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  1. Es ist SOOO traurig…

    Eine sehr weise junge Frau sagte vor nicht allzu langer Zeit zu mir, ich sollte mal versuchen, mich an den kleinen Dingen im Leben zu erfreuen. Zugegeben, das finde ich gar nicht so leicht, gerade wenn es mal wieder einige Tage gab, an denen aber auch so gar kein Grund zur Freude bestand. Aber trotzdem musste ich es wenigstens mal ausprobieren.

    An unserem Küchenfenster steht auf dem äußeren Fensterbrett ein Blumenkasten mit Geranien. Die sehen noch nicht so toll aus, weil es noch nicht lange genug warm war, aber er fängt an, auszutrieben. Vor einigen Wochen nun wollte meine Mum den Pflanzen ein wenig helfen und sie gießen. Sie schüttete elend viel Wasser rein, bis sie feststellte, dass dort etwas rumschwamm. Es war ein winziges Vogelnest, liebevoll zusammengebastelt aus Zweigen, Federn und Haaren. Das war jetzt allerdings total überschwemmt.

    Ich wusste nicht genau, ob man das anfassen darf, also tat ich es vorsichtshalber nicht, sondern ließ es einfach schwimmen. Am nächsten Tag war das Wasser weggesickert und das Nest wieder einigermaßen trocken…und es saß eine kleine Grünfinkmama drauf. Vorsichtig ging ich zum Fenster, ich wollte sie ja nicht stören. Leider konnte ich nicht erkennen, ob schon etwas im Nest lag. Seit diesem Tag schaute ich aber öfter nach ihr und manchmal war sie auch nicht da, so dass ich einen Blick auf die drei Eier werfen konnte, die sie im Abstand von jeweils einem Tag hineingelegt hatte. Ich war sehr gespannt auf die kleinen Piepmätze, die ich zu sehen bekommen sollte.
    Nach und nach füllte sich das kleine Nest immer mehr. Letztlich waren es dann sechs Eier.
    Ich war begeistert.

    Ich hätte es mir ja niemals träumen lassen und ich war auch immer absolut dagegen, aber jetzt, wo es kurz bevorstand, freute ich mich darüber: WIR WURDEN ELTERN! =)

    Eines schönen Tages durften wir das erste kleine Nachwuchsfinklein begrüßen. Der war richtig goldig. Nackig und mit geschlossenen Augen lag er friedlich im Nest. Wir tauften ihn Flinki, weil er der Schnellste war. Jeden Tag schlüpfte jetzt ein weiterer neuer Erdenbewohner. Es wurde ziemlich eng mit sechs Kiddies in diesem winzigen Nest. Und es kam, was ich von Anfang an befürchtet hatte: Eines Tages waren es nur noch fünf. Ich habe mich nicht getraut, nachzusehen, ob das sechste aus dem Nest gefallen war. Ich hätte nichts tun können, um es zu retten, also wollte ich es lieber gar nicht erst sehen.

    Mein Partner hatte den Camcorder aufgebaut und filmte jeden Tag ein wenig, damit wir später auch noch Freude an der Entwicklung der Kleinen haben würden. Die Geranien waren mittlerweile auch relativ dicht und boten einen guten Sichtschutz vor unerwünschten Besuchern. Es machte richtig Spaß, täglich mehrfach nach den Süßen zu sehen und beim Füttern zuzuschauen. Langsam bekamen sie spärlich Federn, öffneten auch schon hin und wieder die Augen und wurden unruhiger. Wir konnten sie schon nicht mehr zählen, weil alles ein einziges Knäuel war. Nur wenn es Zeit für die Fütterung war und sich alle Schnäbel in die Luft streckten, konnten wir sehen, dass noch alle fünf da waren. Die Eltern kamen nun auch schon nicht mehr so oft vorbei.

    Vor Kurzem fand unsere Freude nun ein plötzliches Ende. Es waren nur noch zwei kleine Finken im Nest, kurz darauf gar keins mehr. Sie fielen den verdammten Elstern zum Opfer…jedes einzelne…
    Ich hasse Elstern! Ich bin furchtbar traurig. Es ist fast so, als hätten wir ein Haustier verloren.

    R.I.P., meine kleinen gefiederten Freunde…
  2. In letzter Zeit scheine ich für Unglücke aller Art sehr offen zu sein.
    Ich ziehe sie an, als wären sie aus Metall und ich hätte einen Magneten verschluckt.

