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Vergessen - Verzeihen

AW: Vergessen - Verzeihen

Es ist einfach der Kalenderspruch der nicht stimmt.
Das ist Deine - bisher im Forum einzige - persönliche Meinung.

Nehmen wir den Spruch noch einmal her:
"Männer vergessen schwer, verzeihen rasch.
Frauen vergessen leicht, verzeihen nie."
Nun, ich denke einmal, man kann davon ausgehen, dass der Autor dieses Spruches einmal zwischen Vergessen und Verzeihen unterschieden hat. Wer das nicht tut, braucht - nicht böse sein - zu diesem Spruch auch keine Meinung abgeben. Wenn ich den Unterschied zwischen Rindfleisch und Schweinefleisch geschmacklich nicht erkennen kann, kann ich auch nicht sagen, wie gut mir was von beiden schmeckt. Damit will ich jetzt nicht sagen, dass Du nicht zwischen Vergessen und Verzeihen unterscheidest. Zweifelhaft ist, ob diesbezüglich zwischen Frauen und Männern ein Unterschied ist. Bereits seit den 1960-er Jahren ist sich die Wissenschaft ja sicher, dass es kaum einen Menschen gibt, der nur männliche bzw. nur weibliche Anlagen hat. Der Regelfall ist also, dass beide Geschlechter beide Anlagen in sich haben. Aus diesem Grund müsste es genauigkeitshalber schon heißen: "Menschen mit vorwiegend männlichen Anlagen" bzw. "Menschen mit vorwiegend weiblichen Anlagen".

Was mich betrifft - die Frauenwelt möge entscheiden, wie männlich ich bin - habe ich zwar einige Sachen verziehen, wurde ich aber durch irgendeinen Umstand an die - bereits verziehene Sache - erinnert, merkte ich (banalerweise), dass ich sie noch nicht vergessen habe. Verzeihen heißt daher für mich, ich kann und darf daran erinnert, ohne dass sich irgendein Ärger, Groll, Rachegedanken oder gar Hass in mir meldet. Für mich auch ein Beweis, dass der Mensch neben seinem Körper auch noch aus Geist und Seele besteht.

Wie soll ich etwas verzeihen, was ich vergessen habe.
Es ist nicht nötig, dass Du etwas verzeihst, wenn Du es vergessen hast. Das ist ja - auch wenn Du es hundertmal erlebt hast - nicht mehr in Deinem Bewusstsein. Es könnte allerdings sein, dass Dich etwas schmerzt, Du weißt aber nicht genau, was es ist; dann ist es in Deinem Unterbewusstsein.

Und wenn es etwas zu verzeihen gab, werde ich das kaum vergessen.
Glaube ich dir einfach einmal.

Um ruhigen Gewissens sagen zu können:

"Man kann alles verzeihen, aber nicht alles vergessen"​

müsste man tatsächlich alles Negative erlebt haben, was ich zumindest in der heutigen Zeit, auf einen Menschen bezogen, für sehr unwahrscheinlich halte.

Liebe Grüße

Zeili
 
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AW: Vergessen - Verzeihen

Das ist Deine - bisher im Forum einzige - persönliche Meinung.

Nehmen wir den Spruch noch einmal her:
Nun, ich denke einmal, man kann davon ausgehen, dass der Autor dieses Spruches einmal zwischen Vergessen und Verzeihen unterschieden hat. Wer das nicht tut, braucht - nicht böse sein - zu diesem Spruch auch keine Meinung abgeben. Wenn ich den Unterschied zwischen Rindfleisch und Schweinefleisch geschmacklich nicht erkennen kann, kann ich auch nicht sagen, wie gut mir was von beiden schmeckt. Damit will ich jetzt nicht sagen, dass Du nicht zwischen Vergessen und Verzeihen unterscheidest. Zweifelhaft ist, ob diesbezüglich zwischen Frauen und Männern ein Unterschied ist. Bereits seit den 1960-er Jahren ist sich die Wissenschaft ja sicher, dass es kaum einen Menschen gibt, der nur männliche bzw. nur weibliche Anlagen hat. Der Regelfall ist also, dass beide Geschlechter beide Anlagen in sich haben. Aus diesem Grund müsste es genauigkeitshalber schon heißen: "Menschen mit vorwiegend männlichen Anlagen" bzw. "Menschen mit vorwiegend weiblichen Anlagen".

