1. Willkommen im denk-Forum für Politik, Philosophie und Kunst!
    Hier findest Du alles zum aktuellen Politikgeschehen, Diskussionen über philosophische Fragen und Kunst
    Registriere Dich kostenlos, dann kannst du eigene Themen verfassen und siehst wesentlich weniger Werbung
Color
Background color
Background image
Border Color
Font Type
Font Size
  1. Eigentlich ist die Zeit der Jahresrückblicke 2012 schon vorbei, doch bliebe da noch unsere
    Sicht auf die russische Innenpolitik, vielleicht gerade deshalb angebracht, weil
    Staatspräsident Wladimir Putin kurz vor Jahresende mit seiner Unterschrift zum
    1. Januar 2013 jenes Gesetz in Kraft setze, welches unter anderem (!) die
    Adoption russischer Staatsbürger durch US-Amerikaner untersagt. Überhaupt ist in den
    russisch - amerikanischen Beziehungen schon längst wieder die Rede von einem
    "Neuen Kalten Krieg".
    Daneben bleibt der Blick auf ein Jahr Systemopposition in der Russischen Föderation,
    der ernüchternd ist: Vor einem Jahr als Tiger gestartet, scheint die zersplitterte
    außerparlamentarische Front gegen Duma und Staatspräsident (vorerst) als Bettvorleger
    gelandet zu sein.

    weiterlesen
  2. Von Aleksej Sacharow

    Übersetzung aus dem Russischen

    Wir wissen, dass viele, gar gebildete und hochstehende Bürger, geneigt sind, das Wühlen von Feinden zu erkennen. In der internationalen Finanzkrise, im Zerfall der Sowjetunion und in der erstarkenden Protestbewegung. Aus persönlichen Gesprächen, von den Lippen Offizieller, von den TV-Bildschirmen ist so zu erfahren, dass die internationale Reaktion auf die Verurteilung der Pussy Riot (ja gar deren Auftritt selbst in der Kathedrale) Teil einer geplanten Kampagne ist, gerichtet gegen unser Land mit dem Ziel, dessen staatliche Integrität und dessen Werte zu zerstören.

    Als die Kräfte des Bösen, die hinter diesen Dingen stehen, vermutet man mal das State Departement (das Außenministerium der USA), mal den israelischen Geheimdienst oder auch allgemein irgendeine „Weltfinanzelite“. Woher kommt diese Neigung, bedeutsame Ereignisse einem bösen Willen zuzuschreiben?

    weiterlesen im Blog
  3. Erlebt oder selbst praktiziert: Jeder kennt die Raser, Drängler und Rücksichtslosen auf den Autobahnen des realen Lebens. Sie toben sich aus. Den Frust und die kleinen oder großen individuellen Erniedrigungen des Alltags.
    Sich selbst Bewusste rasen nicht. Sie gefähren weder sich, noch andere.
    Erlebt oder selbst praktiziert: Der empörte Aufschrei des ertappten Sünders, sanktioniert wegen des Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung. Für ihn gelten sie nicht, diese Regeln. Für andere schon!

    Vergleichbares spielt sich zunehmend auf der virtuellen Autobahn des Denkforums ab.

    Mit überbordendem Selbstbewusstsein ausgestattete Nutzer dieser Trasse praktizieren permanent im Schutze vermeintlicher Anonymität, stets aufs Neue, mehr oder minder grobe Fouls, schrecken auch nicht vor Beleidigungen anderer zurück, maskieren das als „Kritik“ und schießen aus allen Rohren auf jene, die dies stört und vor allem die Moderation, der die schon undankbare Aufgabe zugewiesen ist, Forenrecht zu sprechen. Einem unterschwellig brummendem Publikum passt letzteres nicht, einige offerieren gar ein merkwürdiges Demokratie- und Freiheitsverständnis des Beliebigen und die Gescholtenen oder Geschassten schleichen sich gern durch den Kellereingang wieder ins Haus..

    Aber ist auf die Anonymität noch Verlass? Einige scheuen offenbar weder Zeit noch Mühen, mit allerhand investigativem Auwand möglichst viel und möglichst Kompromittierendes über die Nase herauszubekommen, die ihnen – aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer - nicht passt.
    Um dann prompt der Verführung zu erliegen, das Erfahrene im Forum breit zu treten.
    Eine besonders üble Angewohnheit dabei: Mitteilungen, erhalten im Vertrauen auf die gezielt angelegte Anonymität einer Persönlichen Nachricht, werden veröffentlicht. Für mich nicht nur unhöflich, sonder ein schwerer Vertrauensbruch!

