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  1. #

    Zwischen Stirn und Balken ein Immergrün,
    den träumenden Sommer lang
    und doch ohne Bedeutung,
    weil ich heute mein Zweirad begrabe.

    Im Fluss des trägen Körpers
    der sich über mir streckt,
    an meinen Gliedern hängt er in Tropfen,
    die ich satt trinke.

    Wohin wollen wir uns wenden,
    sagt der Vater meiner Gedanken,
    die sich schon an die Nacht gewöhnt haben
    und heute wach bleiben.

    Ich werde dich vermissen,
    höre ich ihn schreiben und flüstern,
    ich sage nichts dazu, wie immer,
    wir haben uns an mein Schweigen gewöhnt.
  2. Nichts hat mich erreicht. Deine Augen sind auch nur leeres Geschwätz. Wie soll man daraus trinken und Lebendigkeit beschwören? Ich wünschte, es gäbe dich, du wärst nicht nur eine Erfindung der Realität, dann könnten wir so einiges anstellen und uns gegenseitig aufnehmen. Atme endlich durch die Pupillen, bis sich das Schwarz mit Tiefe füllt. Ich warte…
  3. Ich gebe Bedenkenlosigkeit mit einem Lächeln. Alles in Ordnung, flüstere ich zusätzlich und stricke jeden Abend an einem wollenen Ungetüm, es soll meine Unruhe zähmen, doch die Füße wippen unentwegt, während ich die Maschen zähle. Kein Friede, nur Ruinen. Eine Seelenlandschaft ohne zierende Blüten. Karges Einerlei, groß geworden unter einem gleichgültigen Gähnen der Beteiligten.

    Kann es sein, dass wir zunehmend träge werden, will ich von den zwei Hunden wissen, die gemütlich seufzen und an einem Knochen nagen. Ein hartes Stück, schwer zu verdauen, aus ihrem Darm kommt es farblos und breiig wieder zum Vorschein, die Säfte haben ganze Arbeit geleistet. Warum ist in mir keine ähnliche Kraft, die solches leisten kann und mich von dem befreit, was in mir steckt und manchmal hochkommt, an dem ich kaue, unentwegt und das nach gar nichts schmeckt.

    Zugleich zieht ein schleichendes Frösteln in mich und der Kamin ist verlockend. Er verspricht kontinuierliche Wärme und macht mich angenehm müde. Die Nächte werden länger und mein Schlaf erreicht nahezu monströse Ausmaße, dauert bis weit in den Vormittag und ich erwache nicht, ich erwache nicht. Mit halb geschlossenen Augen nehme ich wahr was da ist, eine Welt, ist es meine oder die des Mannes? Was mache ich hier? Ich sollte mich fortschwemmen lassen - von einer Welle, die mich ungefragt mitnimmt und Neuland verspricht.

    Die Hunde legen ihre kalten Schnauzen auf meine nackten Waden, ich schrecke unsanft hoch, erkenne die mir fremden Tiere im rustikalen Ambiente; so viel Holz und doch kein Geruch nach Wäldern und schon gar nicht Freiheit. Ich bemerke, dass ich begonnen habe das alles irgendwie zu mögen, es umgibt mich behaglich und spendet eine gewisse Zuversicht. Ich werde bleiben. Die Wände nicken, sie haben es schon lange vor mir gewusst - ich bin domestiziert worden.
  4. Wir sind ein Begriff, aber kein Bezugspunkt, das in Eden geschlossene Bündnis für die fetten Jahre und diese sind mit dir niemals vorbei, denn dein Haus ist gutbürgerlich und schwer, die ideale Repräsentation des Biedermanns, dessen Bauch unter dem Hemd spannt und sich immer weiter ausdehnen möchte. Gerne lege ich mein linkes Ohr auf die kugelige Ausbuchtung und lausche dem Gurgeln deiner Magensäfte, mich einlullend, in Sicherheit wiegend, eine kleine Nachtmusik. Glaube ein Schmatzen zu vernehmen, hintergründig, leise und möchte kichern, kann uns nicht mehr ernst nehmen.

    Da legst du deinen Arm um mich, eine Spange oder Klammer, aus der ich mich befangen winde und sie trotzdem nicht abschütteln kann. Etwas fehlt, höre ich dich sagen, während du mich fixierst und schon ertappe ich mich beim reflexartigen Schuldbekenntnis meiner Unvollkommenheit, sowie des permanenten Mangels, der nie zu beseitigen ist, egal was probiert wird, aber dann fügst du hinzu: Wir sollten ein Kind zeugen.

    Ich schrecke hoch, sogar deine zwei trägen Hunde heben ihren Kopf. Wir sind schlagartig wach.
    Ach, entringt sich meiner Kehle ein nutzloser Laut bevor meine Stimme endgültig versagt, ich drei Tage lang an Heiserkeit und einer zugeschnürten Kehle laboriere. Beim Schlucken würgt der Kloß und ich möchte mir den Hals aufreißen, um endlich wieder frei atmen zu können. Was ist hinzuzufügen?