    Gestern stellte ich mein Auto auf den großen Parkplatz im Wohngebiet ab, was ich eigentlich nicht gern tue, weil es dort sehr düster und verlassen ist. Dort werden gerne mal Autos angefahren und keiner sieht was. Nun ja, es blieb mir nichts anderes übrig. Überall sonst war es voll.

    Ich stieg also aus und schlenderte meines Weges, als plötzlich von hinten ein Bengel auf seinem Bike angeschossen kam und mich über den Haufen fuhr. Wir knutschen sofort beide den Asphaltbelag des Parkplatzes. Der Bengel fing an zu schreien und zu heulen, ihm wäre ja SOOO schlecht. Ich brüllte ihn bloß an: "Sag mal, geht's noch?"
    Zu mehr war ich gerade nicht fähig.

    Sein scheinbar etwas älterer Kumpel kam angeradelt, stammelte irgendwas von "Scheiße...Scheiße..." und kümmerte sich um den Typen. Er fragte mich noch, ob bei mir alles in Ordnung wäre, was ich erstmal halbherzig bejahte. Nun standen wir da und betrachteten uns den am Boden liegenden Knaben, der noch immer wimmerte und heulte. Ähm...mein Mitgefühl hielt sich in Grenzen.

    Ein älterer Herr kam dazu und fragte, ob was passiert wäre. Ich grummelte leise: "Nö, wir haben hier so richtig Spaß!", was er zum Glück nicht hörte. Ich fragte nur, ob die beiden sich jetzt kümmern würden und stiefelte Richtung Heimat.

    Unterwegs bemerkte ich dann den langsam stärker werdenden Schmerz. Beide Hände aufgeschlagen, das rechte Knie ebenfalls einschließlich eines riesigen Blutergusses und einer enormen Schwellung. Heute schmerzt es nun erst so richtig böse.

    So...und nun gehe ich mir ein Loch buddeln, setze mich rein und warte, bis die Unglücksphase vorbei ist. :(
  3. Heute war also der große Tag: Seit etlichen Jahren durfte ich das erste Mal wieder das gut ausgebaute Netz unserer öffentlichen Verkehrsmittel testen. Das wäre ja alles nicht so tragisch, wenn ich es nur nicht als unmenschlich empfinden würde, dafür eine Stunde früher aufstehen zu müssen.

    Gestern Abend fing es schon an: Ich brachte den Leihwagen in meine Werkstatt zurück und musste somit den Nachhauseweg mit Hilfe der Straßenbahn meistern. Kein Problem. Ohne Umsteigen ist alles halb so schlimm. Natürlich fuhr mir die Bahn genau vor der Nase weg und ich musste 15 Minuten in der Kälte warten. Während der ganzen Zeit hüpfte dort ein etwa 5jähriges Mädchen herum und trällerte „Kling Glöckchen, klingelingeling…“. Ich war genervt…

    Heute Morgen nun ging es weiter. Erst Straßenbahn, dann U-Bahn. Wann bin ich das letzte Mal U-Bahn gefahren? Es muss mindestens drei oder vier Jahre her sein. Ich betrat also den Bahnsteig und sah, dass ich neun Minuten warten musste. Also zündete ich mir geistesabwesend eine Zigarette an und hing meinen Gedanken nach. Plötzlich sprach mich von hinten eines der Heinzelmännchen an, die zwecks Informationsverteilung auf den Bahnsteigen herumtigern und erklärte mir, dass das Rauchen auf den Bahnhöfen 15 Euro kostet. Ähm…ich hatte ja keine Ahnung. Schnell drückte ich die Zigarette aus, obwohl ich es schade fand, da ich sie ja gerade erst angesteckt hatte. Währenddessen durfte ich mich an dem Gejammer eines Kinderchores aus sämtlichen Lautsprechern erfreuen.

    Irgendwann kam dann die Bahn und ich ließ mich müde auf einen freien Sitz fallen. Aus mindestens drei verschiedenen MP3-Playern ertönten die Bässe, eine junge Russin telefonierte lautstark mit ihrem Handy (ich dachte immer, die funktionieren unterirdisch gar nicht) und der ältere Herr in zwei Metern Entfernung war offenbar in sein Rasierwasser gefallen.

    Wenn man nicht so genau weiß, wann die Station kommt, an der man aussteigen will, muss man hin und wieder mal der Durchsage lauschen. Die kam dann auch in regelmäßigen Abständen. Sie flötete unter anderem: „Tierpark…Übergang zur Metro-Tram.“ Was ist denn bitteschön eine Metro-Tram? Haben wir nicht früher mal Straßenbahn dazu gesagt?