Was mich betrifft - die Frauenwelt möge entscheiden, wie männlich ich bin - habe ich zwar einige Sachen verziehen, wurde ich aber durch irgendeinen Umstand an die - bereits verziehene Sache - erinnert, merkte ich (banalerweise), dass ich sie noch nicht vergessen habe. Verzeihen heißt daher für mich, ich kann und darf daran erinnert, ohne dass sich irgendein Ärger, Groll, Rachegedanken oder gar Hass in mir meldet. Für mich auch ein Beweis, dass der Mensch neben seinem Körper auch noch aus Geist und Seele besteht.

Es ist nicht nötig, dass Du etwas verzeihst, wenn Du es vergessen hast. Das ist ja - auch wenn Du es hundertmal erlebt hast - nicht mehr in Deinem Bewusstsein. Es könnte allerdings sein, dass Dich etwas schmerzt, Du weißt aber nicht genau, was es ist; dann ist es in Deinem Unterbewusstsein.

Glaube ich dir einfach einmal.

Um ruhigen Gewissens sagen zu können:

"Man kann alles verzeihen, aber nicht alles vergessen"​

müsste man tatsächlich alles Negative erlebt haben, was ich zumindest in der heutigen Zeit, auf einen Menschen bezogen, für sehr unwahrscheinlich halte.

Liebe Grüße

Zeili

Hallo Zeilinger,
grundsätzlich schreibe ich meine persönliche Meinung.

Man kann alles verzeihen, ...
Die Betonung liegt auf kann !!!

Solltest du Rechtschreibfehler finden, kannst du sie behalten. Ich mache es mit Deinen ebenso. --Dankeschön--

Freundliche Grüße
Weberin
 
AW: Vergessen - Verzeihen

Hallo Zeilinger,
grundsätzlich schreibe ich meine persönliche Meinung.
Schön.

Man kann alles verzeihen, ...
Die Betonung liegt auf kann !!!
Man kann auch
so,
so,
so,
so,
so,
s o (wieder kursiv, fett und/oder unterstrichen)​
"betonen", und das, ohne dass jemand einen Hörschaden bekommt.

Solltest du Rechtschreibfehler finden, kannst du sie behalten. Ich mache es mit Deinen ebenso. --Dankeschön--
Wenn Du darauf behaarst, dann tanke.

Reife Menschen können sich auch kritisieren, oder ?

Freundliche Grüße
Auch noch keine zornigen Grüße

Zeili
 
AW: Vergessen - Verzeihen

Gekürzte Wiedergabe:
Reife Menschen können sich auch kritisieren, oder ?
Zeili

Ja, sicher doch. Nur muss man Acht geben, dass man im nächsten Satz nicht selbst zwei Fehler hat.
....der werfe den ersten Stein.
Mein Hinweis etwas lauter: Dankeschön! (eigene Gedichte)

Freundliche Grüße
Weberin
 
Zuletzt bearbeitet:
AW: Vergessen - Verzeihen

Gekürzte Wiedergabe:

Ja, sicher doch. Nur muss man Acht geben, dass man nicht im nächsten Satz selbst zwei Fehler hat.
....der werfe den ersten Stein.
Wobei man zwischen Fehler und Sünde unterscheiden darf. Wenn ich an einem See stehe, einen Stein, ohne ein Leben zu gefährden, in den See werfe, dabei überhört habe, dass mich ein (zweifelhafter) Vorgesetzter von mir, neben mir stehend, gerade gegrüßt hat und ich ihm nicht geantwortet, ist das - vielleicht - ein
Fehler​
sicher aber keine Sünde.

Gott wird mir das verzeihen.

Liebe Grüße

Zeili
 
AW: Vergessen - Verzeihen

Es ist immer noch ein sehr schweres Thema.
Ich war mal als Praktikantin sehr empört nach einer Gerichtsverhandlung mit einem jugendlichen Angeklagten, dass der Richter nicht versucht hatte mehr Verständnis für den Jugendlichen aufzubringen. Der Praxisanleiter sagte mir damals, wer alles verstehen kann, kann auch alles verzeihen.

