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EliteUniversitäten

Dieses Thema im Forum "Bildung" wurde erstellt von scilla, 8. Januar 2004.

  1. Jérôme

    Jérôme New Member

    Registriert seit:
    9. Dezember 2003
    Beiträge:
    734
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    Willkommen aus dem Urlaub zurück, Majanna.

    Mir ist vollkommen klar, dieses Thema ist der Finger auf einem wunden Punkt. Man muss aber kein Ökonom sein, um zu verstehen, dass sich Wachstum - Anzahl der Studierenden - bei gleichzeitigem Qualitätsanspruch (bessere Betreuung etc.) und gleichbleibenden Mitteln nicht, oder nur auf Kosten von etwas Anderem, verwirklichen lässt, was wenig Sinn macht. Die Hochschulbildung in Europa ist nach wie vor primär eine staatliche Aufgabe, das System zu wechseln, wäre fundamental und die erforderlichen Massnahmen lassen sich nicht innert nützlicher Frist realisieren. Natürlich ist unklar, wie Studenten aus einkommensschwachen Familien endlich bessere Chancen bekommen sollten - das Stipendiensystem müsste konsequenterweise ausgebaut werden, und wenn schon mehr privates Engagement, dann auch seitens der Wirtschaft, die sich heute höchstens (?) an einzelnen Projekten beteiligt. Du wirst mir aber sicher Recht geben, wenn ich sage, dass die etwa drei Viertel - je nach Land zwei Drittel - der Jungen, die nicht studieren, während ihre Altersgenossen vom günstigen Hochschulzugang profitieren, Sozialabgaben und Steuern auch dafür bezahlen - ist das gerecht?
    Sozialverträglicher würde es eine Kombination aus Stipendien, teils verzinslichen, teils unverzinslichen Darlehen gestalten. Wenn sich einige dadurch vom Studium abschrecken lassen, wäre es möglicherweise kein grosser Verlust.
    Ich 'stützte' mich auf die britische Vorlage. Dazu möchte ich nachtragen - leider nahm ich an, dass dies bekannt ist: diese Vorlage sieht Rückzahlung der gewährten Darlehen erst ab einem gewissen Einkommen vor - die Limiten hier auch noch aufzuführen, macht keinen Sinn.

    Etwas 'dünnhäutig' möchte ich mich nochmals zitieren:

    "Denn, wenn jemand studiert, dann tut er dies aus reinem Eigennutzen. Die Thematik interessiert ihn, er erhofft sich bessere Zukunft - ein höheres Gehalt, einen interessanteren Job, einen erweiterten Horizont etc."

    In diesem Absatz sehe ich Dein "Interesse und Liebe zum gewählten Fach..." enthalten. Nur die Bereitschaft, dafür etwas auf sich zu nehmen, ist heute doch 'etwas weniger' vorhanden.

    MfG
     
  2. Robin

    Robin Guest

    Interessante Fußnote zum Schluss:
    Offensichtlich war in dem ursprünglichen Papier der SPD niemals von "Elite" die Rede - sondern lediglich von "Spitzenuniversitäten". Hörte ich gestern in einer Diskussionssendung des WDR.
    Der Begriff "Elite" wurde dann angeblich von der Presse eingebracht und aufgebauscht. Sind wir in unserer Diskussion eine Presse-Ente aufgesessen?
     
  3. Coeur Froid

    Coeur Froid New Member

    Registriert seit:
    22. April 2003
    Beiträge:
    349
    Ort:
    Münster
    Nö, in meinem Philologischen Institut werden allein dieses Semester (!) 10 (!) Stellen abgebaut bzw. nicht neu besetzt... und das bei einer Auslastung der Dozenten von bereits jetzt über 130%. Und das bei der drittgrößten Uni Dtlds. - wie mag es an den 'kleineren' aussehen?

    Die Frage ob und wie sich ein Land wie Dtld. derartige Elite- Unis (bei genauerer Betrachtung macht die Bezeichnung tatsächlich keinen Unterschied, von aufrührerischen Konnotationen abgesehen) leisten kann, stellt sich weiterhin.
    Im Übrigen sollten - wenn ich das richtig mitverfolgt habe - 100 Mio für diese Unis bereitgestellt werden. Das bedeutete pro Elite- Uni 10 Mio €. Münchens Uni soll einen jährlichen Etat von ca. 400 Mio haben (mein Gehirn funktioniert wie ein Sieb, ich meine aber, dass die Summe stimmt)...

