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Natur ist manchmal grausam...

Published by Offside in the blog Offside's blog. Views: 4182

Es ist SOOO traurig…

Eine sehr weise junge Frau sagte vor nicht allzu langer Zeit zu mir, ich sollte mal versuchen, mich an den kleinen Dingen im Leben zu erfreuen. Zugegeben, das finde ich gar nicht so leicht, gerade wenn es mal wieder einige Tage gab, an denen aber auch so gar kein Grund zur Freude bestand. Aber trotzdem musste ich es wenigstens mal ausprobieren.

An unserem Küchenfenster steht auf dem äußeren Fensterbrett ein Blumenkasten mit Geranien. Die sehen noch nicht so toll aus, weil es noch nicht lange genug warm war, aber er fängt an, auszutrieben. Vor einigen Wochen nun wollte meine Mum den Pflanzen ein wenig helfen und sie gießen. Sie schüttete elend viel Wasser rein, bis sie feststellte, dass dort etwas rumschwamm. Es war ein winziges Vogelnest, liebevoll zusammengebastelt aus Zweigen, Federn und Haaren. Das war jetzt allerdings total überschwemmt.

Ich wusste nicht genau, ob man das anfassen darf, also tat ich es vorsichtshalber nicht, sondern ließ es einfach schwimmen. Am nächsten Tag war das Wasser weggesickert und das Nest wieder einigermaßen trocken…und es saß eine kleine Grünfinkmama drauf. Vorsichtig ging ich zum Fenster, ich wollte sie ja nicht stören. Leider konnte ich nicht erkennen, ob schon etwas im Nest lag. Seit diesem Tag schaute ich aber öfter nach ihr und manchmal war sie auch nicht da, so dass ich einen Blick auf die drei Eier werfen konnte, die sie im Abstand von jeweils einem Tag hineingelegt hatte. Ich war sehr gespannt auf die kleinen Piepmätze, die ich zu sehen bekommen sollte.
Nach und nach füllte sich das kleine Nest immer mehr. Letztlich waren es dann sechs Eier.
Ich war begeistert.

Ich hätte es mir ja niemals träumen lassen und ich war auch immer absolut dagegen, aber jetzt, wo es kurz bevorstand, freute ich mich darüber: WIR WURDEN ELTERN! =)

Eines schönen Tages durften wir das erste kleine Nachwuchsfinklein begrüßen. Der war richtig goldig. Nackig und mit geschlossenen Augen lag er friedlich im Nest. Wir tauften ihn Flinki, weil er der Schnellste war. Jeden Tag schlüpfte jetzt ein weiterer neuer Erdenbewohner. Es wurde ziemlich eng mit sechs Kiddies in diesem winzigen Nest. Und es kam, was ich von Anfang an befürchtet hatte: Eines Tages waren es nur noch fünf. Ich habe mich nicht getraut, nachzusehen, ob das sechste aus dem Nest gefallen war. Ich hätte nichts tun können, um es zu retten, also wollte ich es lieber gar nicht erst sehen.

Mein Partner hatte den Camcorder aufgebaut und filmte jeden Tag ein wenig, damit wir später auch noch Freude an der Entwicklung der Kleinen haben würden. Die Geranien waren mittlerweile auch relativ dicht und boten einen guten Sichtschutz vor unerwünschten Besuchern. Es machte richtig Spaß, täglich mehrfach nach den Süßen zu sehen und beim Füttern zuzuschauen. Langsam bekamen sie spärlich Federn, öffneten auch schon hin und wieder die Augen und wurden unruhiger. Wir konnten sie schon nicht mehr zählen, weil alles ein einziges Knäuel war. Nur wenn es Zeit für die Fütterung war und sich alle Schnäbel in die Luft streckten, konnten wir sehen, dass noch alle fünf da waren. Die Eltern kamen nun auch schon nicht mehr so oft vorbei.

Vor Kurzem fand unsere Freude nun ein plötzliches Ende. Es waren nur noch zwei kleine Finken im Nest, kurz darauf gar keins mehr. Sie fielen den verdammten Elstern zum Opfer…jedes einzelne…
Ich hasse Elstern! Ich bin furchtbar traurig. Es ist fast so, als hätten wir ein Haustier verloren.

R.I.P., meine kleinen gefiederten Freunde…
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