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Lieblingsgedichtssammlung

AW: Lieblingsgedichtssammlung

Lebensangst

Oft hat man schrecklich Angst vorm Leben,
doch mit der Zeit wird sich das geben!
Das Leben ist ein alter Brauch
und andere Leute leben auch,
obwohl sie's eigentlich nicht können -
Rezept: Der bösen Welt nicht gönnen,
daß sie verächtlich auf uns schaut!
Nur frisch der eignen Kraft vertraut!
Am Leben krankt nur, wer gescheit -
gesunde Dummheit, die bringt's weit!


Eugen Roth
:)
 
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AW: Lieblingsgedichtssammlung

Dieses Gedicht ist auf englisch - die meisten hier werden es sicher mühelos verstehen.
Ich liebe es, weil es so gut zu meiner romantischen Grundeinstellung passt:

Deirdre
by James Stephens

Do not let any woman read this verse;
It is for men, and after them their sons
And their sons' sons.

The time comes when our hearts sink utterly;
When we remember Deirdre and her tale,
And that her lips are dust.

Once she did tread the earth: men took her hand;
They looked into her eyes and said their say,
And she replied to them.

More than a thousand years it is since she
Was beautiful: she trod the waving grass;
She saw the clouds.

A thousand years! The grass is stil the same,
The clouds as lovely as they were that time
When Deirdre was alive.

But there has never been a woman born
Who was so beautiful, not one so beautiful
Of all the women born.

Let all men go apart and mourn together;
No man can ever love her; not a man
Can ever be her lover.

No man can bend before her: no man say --
What could one say to her? There are no words
That one could say to her!

Now she is but a story that is told
Beside the fire! No man can ever be
The friend of that poor queen.​
 
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Mich beeindruckt das Gedicht "Heimweh, wonach" von Mascha Kaleko sehr. Es ist unglaublich, wie dieses einfache Gedicht so viele Emotionen hat...

Heimweh, wonach?

Wenn ich »Heimweh« sage, sag ich »Traum«.
Denn die alte Heimat gibt es kaum.
Wenn ich Heimweh sage, mein ich viel:
Was uns lange drückte im Exil.
Fremde sind wir nun im Heimatort.
Nur das »Weh«, es blieb.
Das »Heim« ist fort.
 
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Auf Goldgrund

Ins Museum bin zu später
Stunde heut ich noch gegangen,
Wo die Heilgen, wo die Beter
Auf den goldnen Gründen prangen.

Dann durchs Feld bin ich geschritten
Heißer Abendglut entgegen,
Sah, die heut das Korn geschnitten,
Garben auf die Wagen legen.

Um die Lasten in den Armen,
Um den Schnitter und die Garbe
Floß der Abendglut, der warmen,
Wunderbare Goldesfarbe.

Auch des Tages letzte Bürde,
Auch der Fleiß der Feierstunde
War umflammt von heilger Würde,
Stand auf schimmernd goldnem Grunde.

Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)
 
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Hugo von Hofmannsthal
Was ist die Welt?

Was ist die Welt? Ein ewiges Gedicht,
Daraus der Geist der Gottheit strahlt und glüht,
Daraus der Wein der Weisheit schäumt und sprüht,
Daraus der Laut der Liebe zu uns spricht

Und jedes Menschen wechselndes Gemüt,
Ein Strahl ists, der aus dieser Sonne bricht,
Ein Vers, der sich an tausend andre flicht,
Der unbemerkt verhallt, verlischt, verblüht.

Und doch auch eine Welt für sich allein,
Voll süß-geheimer, nievernommner Töne,
Begabt mit eigner, unentweihter Schöne,
Und keines Andern Nachhall, Widerschein.

Und wenn du gar zu lesen drin verstündest,
Ein Buch, das du im Leben nicht ergründest.
 
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Hugo von Hofmannsthal
Was ist die Welt?

Was ist die Welt? Ein ewiges Gedicht,
Daraus der Geist der Gottheit strahlt und glüht,
Daraus der Wein der Weisheit schäumt und sprüht,
Daraus der Laut der Liebe zu uns spricht

Und jedes Menschen wechselndes Gemüt,
Ein Strahl ists, der aus dieser Sonne bricht,
Ein Vers, der sich an tausend andre flicht,
Der unbemerkt verhallt, verlischt, verblüht.