    Eine recht wirre Vorstellung, mit 10 Mio ein elitäres Niveau etablieren zu können :confused: ...

    cf
     
  4. majanna

    majanna Guest

    aus dem heutigen Standard





    Wirtschaftskammer plant Privat-Uni

    (Wien) – Die Wirtschaftskammer (WK) plant eine eigene Privat-Universität .Mit den Fakultäten „Wirtschaftsrecht ,Digital Economy und Management“ will man ab Herbst 2005 starten, wie WK-Präsident Christoph Leitl in der PRESSE ankündigte. Zunächst werden nur 5o Studenten aufgenommen, im Vollbetrieb sollen rund 1000 Studierende Platz finden.Noch bedarf es einer Genehmigung durch den Akkreditierungsrat des Bildungsministeriums. (APA)

    Ich bin gespannt, ob eine solche Uni erlaubt wird. Ich bin gespannt, wer an ihr inskribieren wird ( dürfen).
    Ich habe keine eigene Meinung dazu. Es käme mir „gerechter“ vor, die diesbezüglichen Lehrstühle an öffentlichen Unis zu fördern, denn an und für sich scheint es mir legitim, wenn Interessensverbände Geld für Fachleute in ihrem Bereich ausgeben.
    Aber ob so etwas nicht der erste Schritt zu einer Zweiklassenausbildung ist, kann ich augenblicklich nicht argumentativ begründen, befürchte aber ja.

    Marianne
     
  5. mavaho

    mavaho New Member

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    21. Juli 2003
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    Als Vater von drei studierenden Kindern habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Uni´s nicht zuwenig Geld, sondern zu viele ungeeignete Studenten haben. Schon beim Abitur wurden in den vergangenen zwanzig Jahren die Anforderungen so weit nach unten gesenkt, dadurch ein Druck von minder Qualifierten in den Uni´s aufgebaut, dass man sich jetzt über das Ergebnis nicht wundern darf. Die Professoren jammern zu recht, dass viele Studenten nicht einmal korrekt Deutsch schreiben können und zum Teil erhebliche Defizite bei den Grundrechenarten haben. Masse statt Klasse ist das Ergebnis. Mehr Geld in dieses System zu stecken, bringt nur noch mehr Masse, davon gibt es schon genug.
    Die Studenten sind an sich (oder sollten es sein ) die geistige Elite. Damit scheint es jedoch vorbei zu sein. Spitzenforschung findet im Ausland statt.
    Hebt man die Anforderungen an den Studienzugang wieder auf ein anspruchvolleres Niveau, erledigen sich viele Probleme an den uni´s von selbst.
     
  6. scilla

    scilla Well-Known Member

    Registriert seit:
    19. April 2003
    Beiträge:
    6.185
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    stimmt

    es studieren zu viele Menschen


    aber wenn von vorneherein nur wenige studieren können
    (weil die Unis nur eine bestimmte Anzahl aufnehmen können)

    dann wird bei diesen Wenigen bereits in der Wiege klar sein,
    daß sie zu den Auserwählten gehören

    um das Niveau an den Unis zu steigern,
    würde ich als Regierung von den Instituten Hausaufgaben verlangen
    und wer sie schlecht leistet
    (es dürfen auch Studenten mitmachen),
    verliert seinen Job an eine Nachwuchskraft

    das Problem dabei
    1) Universitäten sind Ländersache
    2) die Kultusminister selber sind viel zu doof
    deshalb hat man ja auch jahrelang über die Größe der Schulklassen (wieviel neue Lehrer werden eingestellt?)
    gestritten und nicht um den Inhalt des Lehrplanes
     
  7. mavaho

    mavaho New Member

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    21. Juli 2003
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    665
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    senden
    Wenn der Zugang zu Uni´s unter klassenkämpferischen Vorzeichen behandelt wird, geht es auch nicht weiter. Gerade die Gleichmacherei der letzten 20 Jahre hat Deutschland zum Mittelmass geführt, Tendenz nach unten. Ohne ein gewisses Minimum an in der Schule erlerntem Können und der dadurch auch gezeigten Leistungsbereitschaft geht es nicht, daran fehlt es erheblich. Dass Kinder aus einem Elternhaus, dem an der Ausblidung der Kinder mehr liegt als bei anderen, eine bessere Chance haben, ist selbstverständlich. Wenn sich daduch das Bildungsbürgertum in gewissen Grenzen immer wieder selbst regeneriert, nehme ich das in Kauf. Ein "Arbeiterbonus" nützt der Gesellschaft nichts, wenn dadurch die Qualität des Durchschnittsstudenten darunter leidet. Woher die notwendige Leistung letztlich kommt, ist unerheblich.
    Jedem sein Abitur, jedem sein Studium, kann man machen. Daraus Spitzenleistung zu erwarten, ist unsinnig.
    Die Elite der Studenten sind die, die später Arbeitsplätze durch Innovation schaffen, die Etage darunter wird diese Arbeitsplätze besetzen.
    Mein Eindruck ist, dass ein Drittel der Studenten an den Uni´s ziemlich lustlos herumhängt und nicht so recht weiss, was es eigentlich will. Daher auch die im Vergleich zu anderen Ländern überlangen Zeiten, bis die Leute endlich ans reale Arbeiten kommen.
     

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