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Träume

Dieses Thema im Forum "Unter Uns" wurde erstellt von dasinci, 4. Januar 2018.

  1. dasinci

    dasinci Well-Known Member

    Registriert seit:
    14. Mai 2012
    Beiträge:
    2.159
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    Vielen Dank für deine scharfe Beobachtung. Dein Beitrag hat mich zum Nachdenken angeregt.
    Mein erster Impuls war Widerwillen gegen die Kategorisierung “männlich=sexbetont versus weiblich=verbal kommunikationsbetont“. Frauen sind keine asexuellen Reproduktionsroboter, die bei Störungen mit Ovarienpressen behandelt werden müssen.

    https://broadly.vice.com/de/article...terische-frauen-nicht-masturbieren-zu-muessen

    https://mobile2.tagesanzeiger.ch/articles/55df38a487da8b1c85000001

    Diese Kategorisierung (männlich=sexbetont versus weiblich) ist so gestern, sorry. Zumal “er“ in meinen Träumen total passiv ist.

    Mein zweiter Gedanke war, dass ich den Humor, also den Spaß in dieser Freundschaft wirklich vermisse.

    Aber dann habe ich mich gefragt, warum mir der Rest deiner Beschreibung so bekannt vorkommt.
    Vielleicht steckte doch mehr dahinter, eine verborgene Ebene. Vielleicht hat es einen Konflikt in einer anderen Beziehung gezeigt, den ich nicht so leicht angehen kann, weswegen ich jemanden vorschiebe/projiziere, der mir prinzipiell angenehmer ist. Wenn ich schon mal dabei bin...in der Beziehung zu meinen Eltern bin ich relativ ohnmächtig und irgendwie darauf angewiesen, dass sie mich freiwillig bewusst “gehen lassen“. Ich wünsche mir zwar eine gute Beziehung, so ist es nicht.


    Also, ich gebe zu, dieses männlich-weiblich-Thema hat mich beschäftigt.
    Wenn es in meinen Träumen so einen Dualismus gibt, wird er eigentlich mit Luzifer und mir erschlagen.
    Aber als ich heute Nacht in der Badewanne so an den Traum und ihn im Zusammenhang mit Männlichkeit dachte, habe ich vor meinem inneren Auge meine Lieblingsfarbe gesehen und ja, doch... haarige Männlichkeit ist da. Schon komisch.

    Um deine Frage zu beantworten... “die Suche nach dem rechten Mittel die Unterschiedlichkeit zu gestalten“, das ist wohl für mich das zentrale Thema.
     
  2. Kaawi

    Kaawi Well-Known Member

    Registriert seit:
    18. Januar 2009
    Beiträge:
    6.522

    :danke: für Deine differenzierten Gedanken zu meinen Ideen und Mutmaßungen.

    Ich schätze Deine Fähigkeit, persönliches Erleben in einer Weise öffentlich zu erörtern, dass sich darin möglicherweise auch gesellschaftlich oder sogar gesamtmenschheitlich relevante Themen zeigen, sehr.


    Dualistisch voneinander abgegrenzte Kategorien können auch schnell zu Gefängnissen werden, wenn man sie als Ausschließungsinstrument anwendet, und diese dann im Dienste der Freiheit lieber gleich ganz zu vernichten, kann ich gut nachvollziehen.
    Ich fahre mit meiner erfahrungsbasierten Herangehensweise des "tertium datur" recht gut und habe sogar den Eindruck, mir selbst solche Rückgriffe auf längst überwunden geglaubte Geschlechterzuschreibungen wie oben beschrieben leisten zu können, ohne reaktionär zu werden.

    Meine erwachsenen Kinder (23 und 26 Jahre) können mein Denken und unseren Lebensstil auch oft nicht nachvollziehen und suchen immer wieder die Konfrontation, was zwar in der Situation kräftezehrend ist, sich aber rückwirkend heilsam auf die gesamte Familiengeschichte auswirkt, die von beiden elterlichen Seiten durch in Kriegstraumata eingebettete persönliche Schicksale ganz schön belastet ist.

    Mit Deinem dialogischen Talent kann ich leider nicht mithalten, dasinci, ich hoffe aber dennoch, nicht völlig an Deinen Anliegen vorbei reagiert zu haben. ;)
     
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  3. dasinci

    dasinci Well-Known Member

    Registriert seit:
    14. Mai 2012
    Beiträge:
    2.159
    Heute habe ich wieder von ihm geträumt.

