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Dialoge

Published by Homer in the blog Homer's blog. Views: 4013

Als das Getümmel sich gelegt hatte und noch keine fünf Tage verflossen waren, berieten sich die, die wider die Magier aufgestanden waren, miteinander über die gesamte Lage des Reiches . Dabei wurden Reden gehalten, die manchen Hellenen unglaublich sind, aber darum doch gehalten wurden. Otanes nämlich war der Meinung, die Regierung des Reichs in die Hände aller Perser zu legen, und äußerte sich darüber so:

"Ich halte es nicht für gut, dass wieder einer von uns Alleinherrscher werde; denn es ist weder angenehm noch gut. Ihr wisst ja, wie weit des Kambyses Übermut gegangen ist, und ebenso habt ihr ja auch den Übermut des Magiers empfunden. Wie aber könnte die Alleinherrschaft eine wohlgeordnete Sache sein, wo jeder tun kann, was er will, ohne alle Verantwortlichkeit? Denn selbst den besten Mann von allen, wenn er in eine solche Herrschaft einträte, würde sie außerhalb des Kreises seiner gewohnten Anschauungen versetzen. Denn Übermut entsteht in ihm in Folge der ihm zu Gebote stehenden Güter, Neid aber ist schon von Anfang an dem Menschen angeboren. Wenn einer nun diese beiden Dinge hat, so hat er damit alles Schlimme: denn teils von Übermut gesättigt, teils aus Neid verübt er mancherlei Frevel. Und doch sollte ein Herrscher frei von allem Neid sein, da er ja alle Güter besitzt; so aber zeigt er gerade das Gegenteil davon gegen seine Mitbürger, denn er beneidet die Besten, weil sie wohl und am Leben sind, während er an den schlechtesten Bürgern seinen Gefallen findet. Verleumdungen anzunehmen ist er gern geneigt. Was aber am wenigsten zusammenpasst: Wenn du ihn mit Maß bewunderst, so nimmt er es übel, dass man ihn nicht mehr verehrt; verehrt ihn aber jemand allzu sehr, so nimmt er es demselben als einem Schmeichler übel. Das Ärgste aber ist das, was ich nun angeben will: er rüttelt an den väterlichen Einrichtungen, er tut den Frauen Gewalt an und tötet ohne Verhör und Urteil. Wenn aber das Volk herrscht, so hat dies zuerst den schönsten Namen von allen, die Gleichheit vor dem Gesetz. Zum anderen aber tut es nichts von dem, was der Alleinherrscher tut: Es besetzt die Ämter durchs Los, und jedes Amt ist zur Rechenschaft verpflichtet; alle Entscheidungen aber überlässt es der Allgemeinheit. Darum gebe ich nun meine Meinung dahin ab, wir wollen die Alleinherrschaft aufgeben und dem Volk alle Macht überlassen; denn in dem Volke ist alles enthalten

Diesen Antrag stellte Otanes. Megabyzos dagegen wollte die Regierung einer kleinen Zahl überlassen und sprach sich darüber so aus: "Was Otanes gesagt hat, um die Alleinherrschaft zu beseitigen, das soll auch von mir gesagt sein. Wenn er aber die Macht auf das gesamte Volk übertragen will, so hat er damit den besten Antrag verfehlt: denn es gibt nichts Unverständigeres und Übermütigeres als ein großer Haufe, der zu nichts nütze ist. Für uns wäre es in der Tat unerträglich, wenn wir, dem Übermut eines Alleinherrschers entgangen, in den Übermut eines zügellosen Volkes gerieten. Denn wenn jener etwas tut, so tut er es mit Verstand, in der Masse des Volks aber ist gar kein Verstand. Denn wie kann man Einsicht bei dem erwarten, der weder eine Unterweisung erhalten, noch überhaupt das kennt, was schön ist und sich gehört, sondern sich auf die Geschäfte stürzt ohne Verstand, gleich einem reißenden Bergstrom? Die Volksherrschaft also sollen die nehmen, die es übel mit den Persern meinen; wir aber wollen einige der besten Männer in einen Ausschuss wählen und diesen die Macht übertragen, denn unter diesen werden wir ja auch selbst enthalten sein. Die besten Männer aber werden natürlich auch die besten Ratschläge erteilen. Das also war der Vorschlag des Megabyzos.