    Die ewigen Albernheiten, die sinnentleerten Kurzpostings zu vielen Themen, offenbar in scheinbarer eigener Geistesüberhebung der Selbstbefriedigung gewidmet, stören zwar, man kann sich auch schlecht an sie gewöhnen.
    Doch darf man sie noch überlesen, wenn sie mittlerweile selbst ernsthafte, sogar weltanschaulich relevante Themen ignorant und abfällig zerstören?

    Man möchte meinen: Nein!

    Doch kann man selbst das nicht mehr direkt im jeweiligen Thema sagen, ohne nicht damit rechnen zu müssen, von der plötzlich sich einigen Meute der Destruktiven verbal zerrissen zu werden.

    Schade, es schien einmal anders. Droht das Denkforum zu verkommen? Zur Nonsens-Bude?
  4. Wer einen auf den Wochen(arbeits)tag programmierten Wecker besitzt und gestern vergaß, diesen für heute abzustellen, hat u. U. eine unangenehme Überraschung erlebt.
    Zwar ist weder Samstag noch Sonntag, aber Feiertag, und man hätte sich nochmal umdrehen können.
    Wenn man nicht einen „Erster-Mai-Termin“ hatte. Aus Überzeugung oder der professionellen Verpflichtung wegen.

    Hier in der ländlichen Provinz war es nahezu gespenstisch still, eine Ruhe, die eigentlich bis zur Stunde anhält.

    Keine Spur von den sozial Bewegten, die am „Tag der Arbeit“ mehr oder minder kreativ ideologisch traditionierte Rituale abspulen.
    Allen voran die Gewerkschaften, für die der Erste Mai wohl wichtigster Tag für den Nachweis ihrer Existenzberechtigung ist.

    Doch ist er in Deutschland immer noch der „Tag der Arbeit“ oder wie einst „Kampftag der internationalen Arbeiterbewegung“? Vor allem, muss er Staatsfeiertag sein?

    weiter im Blog
  5. Die politische Elite Deutschlands ist sich einig.
    In der Strafkolonie Katschanowka von Charkiw sitzt mit Julia Timoschenko, im Volksmund „Lady Ju“ genannt, eine schwerkranke, misshandelte politische Gefangene ein, der die notwendige medizinische Versorgung außer Landes vom Regime Janukowitsch verweigert wird, die man in Haft quält, schlägt und die unter menschenunwürdigen Bedingungen einsitzt.

    Der Fall gewinnt dadurch an Brisanz, dass es sich um die Ex-Ministerpräsidentin der Ukraine handelt, die im Februar 2010 ihrem Kontrahenten im Kampf um das Staatspräsidentenamt unterlag und deren Fall gerade jetzt neue Aufmerksamkeit bekommt, weil die Fußball-EM im Land (und in Polen nicht zu vergessen) ins Haus steht und die Gefangene in den Hungerstreik getreten ist.

    Der Zeitpunkt konnte nicht besser gewählt werden.

    Der deutsche Bundespräsident sagt prompt eine Reise nach Jalta ab, Herr Gabriel (SPD) fordert heute alle deutschen Politiker auf, nicht zur EM in die Ukraine zu reisen, der deutsche Innenminister sorgt sich, neben welchem Tyrannen er wohl In Charkiw im Stadion sitzen müsste und die Grünen äußern heftige Empörung.

    Ja, richtig: Als man im Herbst 2011 Frau Timoschenko in den Knast schickte, weil sie angeblich am 19. Januar 2009 (in höchster Not für ihre existenziell bedrohte Heimat) ein für das Land ungünstiges Erdgasliefer- und -transitabkommen mit Russland abschloss, ohne den Staatspräsidenten zu fragen, da war dies ein politischer Prozess und ein Urteil mit entsprechendem Hintergrund, gesetzeskonform, aber eben primär politisch motiviert.

    Schon seinerzeit kolportierte man hierzulande, dass man Rache nahm an der einstigen Führerin der „orangenen Revolution“ von 2004 und verschwieg geflissentlich, dass an der Spitze dieses Machtwechsels mit Viktor Juschtschenko eigentlich ein Mann gestanden hat, den angeblich der russische FSB versucht hatte, mit Dioxin zu vergiften.

    weiter im Blog
  6. Von Maria Schelesnowa

    Achtundsechzig Organisationskomitees noch nicht registrierter Parteien haben für diese die Zulassung im Justizministerium beantragt. So das Mitglied von „Einiges Russland“ Wladimir Pligin. Die Aussichten auf Zulassung sind glänzend: Das neue Parteiengesetz, welches sich die Staatsduma anschickt, noch diese Woche zu beschließen, gibt praktisch grünes Licht für alle diese Vorhaben.
    Mit der Registrierung nach neuen Grundsätzen – minimale Zahl von Parteimitgliedern, nur wenige erforderliche Dokumente, ein Minimum an Schikanen seitens des Justizministeriums – könnte dann schon im April – Mai begonnen werden, damit die neu entstandenen Organisationen so rasch wie möglich an Wahlen teilnehmen können.