    Wir treten einander gegenüber. Ich frage ihn, ob er vor zwei Tagen auch hier war. Er sagt, nein. Ich frage ihn, ob er überhaupt schon mal hier war. Er sagt, er war schon mal in meinem Haus. Ich frage: In dem weißen? Aber er muss nicht antworten. Ich ergänze: Ich erinnere mich.
    Er will wissen, was vor zwei Tagen hier war. Ich überlege und ringe nach einer unpersönlichen Kurzfassung. Ich sage, dass Jared hier war und mir gesagt hat, dass mein Fenster zur Seele mit materiellen Dingen blockiert ist.
    Er schweigt und sieht sich um. Ich gehe ein bisschen zurück, es entsteht mehr Abstand zwischen ihm und mir.
    Er sagt: Ich habe Lust auf dich. Ich gehe noch mehr Schritte rückwärts, verschränke meine Arme, stecke abwechselnd meine Hände in meine Hosentaschen und rufe dann tonlos Luzifer mit Lippenbewegungen. Luzifers Gestalt ist noch unwirsch von vor zwei Tagen. Er erschrickt kurz vor Luzifer. Ich gehe hinter Luzifer, drehe mich um und gehe in die entgegengesetzte Richtung weiter. Luzifer begleitet mich und bemerkt: Du fährst dreigleisig, Herrin - warum ist nur er hier?
    Ich antworte: Ich fahre nicht dreigleisig, machst du Witze? Wenn ich alle hierher zitieren würde...
    Ich will zum äußersten Rand. Aber es gibt keinen äußersten Rand mehr. Der äußerste Rand sieht jetzt aus wie die Aussicht mit Steg in “Dark City“ und “Requiem for a dream“, nur ohne Steg und anders. Ich bleibe stehen und schaue Luzifer ratlos an. Luzifer steckt auch seine Hände in seine Hosentaschen. Als ich das sehe, ahne ich Böses. Ich blicke auf und sehe, dass Luzifer selbst seine Gestalt wandelt und erkenne, wonach es aussieht. Ich bitte Luzifer, das nicht zu tun. Aber Luzifer fährt fort und fragt mich: Dachtest du, dass es keine Auswirkungen hat, was du tust?
    Ich sinke nieder auf die Knie, senke meinen Kopf und lege meine Handflächen neben meine Knie. Luzifer kniet auch und sagt: “Mach das nicht, es würde doch nichts ändern. Was dachtest du denn?“. Dabei legt Luzifer seine Hand an meinen Kiefer und hebt mein Kinn leicht. Ich schaue in Luzifers neues Gesicht und antworte: “Dass du, ...dass er nicht so leicht hierher kommen würde.“. Luzifer entgegnet: “Er hatte es nicht leicht. Du bist nicht perfekt. Du kannst nicht erkennen, wer sich Mühe gibt und wer nicht.“, dabei neigt Luzifer den Kopf in seine Richtung. Er steht nicht in Hörweite.
    Ich sage: Ich weiß, dass er sich keine Mühe gibt.
    Luzifer: Am Anfang war da eine besondere Verbindung, aber dann seid ihr nicht dran geblieben. Jetzt ist er ein Fremder.
    Ich stehe auf und frage Luzifer, warum er hier ist.
    Luzifer: Du rufst mich, wenn du mit einer Situation nicht alleine umgehen möchtest.
    Ich reibe mir die Stirn, gehe ein paar Schritte, bleibe stehen und schaue zu ihm herüber.
    Ich: Meinst du, ich sollte mit dir über ihn reden?
    Luzifer: Ich würde es aushalten.
    Ich: Ich liebe ihn.
    Luzifer: Das ist eine platonische Liebe.
    Ich: Ja. Aber mit der platonischen Liebe ist es wie mit dem Samen einer Pflanze. Unter den richtigen Bedingungen kann daraus mehr erwachsen.
    Luzifer: Er will das nicht. Und du bekommst nicht mal platonische Liebe zurück.
    Ich: Vielleicht kann er es nur nicht ausdrücken.
    Luzifer: Angenommen, das ist die Ursache. Was für eine Lösung wirst du ihm vorschlagen, wenn er dich danach fragt?
    Ich: Ich mag das Wort “Lösung“ in dem Zusammenhang nicht. Es klingt nach Trennung, nach Endgültigkeit und danach, dass alle bisherigen Investitionen und Bemühungen nicht gewürdigt werden. Warum benutzt er dieses Wort?
    Luzifer: Weil er deine Bemühungen nicht würdigt?
    Er hat die letzten Sätze mitgehört und kommt herüber.
    Er: Ich habe vieles nicht verstanden.
     