    Endlich kam meine Station und ich konnte aussteigen. Jetzt nur noch zehn bis fünfzehn Minuten laufen, um in die Firma zu kommen. Zwar haben hier am Stadtrand die Straßen fast keine Fußwege, so dass ich diverse Male über Baumwurzeln stolperte und fast auf nassen Blättern ausrutschte, aber ich habe dieses Abenteuer unverletzt überlebt…
  4. So...nachdem nun gutachterlich bestätigt ist, dass mein Wagen bei dem Unfall einen wirtschaftlichen Totalschaden erlitten hat ( :( ), muss dringend ein neues Auto her. Ohne kann ich kaum menschenwürdig leben.

    Also war ich gestern auf der Suche. Dabei begegnete ich in drei verschiedenen Autohäusern nur ein einziges Mal der Spezies Verkäufer. In zweien schien man nicht daran interessiert, eines der dort rumstehenden Vehikel loszuwerden.

    Ich schlenderte also bei Opel durch die Reihen, erschrak bei einem vorsichtigen Blick auf die Preise und wurde innerhalb von fünf Minuten von einem Exemplar der oben genannten Spezies angesprochen. Nun haben diese Leute ja einen nicht gerade hervorragenden Ruf, was ich ihm auch zu verstehen gab, indem ich meinem mangelnden Vertrauen ihm gegenüber Ausdruck verlieh. Er war sichtlich betroffen und versuchte alles, diesem Ruf nicht gerecht zu werden.

    Ich erklärte ihm zuerst mal einige Eckdaten, die der Wagen haben muss. Dann schleifte der Herr mich zu einem, der mir optisch schon mal zusagte und auch nur 13 Monate alt ist.

    [​IMG]

    Aber auch hier war der Preis eigentlich außerhalb meiner Möglichkeiten. Allerdings ließ ich mich doch recht schnell überzeugen, als er noch verschiedene Kleinigkeiten gratis dazulegte, z.B. Ganzjahresreifen, eine einjährige Anschlussversicherung etc.

    Leider dauert es jetzt noch eine Woche, bevor ich das gute Stück in Empfang nehmen darf. Ich bin gespannt, was er so alles kann, da ich auf der Probefahrt nicht jeden der tausend Knöpfe ausprobieren konnte. Zumindest weiß ich aber schon mal, dass er einen Bordcomputer hat.
  5. Ich muss meinem Frust mal dringend freien Lauf lassen, ist mir doch heute auf dem Nachhauseweg etwas Grausiges passiert.

    Den ganzen Tag schüttete es hier wie aus Eimern, alles pitschenass. Ich war im Auto unterwegs, als meine Mum anrief und mich fragte, ob ich sie nicht abholen könnte, es würde keine Straßenbahn fahren. Ja sicher kann ich das. Ist kein allzu großer Umweg.

    Ich fuhr so vor mich hin, als ich plötzlich die Bremslichter meines Vordermannes (bzw. meiner Vorderfrau) auf mich zukommen sah. Ich stellte mich auf die Bremse, aber es half nichts mehr. Ich rutschte auf der nassen Fahrbahn direkt in den Wagen vor mir, versuchte noch, auszuweichen, drehte mich halb auf der Straße und rutschte noch in den Gegenverkehr. Ich hatte keine Chance. Mein Vordermann und der Entgegenkommende auch nicht.

    Mein Wagen ist wahrscheinlich Schrott. Die Werkstatt meint, auf den Zeitwert gerechnet ist es wohl ein Totalschaden. Als ob ich mir einen neuen Wagen leisten könnte...

    Wenigstens gab es keine Verletzten. Wenn man davon absieht, dass ich Kopfweh habe und mein linkes Schulterblatt schmerzt, geht es allen Beteiligten gut. Nur der Kerl aus dem Gegenverkehr tat so, als hätte ich einen absichtlichen Mordanschlag auf ihn verübt, dabei habe ich den nur gestreift.

    Den Zeitwert kriege ich ja wenigstens erstattet, falls es wirklich ein Totalschaden ist. Wenn ich mich nicht gleich wieder hinters Steuer setze, werde ich es vielleicht nie wieder tun. Aber ich muss erstmal zusehen, dass ich wieder klar denken kann…

    Uff…
  6. Sicher sind auch einige von euch gewerkschaftlich organisiert und kennen die größten der Gewerkschaften zumindest namentlich.

