesprochen habe, ist das ich selbst – bis zu einem gewissen Grad – die Schwarzarbeit nicht unbedingt ablehne.
Okay, du würdest also "schwarz" arbeiten, ohne Vertrag oder Rechnung. Wir können das immer noch anders lösen. Dann zahle ich dir für einmalige Einrichtung fünfzig, darfst ne Kippe von mir rauchen, wenn ich nett bin, und ne warme Suppe gibts vielleicht auch, so lang du im Haus bist. Ich guck dir derweil über die Schulter und lerne dabei genug, um die Website künftig allein zu betreuen. Da wäre mein Fuffi doch sinnvoll investiert.

Ansonsten krieg ich meine Website, wenn nötig, wohl auch alleine hin. Wieviel schwarze und gewerbliche Arbeit erledigen die Leut selber, indem sie Kenntnisse unter Freunden oder im Internet austauschen, in den Baumarkt fahren und dann ihr Bad selber fliesen, ihr Dach selber decken, oder bzw. ihre *Website* selber...? Warum zählt niemand den Schaden am Arbeitsmarkt auf, der durchs Selber machen entsteht?

- Denn entweder man ist zu blöd, irgendwas hinzukriegen (so wie ich z.B. keine Fenster einbauen würde) - und dann zahlt man gern den Preis seines Vertrauens ins solide Handwerk (auf die Schnauze fallen kann man immer.) Oder man ist zu faul oder beschäftigt, irgendetwas selber zu machen, und heuert deswegen jemanden an, von dem man glaubt, daß er's so gut kann, wie man selbst - und ärgert sich die Platze, weil man gravierende Fehler entdeckt, die man selbst ganz bestimmt nicht gemacht hätte.
 
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