    Auf den ersten Blick die unerwartete Großzügigkeit eines Systems, dessen drakonischen Anforderungen in dieser Frage bisher nur sieben Parteien entsprechen. Eine Freiheit, errungen durch die Kundgebungen Hunderttausender bei zwanzig Grad Frost.
    Und all diese Erscheinungen auf der Liste der Justizministeriums – die Liberale, die Konservative, die Patriotische, die Monarchistische und die Partei der Autokratie, die Partei der Netokraten, die Subtropische Partei, die Partei der Zukunft und die KPdSU, die Kommunalwirtschaftliche und Mieterpartei, die Partei der Bierliebhaber, die Pirazzkaja (ja, mit zwei „z“), die Weltweite Bruderschaft der Kosakenabteilungen und sogar die Partei „Ohne Namen“ – sie alle bekommen den Status einer politischen Partei und treten zu Wahlen an, wobei dann der Rekord von 1995 bei der Wahl zur zweiten Staatsduma noch überboten wird, damals standen auf den Ergebnislistenlisten der Abgeordneten der Staatsduma 43 Parteien.

    weiterlesen
  7. Manchmal mag man es sich nicht vorstellen, aber es gibt in Russland durchaus Einigendes zwischen außerparlamentarischer Opposition, Regierungsmehrheit oder Oppositionsminderheit in der Föderalen Versammlung und den politisch Mächtigen des Kreml.
    Es ist der großrussische, modern expansionistische Nationalismus, scheinbar unterschiedlich in seinen Erscheinungen, aber stets doch wesensgleich.
    Alle Akteure des innenpolitischen Russlands haben den Nationalismus als notwendiges Feld eigener Demagogie und Agitation erkannt, von aufklärerisch und liberal bis aggressiv, extremistisch,verleumderisch und rassistisch.

    Natürlich ist es ein intellektuelles Wagnis, der Entwicklung des russischen Nationalismus in der neueren Geschichte einen Punkt des Neubeginns zu setzen, war das Großrussische doch immer mehr oder minder latent gegenwärtig.

    Aber: Wladimir Putin erließ 2005 ein Dekret, mit dem jährlich der 4. November zum Staatsfeiertag „Tag der nationalen Einheit“ wurde, um so den 7. November als Tag der Oktoberrevolution abzulösen. Von Beginn an vereinnahmten ultranationalistische, rassistische und links- wie rechtsfaschistische Kräfte in Russland dieses Datum demagogisch für ihre Ziele, kulminierend in den Veranstaltungen des „Russischen Marsches“, zur Kenntnis, aber nicht ernst genommen.

    weiterlesen
  8. Ja.
    Diese Antwort ist politisch völlig unverbindlich.
    Doch folgt man dem Blick von außen auf das Land und hört man z. B. via Twitter oder Facebook die innenpolitische Vielstimmigkeit dazu, drängt sich eine Nachfrage auf: Wirklich?

    Wer nun dies erörtern will, ist gut beraten sich thematisch zu beschränken.
    Die ambitionierten nationalökonomischen Vorhaben klammern wir hier einmal aus. Ganz bewusst.

    Wer sich nun „nur“ auf das Kapitel notwendiger Reformen des politischen Systems beschränkt, kommt zugleich nicht um das Thema „Nationalismus“ herum.

    Die Nachwehen eines fragwürdigen Abstimmungsergebnisses bei den Wahlen zur Staatsduma am 4. Dezember 2011 kulminierten zunächst u. a. in Straßenprotesten und zwei Kundgebungen der außerparlamentarischen Opposition am 10. bzw. 24. Dezember auf dem Bolotnaja bzw. dem Prospekt Sacharowa in Moskau.
    Doch schon hier offenbarte sich das Hauptmanko der „Masse“ der Unzufriedenen: Dominiert von zutiefst persönlichen Ambitionen der exponierten Akteure ließen sich nur drei gemeinsame Grundpositionen erkennen: Einiges Russland ist die Partei der Gauner und Diebe – Annulierung der Wahlen – Putin und Tschurow* weg!
    Wege und Ziele notwendiger gesellschaftlicher Veränderungen blieben diffus und ohne programmatischen Bezug, klare Führungspersönlichkeiten waren nicht erkennbar, die ideelle und organisatorische Vernetzung oblag den internetaffinen Nutzern von Touchscreen-Tablet-PC und Smartphones.

    weiterlesen
  9. Tag Zwei nach den Duma-Wahlen in Russland ist auch Tag Eins nach deutlich wahrnehmbaren Protesten gegen Wahlfälschungen und Betrug bis hin zur Forderung, die Wahlen zu annulieren. In Moskau.
    Man scheut den Begriff „Massenproteste“, Straßen und Plätze sind nicht unbedingt Orte, an denen die Russen ihren politischen Unwillen eindrucksvoll artikulieren und ob 2.000 (offizielle Zahlen) – 6.000 (hiesige Medien) – 10.000 (russische Nichtregierungsquellen) Demonstrierende in einer 12-Millionen-Stadt nun schon „Massen“ sind, bleibt auch fraglich. Und Moskau ist russische Hauptstadt, aber nicht Russland!