Und doch auch eine Welt für sich allein,
Voll süß-geheimer, nievernommner Töne,
Begabt mit eigner, unentweihter Schöne,
Und keines Andern Nachhall, Widerschein.

Und wenn du gar zu lesen drin verstündest,
Ein Buch, das du im Leben nicht ergründest.

Schöne :winken3: (= Grüße) von Freund Hein....ääääähhhhh..... von JEDERMANN ...
 
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Peter Boll (1892-1962)

Drei Dinge

Drei Dinge sind's, die vielbesungen,
Als Labsal dienen Gerschen Zungen,
Und die den Jungen wie den Alten
Das Dasein angenehm gestalten:
Zunächst die Wurst, am Rost gebraten,
Mit würzig-scharfen Senf beladen,
Die weich in Semmelleib gebettet,
Die Gersche Gusche herrlich fettet.
Die Bockwurst will ich nicht verletzen,
Doch kann sie jene nicht ersetzen.
Sodann in ganz verschied'ner Größe
Die wohlbekannten grünen Klöße,
Für Gans und Ente unentbehrlich,
Und wenn auch roh, doch ungefährlich,
Es sei denn, daß der leere Magen
Abnorm damit wird vollgeschlagen.
Zum Schluß die ewig wundervollen
Berühmten Gerschen Weihnachtsstollen,
Die uns seit vielen hundert Jahren
Die Kraft der Frauen offenbaren,
Die man, weiß Gott, mit welchem Rechte
Zählt zu dem schwächeren Geschlechte.
Schon dieser Leckerbissen wegen
Muß stolz in meiner Brust sich regen,
Daß mich Fortuna hier auf Erden
Als Gerschen ließ geboren werden.


:)
 
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Sommerbild

Ich sah des Sommers letzte Rose stehn,
Sie war, als ob sie bluten könne, rot;
Da sprach ich schauernd im Vorübergehn:
So weit im Leben ist zu nah am Tod!

Es regte sich kein Hauch am heißen Tag,
Nur leise strich ein weißer Schmetterling;
Doch ob auch kaum die Luft sein Flügelschlag
Bewegte, sie empfand es und verging!

Friedrich Hebbel
 
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Zu einem Geschenk
Joachim Ringelnatz

Ich wollte dir was dezidieren,
nein, schenken, was nicht zuviel kostet.
Aber was aus Blech ist rostet,
und die Messinggegenstände oxydieren.
Und was kosten soll es eben doch.
Denn aus Mühe mach ich extra noch
was hinzu, auch kleine Witze.
Wär bei dem, was ich besitze,
etwas Altertümliches dabei ---
doch was nützt dir eine Lanzenspitze!
An dem Bierkrug sind die beiden
Löwenköpfe schon entzwei.
Und den Buddha mag ich selber leiden.
Und du sammelst keine Schmetterlinge,
die mein Freund aus China mitgebracht.
Nein - das Sofa und so große Dinge
kommen überhaupft nicht in Betracht.
Außerdem gehören sie nicht mir.
Ach, ich hab die ganze letzte Nacht
rumgegrübelt, was ich dir
geben könnte. Schlief deshalb nur eine,
allerhöchstens zwei von sieben Stunden,
und zum Schluß hab ich doch nur dies kleine,
lumpige, beschissne Ding gefunden.
Aber gern hab ich für dich gewacht.
Was ich nicht vermochte, tu du's. Drücke du
nun ein Auge zu.
Und bedenke,
daß ich dir fünf Stunden Wache schenke.
~~...
 
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Heinrich Heine-aus dem Buch der Lieder

Wenn zwei voneinander scheiden,
So gehen sie sich die Händ',
Und fangen an zu weinen,
Und seufzen ohne End'.

Wir haben nicht geweinet,
Wir seufzten nicht Weh und Ach!
Die Tränen und die Seufzer,
Die kamen hintennach.
 
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