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  4. Ellemaus

    Ellemaus Well-Known Member

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    29. Juni 2010
    Beiträge:
    16.189
    Ich bin mal neugierig, weil ich nur Farben oder Bilder von unbekannten Menschen sehe, manchmal kurz bevor ich einschlafen will. (Wie ein kleiner Film) ;)

    Woran erkennst du Luzifer, was siehst du da genau?
     
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  5. Kaawi

    Kaawi Well-Known Member

    Registriert seit:
    18. Januar 2009
    Beiträge:
    6.522
    Ich mag das Wort Lösung in solchen Zusammenhängen auch nicht, denn es steht für aufgeben und weckt die Illusion, man wäre ein Thema dadurch los, dass man eine konflikthafte Beziehung beendet, wo mensch doch in Wirklichkeit nur andere Beziehungs- und/oder Ausdrucksformen sucht.

    Der letzte Satz ist schön. Vielleicht habt ihr gemeinsam etwas nicht verstanden? Dass mensch die Weichen für eine (noch?) nicht getroffene Ent-scheidung nicht durch Bemühen und Kontrolle, sondern nur durch auf Vertrauen gründende Erlaubnis stellen kann? Vielleicht die Erlaubnis, Dich auch mit Deiner Wut, Deinem Genervtsein, Deinem Unverständnis für manche seiner Verhaltensweisen auszudrücken? Vielleicht das Vertrauen in ihn, dass er genug Potential hat, sich mal mit seinem Selbstwertgefühl und der Funktionalität von Sex dabei auseinanderzusetzen, seine eigene Würde (wieder) zu finden?
     
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  6. dasinci

    dasinci Well-Known Member

    Registriert seit:
    14. Mai 2012
    Beiträge:
    2.159
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    Ich mag deine Antwort sehr @Kaawi
    Vielen Dank, das hilft mir, mehr Frieden damit zu schließen.
    Dieses Vertrauen in ihn habe ich tatsächlich nicht mehr. Vielleicht kenne ich ihn dafür zu gut... oder zu schlecht? Vielleicht gehe ich das zu misstrauisch an... oder zu realistisch?
     
  7. dasinci

    dasinci Well-Known Member

    Registriert seit:
    14. Mai 2012
    Beiträge:
    2.159
    Gute Frage. Ich habe schon mal ein bisschen über diese Figur geschrieben:
    http://www.denkforum.at/posts/614451/

    Die meisten meiner Traumfiguren haben lange Geschichten, sind teilweise über 20 Jahre alt oder verschmelzen auch schon mal miteinander. Luzifer ist da mit etwa acht Jahren noch relativ jung. Für Luzifer habe ich mehrere Charaktere miteinander verschmelzen lassen, die teilweise auch ganz gegensätzlich waren.
    Einer davon - und ich denke, mit ihm hat Luzifers Entstehung begonnen - war ziemlich angsteinflößend, zugegeben.
    Eigentlich habe ich gelernt, Träume zu beherrschen, klar zu träumen, um Albträume zu vermeiden. Aber dieser Traum... war so intensiv und unabänderlich. Als ich es geschafft habe, aufzuwachen, dachte ich nur, dass sich so Horrortrips anfühlen müssen, und habe noch eine halbe Stunde später vor Schreck gezittert. Da war eine grüne Schlange. Sie schlängelte sich meinen Körper hoch zu meinem Gesicht. Ich schaffte es dann zwar, sie von meinem Körper weg zu bekommen und zu verwandeln, aber ich konnte das Ergebnis nicht erkennen. Es war dunkel. Dann kam eine ebenso grüne Hand durch die Dunkelheit auf mich zu - es war dasselbe Wesen. In der Hand war eine grüne Pille, zuerst klein wie eine Erbse, dann wuchs sie wie eine Bohne und größer. Die Hand kam näher zu meinem Gesicht und steckte mir die Pille in den Mund. Sie bahnte sich noch weiter wachsend ihren Weg durch meine Speiseröhre und hörte nicht auf zu wachsen. Schmerzen durchwanderten meinen Körper, sodass ich mich auf dem Boden winden musste. Da wurde ich von Erde verschlungen, sodass ich nicht mehr atmen konnte. Langsam aber sicher bahnte sich das weiter wachsende Gebilde seinen Weg durch meinen Bauchnabel und die Erde. Ich konnte gerade noch erkennen, dass das, was da aus mir heraus wuchs, ein Baum war - wie eine Eiche.
    Diesen Traum habe ich mindestens drei mal geträumt, bis ich vor dem Einschlafen die Figur aus dem Traum, die Schlange, gebeten habe, mich zu verschonen. Darauf folgte etwas nicht weniger merkwürdiges. Ich bekam eine Entschuldigung. Aber die Figur blieb. Immer im Verborgenen, in der Dunkelheit, reumütig, mich nicht mehr ängstigen wollend. Bis ich ihr irgendwann einen neuen Körper und einen Namen gegeben habe.
     