    (Gut drei Millionen russisch-orthodoxe Gläubige in Russland pilgerten zur Reliquie "Gürtel der Allerheiligsten Gottesmutter", über 300.000 zog es allein dazu in die Christi-Erlöser-Kathedrale am Ufer der Moskwa.)

    An hiesigen Mutmaßungen, wo, wann und in welchem Umfang zugunsten der Regierungpartei „Einiges Russland“, synonym gesetzt mit dem Namen Wladimir Putin, diese Wahlen bewusst oder unbewusst manipuliert wurden, sollte man sich nicht beteiligen. Das Wahlergbnis selbst spricht dagegen und der ansonsten sofortige massive Protest der Kommunisten ist auffällig zurückhaltend.
    Natürlich hat es Unregelmäßigkeiten gegeben, ja Absurdes wie die mehr als 99 % pro „Einiges Russland“ in Tschetschenien, aber haben wir wirklich eine gute Begündung, um uns auch hierzulande als Lehrmeister in Sachen Demokratie aufzuspielen?
    Dimensionen und Wesen von Wahlen auf allen Ebenen im Landes des russischen Bären (Am Sonntag wurden übrigens auch 27 Gebietsparlamente und mehr als 3.000 Kommunalvertretungen gewählt.) werden den meisten uns in ihrem Umfang weitestgehend verschlossen bleiben.
    Und jene, die auf höchster politischer Ebene zuvor Putin, Medwedjew & Co. huldigten, werden es auch danach tun. So wie sie jetzt die außerparlamentarische Opposition huldigen.

    weiter im Blog
  10. Während dies geschrieben wird, ist in der Ukraine längst die einstige Ministerpräsidentin Julia Timoschenko vom Petschersker Bezirkssgericht der Stadt Kiew schuldig im Sinne der Anklage gesprochen worden. Dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft auf sieben Jahre Haft wurde entsprochen.

    Der Prozess hat mehr als nur einfache internationale Aufmerksamkeit erregt, denn er ist auch und aus der Sicht vieler in- und ausländischer Beobachter zuerst und manchmal nur ein politischer Prozess, denn man saß nicht nur über die einstige Regierungschefin, sondern auch die wichtigste Gegnerin des gegenwärtigen Staatspräsidenten im Wahlkampf 2010 zu Gericht.
    Heute ist sie Integrationsfigur der parlamentarischen und innenparlamentarischen Opposition, ob auch deren Führerin, zudem noch unbestrittene, steht auf einem anderen Blatt.
    Der Timoschenko-Prozess war so politisch, wie es in Russland das Verfahren gegen Michail Chodorkowskij und Platon Lebedew war.
    Aber beide Verfahren sind auch dahingehend politischer Natur, dass sie „im Westen“ missbraucht werden, um virtuelle Kanonen gegen die aktuell Mächtigen in der Ukraine und in Russland in Stellungen zu bringen.
    Es wird suggeriert, man hätte es bei der Angeklagten bzw. den Verurteilten mit unbescholtenen, moralisch integren Leuten zu tun, die nichts weiter verbrochen hätten, als ihren politischen Gegnern die Stirn zu bieten.

    Es kann nicht bestritten werden, dass Julia Timoschenko eine gewiefte, auch skrupellose Unternehmerin ist, Korruption und Vorteilsnahme gegenüber nicht unaufgeschlossen.
    Als sie sich Anfang der 2000er Jahre allmählich, stets in Blickrichtung links einen halben Meter hinter Viktor Juschtschenko stehend, als eine Führungsfigur der sogenannten „orangenen Revolution“ profilierte, hatte sie bereits einen „Namen“ in der ukrainischen Geschäftswelt der Rohstoff- und Waffenhändler.
    Erstmals dann 2005 ins Amt der Ministerpräsidentin gelangt, konnte sie lange Zeit ihr Land nicht verlassen, denn Interpol hatte sie zur Fahndung ausgeschrieben, es lag ein internationaler Haftbefehl vor. Wegen illegaler Waffengeschäfte.

    weiter im Blog
  11. Hört man in diesen Tagen das altslawische, bestimmte Zahlwort „troika“, so denkt mancher bestimmt zuerst an jenes alte russische Schlittenpferdegespann, bei dem drei wohlgenährte, übermütige Rösser, gezügelt von einem in Pelze gehüllten Lenker, in raschem Tempo das Gefährt über eine schier grenzenlose Schneelandschaft ziehen. Wer hinten auf dem Schlitten sitzt, bleibt meist verborgen, schöne Frauen und reiche Männer suchen unter Zobelpelzen Schutz vor dem Fahrtwind und der grimmigen Kälte. Jaaaa, die Troika … vernimmt man nicht das Geläut der Schellen am Zaumzeug?