    Meine Mum ist bei verdi organisiert. Und das seit 40 Jahren. Nun war verdi der Meinung, dass müsse gebührend gefeiert werden. Eine Delegation fuhr extra in die Kita, in der meine Mum arbeitet, um ein Präsent zu überbringen, das ihre Wertschätzung zum Ausdruck bringen sollte.

    Dieses Präsent war äußerlich sogar sehr ansprechend: ein Etui, in dem man als Unwissender ein repräsentatives Schreibset oder ähnliches erwarten würde. Grau-schwarz und recht elegant. Nun öffnete meine Mum das natürlich nicht im Beisein der Abgesandten, sondern bedankte sich erstmal artig und wartete auf deren Verschwinden, um sich anzusehen, in was für Unkosten sich verdi ihretwegen gestürzt hat.

    Also öffnete sie das Etui, sah hinein und…

    Was sich darin befand, spottet jeder Beschreibung. Es war ein Plastik-Werbekugelschreiber ungefähr dieser Art: [​IMG]

    und ein Einkaufschip, ungefähr so: [​IMG]

    Und beides natürlich mit dem verdi-Schriftzug.

    Auf meine Anregung hin schrieb meine Mum ihrer Gewerkschaft einen „netten“ Brief, in dem sie ihr mitteilte, dass sie doch bitte dieses wundervolle Geschenk nach 40 Jahren Mitgliedschaft zurücknehmen möchten. Sie steckte das tolle Etui samt Inhalt mit in den Umschlag und ich brachte es heute zur Post. Auf eine Antwort (so denn eine kommt) bin ich gespannt.

    Also, wer einen Kugelschreiber benötigt, dem empfehle ich, noch heute einen Antrag auf Aufnahme bei verdi zu stellen.
  7. ...treibt sich seit einiger Zeit in meiner Gegend herum. Er macht gern Schabernack mit den Leuten, denen er begegnet und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Die Betroffenen haben noch mindestens eine Woche lang etwas von dieser Begegnung, so kurz sie vielleicht auch gewesen sein mag.

    Ich hoffte inständig, dass er sich von mir fernhalten würde. Für solch grobe Späße bin ich eigentlich gar nicht zu haben. Das interessierte diesen merkwürdigen Typen nur leider nicht. Er schlich sich am vergangenen Sonntag auf hinterlistige Art und Weise an.

    Seitdem raubt er mir täglich immer wieder ein paar meiner ohnehin schon sehr raren Nerven und meiner physischen Kräfte. Da man aber an allem ja auch etwas Positives finden kann, achtet er peinlichst auf meine (danach vielleicht) schlanke Linie, indem er mir das Essen auf eine sehr subtile Art verbietet.
    Außerdem sorgt er dafür, dass ich vorerst nicht in die Firma darf.

    Ich kenne noch nicht den genauen Namen des verabscheuungswürdigen Individuums, aber ich weiß, dass er zur Gattung der Magen-Darm-Viren gehört.

    Und da er mich meiner Kräfte heute morgen schon wieder mehrfach beraubt hat, gehe ich jetzt wieder ins Bett.

    Gute Nacht...
  8. Aus aktuellem Anlass…

    …muss ich mich mal heftigst auskotzen.

    Manchmal stelle ich mich aber auch wirklich blöd an. Ich weiß ja, dass ich nicht viel Fantasie habe, aber dass es nicht mal dafür reicht, mir etwas Schönes vorzustellen, um zu entspannen, stinkt mir schon ganz gewaltig. Es ist für mich unheimlich wichtig, das zu können. Es ist entscheidend für viele Dinge, die ich in naher Zukunft vorhabe.

    Ich hielt mich ja schon immer für unfähig, wenn es sich um irrationale Dinge handelt, nur hat das auch noch nie eine so wichtige Rolle gespielt. Früher habe ich meine Fantasie verflucht. Allzu oft hat sie mir Dinge aufgezeigt, die ich nicht wissen wollte…ja, nicht mal wahrnehmen wollte, vom darüber Nachdenken ganz zu schweigen. Sie hat mir alles in schrecklichen Farben gemalt und mir Träume verschafft, die keiner braucht.

    Heute hätte ich gern einen Teil davon zurück, aber ich finde nichts mehr. Irgendwann in den letzten 20 Jahren muss ich sie Stück für Stück verloren haben. Wenn ich nur wüsste, WO…verdammt…

    Ich werde mich auf die Suche begeben müssen...
  9. In meinem Leben begegnete ich schon des Öfteren Menschen, die nach außen eine gewisse Kälte ausstrahlen. Immer wieder musste ich feststellen, dass ich solchen Menschen gegenüber voreingenommen bin. Es fällt mir schwer, mit ihnen tiefsinnig zu kommunizieren, mich ihnen anzunähern oder auch nur ein paar belanglose Worte zu wechseln.