Heute morgen habe ich mit einer Freundin gesprochen, die langsam darauf kommt, dass sie sich selber zu wenig geschützt hat. Allerdings zu viel ihren Mann. Sie ist jetzt dabei sich selber verzeihen zu lernen. Eine sehr schwierige Aufgabe, wenn die Sozialisation so verlaufen ist, dass eine Frau immer die Schuld bei sich zu suchen gelernt hat.

Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Ist eine enorme Anforderung, wird allerdings gleichzeitig in der römischen Kirche ausgelöscht durch das sogenannte Friedensgebet welches in jeder Messe nach dieser Bitte gebetet wird:
"Herr Jesus Christus schaue nicht auf unsere Sünden sondern auf den Glauben der Kirche und schenke ihr nach Deinem Willen Einheit und Frieden."

Ich habe mir angewöhnt jeden Priester zu fragen, was da eigentlich gebetet wird und was das für ein Jesus ist der nicht hinschauen soll?

Wer sich nicht erinnert ist gezwungen zu wiederholen
:liebe: :schaukel: :schaf: rg

 
AW: Vergessen - Verzeihen

Ich glaube, dass Frauen und Männer unterschiedlich mit dem Verzeihen umgehen!
Frauen sind nachtragender, wenn sie tief verletzt wurden.
Männer können sich jetzt prügeln, trinken 10 Minuten später wieder ein Bier an der Kneipentheke.
Das wäre bei gekränkten Frauen kaum denkbar.
Allerdings heilen auch bei ihnen mit der Zeit alle Wunden, wenn es auch etwas schwer fällt.
 
AW: Vergessen - Verzeihen

Ich glaube, dass Frauen und Männer unterschiedlich mit dem Verzeihen umgehen!
Das stimmt ohne Zweifel Frauen sind anders! Männer auch!
Frauen sind nachtragender, wenn sie tief verletzt wurden.
Das weiß ich nicht, ob das so ist. Ich habe da von beiden Geschlechtern die gleich schlechten Erfahrungen gemacht.
Männer können sich jetzt prügeln, trinken 10 Minuten später wieder ein Bier an der Kneipentheke.
Das liegt an der Versöhnungsmöglichkeit. Beide wissen, dass sie sich verletzt haben und es ist für beide okay. Diese Versöhnlichkeit hat auch etwas mit Gleichstellung im sonstigen gesellschaftlichen Rahmen zu tun. Sind es Sportskämpfe oder bitterte Rangkämpfe inner halb der Hierarchie?
Das wäre bei gekränkten Frauen kaum denkbar.
Für Frauen ist es noch lange nicht okay sich überhaupt zu prügeln. Jedenfalls nicht in bestimmten Gesellschaftsschichten.

Allerdings heilen auch bei ihnen mit der Zeit alle Wunden, wenn es auch etwas schwer fällt.
Wunden können erst dann heilen, wenn sie respektiert sind und die Fallgrube umgangen werden kann, immer wieder die gleiche Wunde aufzureißen mit dem vergeblichen Versuch sie zu heilen.

:liebe: :schaukel: :schaf: rg​
 
AW: Vergessen - Verzeihen

Hallo, liebe Mitdiskutanten !

Seit langem habe ich einen Kalenderspruch (der ja nicht unbedingt schlecht sein muss) im Kopf, der da lautet:

"Männer vergessen schwer, verzeihen rasch.
Frauen vergessen leicht, verzeihen nie."

Nun würden wir hier als Männer (ich hoffe, es lesen einige den Beitrag), ja hier, finde ich, eigentlich sehr gut abschneiden. Ist es aber nicht etwas mann-machomäßig ? Sind es nicht auch vor allem die Mütter (die ja auch Frauen sind), die wahre Meister im Verzeihen sind, zumindest gegenüber ihren Kindern ? Mit meinen 6 Jahren, die ich bis jetzt in einer Beziehung gelebt habe (Elternhaus natürlich ausgenommen), bin ich ziemlich ratlos und hoffe auf die reife Meinung einiger "Beziehungsmeister".