    Doch aus unerfindlichem Grund nennen die Medien auch die unbarmherzige Auditorenschaft aus EU-Kommission, EZB und IWF in Griechenland „Troika“. Nicht die Drei oder das Trio!
    Zugegeben, die russische Ausgabe der Wikipedia kennt 13 (!) Begriffsdeutungen des Wortes „Troika“. Vom Zahlwort über die Note „befriedigend“ in der fünfstufigen Zensurenskala, das Motorad „Ural“ mit Dreizylinder-Motor bis zu einer bekannten Schokoladenmarke mit Nougatfüllung.
    Und natürlich wird auch eine Kommission mit drei Mitgliedern „Troika“ genannt, hier ist übrigens der Begriff Bolschaja Troika dann eher üblich, wenn es sich um Dimensionen wie bei den Obengenannten handelt.

    Doch bleiben wir im Bild des Pferdegespanns.

    weiter und mit Abbildungen
  12. Eigentlich umgehe ich dieses in Deutschland allzu beliebte Thema aus Prinzip. Aber es ist Sonntag und das Ausscheiden der deutschen Frauen gestern aus dem Weltmeisterschaftsturnier geschah so spät am Abend, das es wohl dem Redaktionsschluss der meisten Medien, der Postillen und Gazetten von heute sowieso, hinterherlief.
    Also ist es weitestgehend noch still an der Front deutscher Fußball-Kakophonie und man kann etwas Nachdenkliches einstreuen.
    Zunächst: Natürlich war da ein kurzer Ärger wegen der Niederlage, man ist ja schließlich kein nationales Neutrum. Dem folgte aber schnell ein sehr warmes Mitgefühl mit unseren Frauen, irgendwie jede ein Häufchen Elend für sich, mehr oder minder in Tränen aufgelöst. Da war sie wieder, die etwas andere Art der Frauen im Fußball. Trotz einer gewissen Stämmigkeit werfen sie nicht einfach aus Ärger einem Fan eine leere Flasche an den Kopf.
    Hoffentlich bleibt uns dieses Anderssein erhalten, irgendwie schaut man gerade deshalb beim Frauenfußball genauer hin. In diesem Zusammenhang habe ich mein Interesse an den Kickern beiderlei Geschlechts mal hinterfragt, ich hielt es bisher für durchschnittlich. Ich schaue mir nur wenige Spiele an, entwickle dabei selten Emotionen und wenn doch, so schreie ich sie nicht als Bekenntnis für meine Nachbarn heraus. Aber wenn man dies für durchschnittlich hält, dann muss es ja wohl auch etwas geben, was mehr interessiert, ja fasziniert und auf der andere Seite der Waage etwas, was weniger ansprechend ist oder gar abgelehnt wird. Aber mir fiel nichts ein, was mich (als Sport) mehr anregt als Fußball, dafür aber sofort Menschenbewegendes, was mich angeödet abwinken lässt. Z. B. Boxen, Profiradrennen und Formel 1.
    Blickt man nun auf den Frauenfussball, so fällt auf, wo sich dieser dem männlichen Kampf ums Runde auf dem Weg ins Eckige schon weitestgehend angenähert hat und wo es ihm gelingen sollte, Abstand zu wahren.
    Die Frauenfußballerinnen sind nicht weniger athletisch als die Männer, technisch absolut versiert, spiel(t?)en eigentlich überlegter, aber „holzen“ können sie nun auch. Die „Blutgrätsche“ ist kein Fremdwort mehr und bei Bedarf geht Frau in die Frau, dass es nur so kracht.
    Auch in der Vermarktung herself kommen die Frauen nun in die Pötte. Von ihrer – aus Männersicht – naturgegebenen optischen Überlegenheit dabei zehrend, preisen sie – zu meinem Erschrecken – schon mal die BILD gegen Bares, wie ich annehme, als beste Zeitung Deutschlands an und vielleicht demnächst Alete-Babykost so wie die Männer Nutella.
    Daneben hat Frauenfußball ein berechtigtes, aber in seinem Auftreten unerwartet schrilles Fanpotenzial. Vor allem wohl bei Frauen selbst. Das Stöhnen, Kreischen und Maulen, dass mir gestern aus meiner Wohnumgebung entgegen schallte, war nicht weniger extensiv als das der Männer vor einem Jahr. Jedoch kam es schriller daher, nicht so im Bassbariton grölend, höher in der Tonlage, weniger biertrunken, eher piccolobesoffen. Inhaltlich aber durchaus vergleichbar, irgendwann dann garantiert geschmacklos. In der Verlängerung war aus einer Frauenrunde durch das weit geöffnte Wohnzimmerfenster zu vernehmen: „Macht sie kalt, diese asozialen Japanerinnen!“ Tja, …