Das also war der Antrag des Megabyzos. Zum dritten legte Dareios seinen Antrag mit folgenden Worten vor: Mir scheint es, Megabyzos hat vollkommen Recht in dem, was er über die Masse des Volkes gesagt hat, aber Unrecht mit dem über die Herrschaft der Wenigen. Denn unter den drei vorliegenden Formen der Regierung, auch unter der Annahme ihrer jeweiligen Bestform: eine vorzügliche Volksregierung oder eine Herrschaft der Wenigen oder eine Alleinherrschaft, glaube ich immerhin, das die letzte bei weitem den Vorzug verdient. Denn offenbar kann doch nichts besser sein, als wenn einer, der der beste ist, herrscht; denn mit einer solchen Gesinnung begabt wird er über die Massen des Volkes tadellos walten, während sein Ratschläge wider feindselig gesinnte Männer so am besten verschwiegen bleiben. Bei einer Herrschaft der Wenigen pflegt aber, weil mehrere für das allgemeine Wohl ihre Tüchtigkeit üben, unter diesen eine starke Privatfeindschaft zu entstehen. Denn da jeder einzelne der erste sein und mit seiner Ansicht Ansicht durchdringen will, so geraten sie leicht in große Feindschaft miteinander. Daraus entstehen Parteiungen und aus den Parteiungen kommt Mord aus dem Mord aber kommt es zur Alleinherrschaft und dann eben zeigt es sich, um wie viel besser dieselbe ist. Wenn hinwieder das Volk herrscht, so ist es gar nicht anders möglich, als dass Schlechtigkeit aufkommt. Ist nun Schlechtigkeit in die öffentlichen Angelegenheiten gedrungen, so entsteht allerdings keine Feindschaft zwischen den Schlechten, wohl aber feste Freundschaften. Denn die, welche es auf das Verderben des Ganzen absehen, stecken sich zusammen und handeln gemeinsam. Dies geht dann in der Weise fort, bis einer an die Spitze des Volkes sich gestellt hat und dem Treiben solcher Menschen ein Ende macht. Darum wird nun eben dieser vom Volke bewundert, und in Folge dieser Bewunderung erscheint er bald als Alleinherrscher. Und so zeigt sich auch darin, dass die Alleinherrschaft am besten ist. Soll ich aber alles in einem Wort zusammenfassen, so frage ich: "Woher ist uns denn die Freiheit gekommen und wer hat sie uns gegeben? Ist sie vom Volke oder von einer Herrschaft Weniger oder von einem Alleinherrscher gekommen? Demnach bin ich der Meinung, wir, die wir durch einen Mann frei geworden sind, halten uns auch daran, und außerdem schaffen wir nicht ab die Bräuche unserer Väter, die gut sind; denn das wäre nicht gut.

Diese drei Anträge nun lagen vor; dem letzteren jedoch traten die vier anderen von den Sieben bei. Als aber Otanes, der eine Gleichheit bei den Persern einzuführen wünschte, sah, dass er mit seinem Antrag unterlag, erhob er sich und sprach zu ihnen folgendes: "Ihr Männer, die ihr mit mir euch verschworen! Es ist wohl klar, dass einer von uns König werden muss, mag er nun durch das Los dazu bestimmt sein, oder so, dass wir es dem Volk der Perser überlassen, wen es wählen will, oder auf irgend eine andere Weise. Ich will darüber nun mit euch nicht streiten denn ich will weder herrschen, noch beherrscht werden. Aber unter der Bedingung stehe ich von der Herrschaft ab, dass ich keinem von euch untertänig werde, weder ich selbst, noch alle meine Nachkommen. Als er dies gesagt hatte, und die sechs ihm diese Bedingung zugestanden, ließ er sich nicht weiter mit ihnen ein, sondern trat aus ihrem Kreis. Und so ist auch jetzt dieses Haus das einzige in Persien, welches frei ist und nur in so weit der Herrschaft untertänig, als es selbst will, insofern es die Gesetze der Perser nicht überschreitet. Die übrigen von den sieben hielten nun Rat miteinander, wie sie auf die gerechteste Weise einen König einsetzen könnten.

(Herodot Historien 3,80-84)
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