Neugierig

Zeili


Hallo Zeili,

Ich hoffe, Du bist einverstanden, dass ich die Aufmerksamkeit von der Geschlechterfrage auf die Frage nach der Bedeutung beider Verhaltensweisen unter besonderer Berücksichtigung des Adverbs "leicht" richte.

Menschen, die leicht vergessen, besitzen die Fähigkeit, sich gut ablenken und auf andere Themen konzentrieren zu können. Das Vergessene ist dann das Verdrängte, von dem sie früher oder später wieder eingeholt werden, oder das sich in anderen Zusammenhängen Luft verschafft.

Menschen, die leicht verzeihen, öffnen sich eigentlich gar nicht erst für den anderen, sie nehmen die "Fehler" des anderen zwar wahr, lassen sich von diesen aber nicht aus ihrem eigenen Konzept bringen.

Beide Methoden sind in meinen Augen gleichwertige Mechanismen, um sich vor zu großer Inanspruchnahme von den Lebensthemen eines anderen zu schützen.

Aber wirkliche Akzeptanz des anderen wird meiner Erfahrung nach nur durch den langwierigen Prozess des Verstehens erreicht, der weder Leid noch Streit vermeidet, in dem man keine Ruhe findet und gibt, bevor die Ursache und Bedeutung der "Fehlerhaftigkeit" nicht wirklich verstanden und eine Möglichkeit zur Überwindung zumindest erahnt hat.

LG Kaawi
 
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AW: Vergessen - Verzeihen

Ich hoffe, Du bist einverstanden, dass ich die Aufmerksamkeit von der Geschlechterfrage auf die Frage nach der Bedeutung beider Verhaltensweisen unter besonderer Berücksichtigung des Adverbs "leicht" richte.
Ob etwas leicht oder schwer ist hängt immer ab von dem Grad und der tiefe der Verletzung ab, die ein Mensch mit sich herum schleppt. Oft müssen viele Menschen auch erst einmal lernen sich selbst zu verzeihen, vor lauter Lebenslügen in die sie sich verwickelt haben und wurden.
Menschen, die leicht vergessen, besitzen die Fähigkeit, sich gut ablenken und auf andere Themen konzentrieren zu können. Das Vergessene ist dann das Verdrängte, von dem sie früher oder später wieder eingeholt werden, oder das sich in anderen Zusammenhängen Luft verschafft.
Dem stimme ich ich zu wer sich nicht erinnerst ist gezwungen es zu wiederholen.
Menschen, die leicht verzeihen, öffnen sich eigentlich gar nicht erst für den anderen, sie nehmen die "Fehler" des anderen zwar wahr, lassen sich von diesen aber nicht aus ihrem eigenen Konzept bringen.
Diesen Prozess, wie Du ihn beschreibst nenne ich ignorieren. Der etwas wahrnimmt, sieht den anderen nicht als Mensch an, der sich gar nicht anders verhalten kann, als sich er sich gerade verhält.
Beide Methoden sind in meinen Augen gleichwertige Mechanismen, um sich vor zu großer Inanspruchnahme von den Lebensthemen eines anderen zu schützen.
Das sehe ich anders?
Aber wirkliche Akzeptanz des anderen wird meiner Erfahrung nach nur durch den langwierigen Prozess des Verstehens erreicht, der weder Leid noch Streit vermeidet, in dem man keine Ruhe findet und gibt, bevor die Ursache und Bedeutung der "Fehlerhaftigkeit" nicht wirklich verstanden und eine Möglichkeit zur Überwindung zumindest erahnt hat.
LG Kaawi
Vor der Akzeptanz, kommt noch der einfache Respekt vor der Andersartigkeit des Anderen. Dies fällt um so schwerer je näher einem ein Mensch steht oder je mehr der Mensch sich mit seiner eigenen Sichtweise identifiziert hat.
Dazu kommt eben dann die langsame und heute gar nicht so selbstverständliche Akzeptanz der eigenen Einzigartigkeit. Die so oft im Widerspruch zur ganzen Welt steht.
:liebe: :geist: :schaf: rg​
 
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