    Eines aber scheint dem Frauenfußball (noch?) fremd: die Verknüpfung mit exzessiver Gewalt weiniger, aber schlagstarker sogenannter „Fans“. Die scheint heute schon bis zum Extrem getrieben, international sehr schön zu sehen an den Horrorvisionen über die Gewaltbereitschaft polnischer und ukrainischer Hooligans zur Fußball-EM 2012.
    Und hierzulande haben wir in Sachsen-Anhalt sogar ein Beispiel der Kapitulation von Staatsmacht, Kommunen und Vereinen vor diesen Extremisten und Schlägern, welches lokal heftig diskutiert wird.
    Der Hallesche Fußballklub findet im Land kein Stadion, in dem er am 30. Juli sein DFB-Pokal-Erstrundenspiel gegen Eintracht Frankfurt austragen kann.
    Der eigene Sportpark ist noch nicht fertig, es gab z. B. Absagen an und von Leipzig bzw. Magdeburg , aber man war sich sicher, nach Dessau ausweichen zu können. Als Strohhalm sozusagen, gegen den es aber sofort Sicherheitsbedenken gab. Jene seitens der Polizei unterband der Innenminister mit einem Machtwort, nun aber sagte die Kommune ab. Zeitgleich gibt es in Zerbst ein Motorradrocker-Treffen der Bandidos und in der Stadt selbst eine MDR-Radionacht. Alles klar?
    Nun sucht der Verein bis nach Hannover, aber eine große Wahl gibt es wohl nicht, eher eine satte Qual, denn ringsherum ist man ausgebucht, hat anderes vor oder runzelt ebenfalls aus Angst vor hauenden Hallensern und berüchtigten Frankfurter Schlägern mit der Stirn.
    Ein Paradigmenwechsel? Ist es nun der Gewalt am Rande des Fußballfeldes gelungen, der Ordnungsmacht, vor allem aber dem Sport selbst, ihren Willen aufzuwingen? Kann hierauf noch ein „Nein“ die Anwort sein?
    Von den Kosten derartiger Polizeieinsätze mal abgesehen, die man ggf. m. E. den Fußballvereinen auferlegen sollte, bleibt so etwas dem Frauenfußball hoffentlich erspart. Da möchte man sich lieber nicht irren!
  13. Mitten im Sommer sind es ausgerechnet Olympische Winterspiele, die 2018 im südkoreanischen Pyeongchang (Man übe schon einmal das Schreiben dieses Namens!) stattfinden sollen, die bei so manchem Deutschen einen ausgewachsenen Kater verursachen.:katze:
    Nicht nur das „schönste Gesicht des Ostens“ der Katharina Witt war in Tränen aufgelöst nach der gescheiterten Bewerbung Münchens, auch der Bundespräsi schaute grimmig, Kaiser Franz schmollte und nur hinter dem Pokerface des Thomas Bach konnte man heimliche Freude entdecken, zweimal Deutschland an der Spitze Olympias wären wohl ein no go area gewesen. So aber kann er sich jetzt realistischere Chancen auf die Rogge-Nachfolge ausrechnen.;)
    Außer Spesen (und dem Garmisch-Patenkirchen-Krimi) also nichts gewesen?
    Das kann man wohl aus drei Gründen nicht sagen.
    Erstens, wer weiß schon, wie hoch die Spesen tatsächlich waren, zweitens kennt man das Verhältnis von Aufwand und Ergebnis nicht so genau, denn irgendwer wird auch aus dem Scheitern Nutzen ziehen und drittens, (Wie heißt doch die geflügelte Fußballer“weisheit“ „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!“) diskutiert man schon öffentlich eine Bewerbung Münchens für 2022. Denn auch bei den Südkoreanern hat es ja erst im dritten Anlauf geklappt.:D
    Glaubt man den Umfragen, so sind heute nur maximal 20 Prozent der Deutschen wirklich locker. Denn sie fanden diesen Winterolympia-Vorfeld-Zirkus nicht so toll oder gar abwegig.
    Und auf sie trifft keinesfalls die Feststellung zu, dass die gestrige deutliche IOC-Entscheidung in Südafrika einmal mehr bewiesen hat, dass die Deutschen im Sport schlechte Verlierer sind. Und ganz schön verlogen noch dazu.
    Plötzlich hat man sich in Sachen Winterolympiade 2018 gegen den Sport und die olympische Idee, aber für das große Geld entschieden. Nicht das Konzept der Nachhaltigkeit, der kurzen Wege, der Herzlichkeit und des fairen Sportsgeistes triumphierte, nein, der schnöde Mammon, der billige Kommerz. Auch das IOC hat ganz wie die FIFA den Weltsport an den Meistbietenden verhökert.