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  8. dasinci

    dasinci Well-Known Member

    Registriert seit:
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    Beiträge:
    2.159
    Heute habe ich wieder von ihm geträumt.
    Ich richte meine Waffe auf ihn. Er sitzt vor mir an einem Tisch. Neben ihm über Eck sitzt ein Kind mit starr geradeaus gerichtetem Blick. Ich verschiebe meinen Fokus auf das Kind und schaue es an. Ich senke die Waffe. Das Kind sieht zu mir herüber. Ich verstecke die Waffe hinter meinem Rücken und verwandle sie in einen Zauberwürfel. Ich trete an den Tisch heran und lege den Zauberwürfel in die Mitte. Das Kind schaut den Zauberwürfel an. Ich nehme den Würfel wieder, demonstriere ihn einmal und gebe ihn dem danach greifenden Kind. Das Kind löst den Würfel, steigt auf den Tisch, schaut mich an, sagt: “Mama“, lächelt und umarmt mich mit dem Würfel in seiner rechten Hand. Ich lächle zurück, sage “Adam“, streichle seinen Rücken, kehre dem Tisch den Rücken zu und trage das glückliche Kind spazieren. Unterwegs kommt uns Jared entgegen. Jared sieht sehr verändert aus und trägt seinen Jesus-Look mit einem sehr breiten Lächeln. Ich muss unweigerlich auch anfangen zu strahlen als wir stehen bleiben und er mich ansieht. Er legt seine Hand auf Adams Schulter und fragt mich: Is this Adam?
    Ich antworte noch immer strahlend, aber wortkarg wie immer: Yes.
    Gemeinsam gehen wir zum äußersten Rand und den Steg entlang. Ich setze Adam ab, der sich selbst beschäftigt, mit dem Würfel auf dem Steg spielt oder sich bei dem vorbereiteten Buffet mit Blüten, Kräutern, Gemüse, Obst, Nüssen oder Samen bedient. Jared und ich bleiben am Ende des Stegs stehen und er umarmt mich lange. Ich bin aber ein nervliches Wrack und genieße die Umarmung nicht, löse sie, schaue ihn an und will wissen: How do you fight your fears?
     
  9. dasinci

    dasinci Well-Known Member

    Registriert seit:
    14. Mai 2012
    Beiträge:
    2.159
    ...
    Jared antwortet mir: I convince myself to not stop believing in you.
    Ich senke den Kopf. Er benutzt seine Hände nicht, berührt mein Gesicht nicht und wartet ab, bis ich selbst meinen Blick wieder hebe.
    Ich frage ihn: Whom am I supposed to believe in?
    Jared sagt: In Adam, as your mother told you.
    Ich schaue zu Adam herüber. Ein unschuldiges Kind.
    Jared fügt hinzu: Ja genau: Unschuld.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Januar 2018
  10. Ellemaus

    Ellemaus Well-Known Member

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    Beiträge:
    16.189
    Luzifer ist zu deiner Traumfigur geworden, weil du in der Kindheit viel davon gehört und gelesen hast, denke ich.

    Ich wollte mal vor ein paar Jahren, Traumbilder vom Dichter (z.B. Rilke) experimentell im Gedicht verschmelzen lassen.
    Meine Erfahrung mit Tiefe, ohne Nachtträume zum 'Ding' als Dreh und Angelpunkt zu lenken. ;)
     

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