    Nun frage ich mich grübelnderweise, warum das so ist. Einen Ansatz habe ich dabei entdeckt. Die meisten Menschen in meinem Umfeld, die mich nicht (gut) kennen, bezeichnen mich als emotionslos, gefühlsarm, hart oder schlimmstenfalls sogar als arrogant. Dass dem nicht ganz so ist, erfährt man, sofern man nicht vorher die Flucht ergreift, erst, wenn man mich näher kennen lernt. Ja, ich wäre manchmal gern offener, würde gern besser auf Leute zugehen können, aber ich kann es nun mal nicht. Vielleicht ist genau das der Grund, warum mir Leute, die so sind, wie es mir nachgesagt wird, immer etwas suspekt sind.


    Off…
  10. Was war es diesmal, was mich zum Nachdenken gebracht hat? Ach ja...ein Beitrag in einem anderen Forum und ein kurzes ICQ-Gespräch darüber. Welch anstrengendes Thema...Nähe, Distanz, Vertrauen und Verletzbarkeit...


    Vertrauen ist eine sehr heikle Sache. Schwer zu bekommen und schwer zu geben. Dabei erhielt ich gerade kürzlich eine PN, in der von Vertrauen mir gegenüber die Rede war. Wir kennen uns erst seit ungefähr 2 oder 3 Wochen...und dann gleich sowas? Das ist nicht das erste Mal, dass jemand so schnell viel von sich preis gibt. Im RL ist das völlig anders, aber wieso? Verleitet die Anonymität des Net zu schnellerer und grösserer Offenheit? Ist es leichter, schriftlich Dinge über sich zu erzählen, als miteinander zu reden?
    Was auch immer es ist...manchmal bin ich sehr froh darüber, dass es diese Net-Kontakte gibt, weil sich daraus etwas sehr Schönes entwickeln kann...weil daraus auch Freundschaften im realen Leben entstehen können. Aber manchmal werden die Menschen auch sehr fordernd und egoistisch, was dann einfach nur noch anstrengend ist. Solche Kontakte braucht niemand.


    Der Idealfall ist, wenn man irgendwann sicher ist, dass das Vertrauen gerechtfertigt ist und sich daraus Nähe, Verbundenheit und freundschaftliche Treue entwickeln. Das ist unheimlich viel wert, wie ich heute weiß.
    Diese Erfahrung durfte ich bereits machen...und ich bin dafür sehr dankbar. Nie hätte ich gedacht, dass das aus einem virtuellen Kontakt entstehen kann. Nun, ich wurde eines Besseren belehrt.
    So kann Nähe beispielsweise auch entstehen, wenn die räumliche Entfernung verdammt groß ist. Es spielt wohl keine so grosse Rolle, wieviele Kilometer dazwischen sind, entscheidend ist allein die mentale Nähe.


    Je näher man sich steht, umso verletzbarer wird man scheinbar. Wer ist nicht schon mal durch einen guten Freund oder eine andere nahestehende Person verletzt worden? Es tut viel mehr weh, als wenn es sich nur um Bekannte handelt.
    Aber wieso? Wirklich gute Freunde sollten sich nicht gegenseitig weh tun...und doch tun sie es immer wieder...manchmal sogar so sehr, dass einer oder beide bitterlich weinen. Warum tun Freunde sich das an? Mißverständnisse und Fehlinterpretationen sind quasi an der Tagesordnung. Erwarten wir zu viel? Freunde sind doch auch nur Menschen...mit all ihren Fehlern und Schwächen. Und trotzdem sind wir selbst manchmal so unvorsichtig und unsensibel, unseren Freunden wehzutun. Vielleicht müssen wir alle ein wenig mehr Feeling entwickeln.


    Distanz kann uns vor solchen Verletzungen schützen, aber ist es richtig, sich zurückzuziehen und auf Abstand zu gehen?
    Hin und wieder kann ich mittlerweile meinen Selbstschutz ignorieren und hoffe immer wieder, dass das kein Fehler ist. Auf weitere Enttäuschungen kann ich gern verzichten.
    Auf Distanz zu gehen ist der einfachere Weg, aber er ist nicht immer der richtige. Vielleicht haben wir einfach nur verlernt, auf andere zuzugehen und miteinander offen und ehrlich umzugehen. Schade eigentlich...


    Off...
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