    Ja, was ist das denn? Olympia München 2018 wäre wohl eine gemeinnützige Veranstaltung gewesen, niemand wollte dort Geld verdienen, alles um des sauberen Sports willen? Nun aber hat man den olympischen Geist auf den Altar unüberschaubarer asiatischer Absatzmärkte gerotzt?
    Aber die Rettung naht? München geht für 2022 nochmals an den Start, damit das olympische Feuer wieder hell und sauber leuchtet? Ach, es kommen einem die Tränen vor Rührung …
    Denkt man aber - wieder nüchtern geworden – sachlich nach, so spricht doch eigentlich alles für ein grundsätzlich neues olympisches Veranstaltungskonzept.
    Der turnusmäßige Wanderzirkus wird beendet.
    Olympische Winter- und Sommerspiele finden zukünftig immer an einem Ort statt.
    Diese beiden Austragungszentren werden in einer konzertierten internationalen Aktion finanziert und gebaut, mit infrastrukturellen Reserven.
    In der kalten Jahreszeit trifft man sich z. B. irgendwo, wo es auch in zwanzig Jahren noch kalt und schneereich sein wird. Z. B. im hohen Norden Skandinaviens.
    Und Sommerspiele finden immer dort statt, wo sie wirklich hingehören. In Griechenland, in Athen und Olympia. Eine gute Gelegenheit, den Griechen nicht nur immer etwas vorzurechnen, sondern ihnen auch Perspektivisches zu finanzieren. Die machen bestimmt mit.
    Und Geld, ja Geld … gibt es auch dabei zu verdienen. Keine Panik!:lachen:
  14. Wer spricht in diesen Tagen nicht von EHEC, der Abkürzung, die sich so schön abgehackt drohend in einem Wort kehlig artikulieren lässt? Also: Haben Sie heute schon geehect?
    _______________________________________
    Wie, werden Sie sagen: Was soll denn das bitte sein?
    Aber Ihnen sind schon Wörter wie „simsen“ (eine SMS verschicken) und „googeln“ (im Internet mit Google suchen) bekannt? Auch, dass sie Eingang in den DUDEN gefunden haben?
    Eine klare Konsequenz des alltäglichen Umgangs mit diesen Wörtern. Niemand sagt Mobiltelefon, sondern in Deutschlands heißt es sprachökonomisch Handy. So ist es.
    Nun stellt man sich aber die Frage, ob wir nicht auch unseren Umgang mit dem enterohämorrhagischen Escherichia coli-Bakterium in der modernen sprachlichen Kommunikation würdigen sollten. EHEC ist ja buchstablich in aller Munde und wütet gar in manchem Darm, da sollte es uns schon ein Verb wert sein.
    Und viele sehen sich schon am HUS, dem hämolytisch-urämischen Syndrom, zugrunde gehen, Hus, Hus, gab es da nicht diesen Mann, den man verbrannte? Siehste!
    Ich könnte also ehecen, d. h. heute schon einmal mit jemandem über den Fäkalkeim, rohes Gemüse oder zarte Bohnen- und Sojasprossen geredet haben. Oder ich wasche mir mehr als üblich die Hände, koche Tomaten zu Brei, erkläre grüne Gurke zum holus non gratus (Die persona non grata kennen Sie ja wohl! :)) und sehe die Doktoren schier am Darmwüstling verzweifeln.
    Oder ich wurde geehect, d. h. vom Keim sozusagen gekapert, sprachlich verwandt zum hacken in der Computerszene, eine feindliche Übernahme meiner Verdauungsorgane also. :D
    Doch niemand weiß etwas genaues, mancher überhaupt nichts, aber umso mehr wird darüber geredet, in Petri-Schalen geschaut, bunte Stäbchen an Darmzotten auf die Leinwand projiziert (Rot auf braun, sehr schön!:) ) und wieder den Ministern hinterher geschlichen.
    Aber es gruselt so schön, schmierige mediale Ware, gut unter die Leute zu bringen, katastrophal für die Gemüseerzeuger, aber gewinnträchtig für Springer, Berthelsmann, Murdock und Co..
    EHEC ist zur existenziellen Bedrohung deutschen Lebens aufgestiegen, gefährlicher als jede Grippe (Man spricht von 5.000 bis 15.000 Grippetoten in Deutschland im Jahr.:dontknow: ) und spürbarer als jede Dioxinverseuchung von Tierprodukten und Futter.
    EHEC ist die Schwarze Pest unserer Tage, angsterfüllt wird jede Vernunft ausgeschaltet und geehect, komme, was da wolle.