    Ich betrachte meine Füße - wie weit tragen sie mich? Versuchsweise beginne ich mit dem Sport, Ausdauer und Kraft müssen trainiert werden, erst dann gewinnen zögerliche Kreise an Umfang und Kontur. Steigerung vom Schritttempo zum Trab, stets dieselbe Strecke wählend, den Feldweg entlang, vorbei an Baumreihen und hin zum sich schlängelnden Bach, der irgendwo in einer größeren Fluss mündet. Beine entdecken sehnige Schnelligkeit, einen leistungsfähigen, schmalen Muskelstrang, der für Fortkommen sorgt. Es könnte gelingen.

    Du entsorgst die Präservative und ich entdecke die Lust an der Enthaltsamkeit, verschließe mich, bin nicht aufnahmefähig, sondern sperrig und kühl, während du über meine Schenkel streichelst, um sie weich und nachgiebig zu machen. Ich widerstehe, dabei mag ich deine Berührungen, sie sind fest und männlich, aber im Kern zart. Du bist kein Zerstörer, sondern fütterst und bewahrst, senkst das Bleigewicht der Fürsorge tief in meinen Magen, der dann schrecklich drückt, während du mich beobachtest. Ich soll aufessen und zweimal täglich duschen, mein Schamhaar beseitigen, da es ansonsten zu ausufernd wuchert. Das sind klare Regeln, die gerne befolgt werden, wenn man im Gegenzug mit Zuneigung und Wohlwollen rechnen darf. Ich sollte mich glücklich schätzen, dass du auf mich aufpasst, immerhin habe ich es alleine zu nichts gebracht. Nun willst du mich lehren eine Frau und Mutter zu sein, vielleicht wachsen dann ja auch meine Brüste, werden sie Milch geben und ich endlich Nährende, ganz deinem Beispiel folgend.

    Das Gebot der Stunde. Trink mich. Hinter den Spiegeln lauert das Unbekannte. Ein möglicher Entwurf. Gehört er zu meinem Leben? Oder sind wir ein eher ein Irrtum? Ich überlege.
  5. In die Fremde gepflanzt betrachtete ich auf Kopfsteinpflaster stehend eine sandsteinhelle Kirche, bevor ich deine Schritte das erste Mal vernahm, so sicher und schnell, aber auch bald schon laut und nahe, darum wandte ich den Blick von den Sehenswürdigkeiten ab und in deine Richtung.

    Du hast sofort gelächelt und angeboten, mir deine Heimat zu zeigen, wusstest, dass ich nicht hierher gehöre und räumtest mir doch einen Platz an deiner Seite ein. Das war außerordentlich höflich, aber nach zwei Stunden begann ich schon ein wenig müde zu werden, da du ständig erklärtest und ich wollte ja gar nichts erfahren, nur ein wenig das Außen streifen.

    Am Abend saßen wir zusammen in deinem Haus, bewacht wurde es von zwei dicken Hunden, über die ich erst lernen musste zu steigen und von denen der kleinere auf meine Füße keuchte, bevor er sie mit seinem Speichel überzog, davon war ich nicht begeistert, aber dich hat es amüsiert, darum erschien es mir besser nichts dazu zu sagen, ich wollte das gefällige Motiv nicht zerstören.

    Dich werden wir auch noch aufpäppeln, hast du irgendwann verkündet und mich verwunderte der Plural ebenso wie der Satz selbst. Aber es war kein Scherz, du hast noch in der Nacht für mich gekocht und am frühen Morgen beim Bäcker Süßes gekauft. Ich wollte weiterreisen und zum Meer fahren, aber du hast mich aufgefordert zu bleiben, in den Garten gezeigt und gemeint, schöner wäre es ohnehin nirgends.

    Bei den Gästen, die sporadisch zu Besuch kamen, hast du dich gerne für mich entschuldigt und hinzugefügt, ich wäre ja schon weniger knochig und es würde noch viel besser mit mir werden, wenn ich nur bei dir bliebe. Das war die einzige Bedingung für meine Genesung, ich sollte bei dir sein, in deinem Garten, eine dekorative Randfigur neben dem Nussbaum und auf ihn und mich wolltest du stolz zeigen und der Welt mitteilen: beide gedeihen sie prächtig unter meinen fürsorglichen Händen.

    Ich bin matt und satt geworden, deine zärtliche Bevormundung ist ein Narkotikum, jeder Bissen nährt und lähmt mich, den Brei kann ich kaum noch in Löffeln fassen, es müssen bereits Schöpfkellen sein. Ich höre von den anderen, dass dein Werk gelungen ist und ich viel besser aussehe. Sie müssen sich keine Sorgen mehr machen und meine Eltern sind dir dankbar. Ich möchte aufhören in deiner Schuld für meine Rettung zu stehen, aber es ist unmöglich. Darum bin ich gezwungen dich zu lieben, obwohl ich doch so gerne reisen würde, immer weiter weg, jeden Tag woanders und bei irgendwem, aber das ist nun ausgeschlossen, weil wir dieses seltsame Paar geworden sind, von dem ich mir immer dachte, mit mir wäre das nicht möglich, aber ich habe mich getäuscht, in mir lebt jemand, der sich sogar gerne gegen seinen Willen festhalten lässt und wie deine Hunde habe ich verlernt, mich nach einer Welt außerhalb deines Gartens zu sehnen.