    Spät, zu spät da die Weisheit des FDP-Gesundheitsministers, man solle weniger in Spekulationen ertrinken als lieber mit einer Stimme Reales vermitteln. Z. B. der Stimme des Robert-Koch-Institus. Jetzt sind wir schon umstellt von Biogasanlagen, Gewächshäusern, Gurkenpaletten, Tomatenkisten und Sprossenkästen, hoffnungslos ausgeliefert unseren grausigen Visionen. Vom Fäkaliendschihad der Islamisten ganz abgesehen.:cool:
    Also, heute schon geehect? Noch nicht, dann frisch ans Werk, anschließend ins Bett und die Decke über den Kopf ziehen. So fürchtet es sich besser!:lachen: :lachen:
  15. Ein netter Nutzer dieses Forum empfahl mir heute, mich doch aus Diskussionen herauszuhalten, denen ich (er sagte diskursiv, meinte aber sicherlich) argumentativ nicht gewachsen bin. Ich möge mir doch ein bißchen die Beine vertreten oder solle mal wieder etwas "Neues aus Russland" schreiben.
    Nun wäre ich seinem letzteren Wunsch gern nachgekommen, aber für das Forum bietet sich so recht nichts an. Jedoch haben wir ja das Blog (Habe nachgeschlagen, der DUDEN erlaubt auch den Blog.) und so kam ich auf den Gedanken, doch einmal etwas über Eishockey in Russland zu schreiben, das erscheint zunächst "unpolitisch".
    Jedoch fliegen in dieser Hinsicht dort gerade die Fetzen und Eishockey erweist sich geradezu als hoch anzusetzendes Politikum.
    Heißes Thema in den russischen Medien sind momentan die Vorgänge um das Trainergespann der russischen Eishockeynationalmannschaft Wjatscheslaw Bykow (Cheftrainer) und Igor Sacharkin (Co-Trainer).
    Nicht nur Sportfans braucht man nicht zu erläutern, dass Eishockey in Russland Mannschaftssportart Nr. 1 ist. Nicht unabsichtlich vergleiche ich es mal mit Fußball in Deutschland.
    Freunde der Puckjäger auf dem Eis wissen ja, dass Russland bei der jüngsten Eishockey-WM nicht nur gegen Deutschland verlor, sondern auch nicht den Sprung aufs Treppchen schaffte. Die Holz-Medaillen für Platz 4 wurden in Russland als nationale Schmach empfunden, ein Aufschrei des Entsetzens gellte durch die Gazetten. Erstmals in der Geschichte dieser WM war man nicht in der Troika der Weltbesten.
    Seitdem rumpelt es im Karton der russischen Eishockeyoligarchie. Nicht wenige Funktionäre (zumeist einstige Hockeygrößen, wie Torwartlegende Tretjak, jetzt Chef der Liga) wollen, wie ja auch hierzulande eher die Regel denn die Ausnahme, die "Versager" schassen, andere sie halten. Beide Fraktionen der russischen Eishockey-Lobby sind gleich stark und so kommt es am kommenden Donnerstag zum Showdown der Gremien, russisch bezeichnet als "Große Schlacht der Apparatschiks".
    Interessant dabei ein mir bis dato unbekannter Fakt. Die "Apparatschiks" haben ohnehin nur beratende Funktion. Nationalmannschaftstrainer werden in Russland vom jeweiligen Minister für Sport, momentan Vitalij Mutko, ernannt (Oder vergleichsweise eben: Ob Jogi Löw die deutschen Nationalkicker trainiert, entscheidet nicht der DFB, sondern der Innenminister.), und wer diesem sagt, was Sache sein sollte, ist ja wohl klar: Wladimir Putin hat, irgendwie schon als neuer (alter) Staatspräsident sich fühlend und Russlands Sportler Nr. 1, kürzlich sich die Oberherrschaft für Sotschi 2014 komplett auf den Tisch gezogen. Gut in Erinnerung ist den russischen Sportfunktionären auch noch dessen Toben und das anschließende Stühlerücken nach dem Desaster von Vancouver 2010 für die Russen.
    Interessant auch, wen sich einige Eishockeyspezln so als neuen Cheftrainer (schnell korrigiert, hatte schon -träner geschrieben:lachen:) wünschen und welche Rolle dabei die Firmenholding TATNEFT, umsatzseitig Nr. 10 aller russischen Unternehmen, sechstgrößtes Mineralölunternehmen der RFspielt.
    Das aber führt jetzt zuweit...:D, oder nicht?:dontknow:
    Ach so: Ich hoffe, der gestrenge, naturverbundene Nutzer ist zufrieden. Auch wenn es nicht um den Garten ging.:lachen:
  1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden