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Der letzte Tag

Kaitan

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2. Juni 2005
Beiträge
25
Vorweg erstmal, es handelt sich nicht um den letzten Tag der Welt oder irgendsowas. Einfach nur der letzte Tag meines ersten und besten Pratktikum. Und bevor Fragen kommen, warum die Leute dort so "Freundlich" zu mir waren, ich war damals noch Nationalsozilastisch eingestellt (aber das ist vorbei).
Das ganze zeigt die "1a" Zustände in Krankenhäusern. Es ist nichts erfunden, ich habe alles so erlebt. Das Krankenhaus meiner Stadt ist nicht das einzigste mir bekannte, welches diese Zustände aufweist. Vielleicht hat ja noch jemand solch tolle Erfahrungen gemacht.
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Es war ein Tag wie jeder andere auch. Ich habe die Regale eingeräumt und das Leergut sortiert. „Nur noch heute, dann ist das Praktikum vorbei.“ Dies war mein einzigster Gedanke. Dies war nicht mein Traumberuf, nicht mal annähernd. Aber Borowski meldete sich ja nicht mehr und so schickte mich der Lehrer hierher.
Ich wurde aus meinen sinnlosen Gedanken gerissen als der Filialleiter nach mir rief. Ich wusste er würde mir wieder eine dieser tollen Aufgaben geben.
„Langer“, er wusste ich hasste es wenn er mich so nannte, “hinten im Lager steht eine Palette mit Getränken, die räumst du noch ein und dann kannst du nach Hause gehen.“ Hatte er das grad wirklich gesagt oder verhörte ich mich nur? Nein, er meinte es vollkommen ernst. Ich kam damit nicht klar, am letzten Tag war er mal freundlich.
Ich machte mich ins Lager und nahm mir einen Hubwagen. Doch die Fleischfrau wollte das wohl nicht. „Das ist meiner!“, schrie sie mich an. Alle starrten mich an, sie dachten wohl ich hätte den Hubwagen geklaut. Aber mir war das egal, es waren eh nur noch 3 Stunden bis zum regulärem ende. „Aber Frau Werner, sie brauchen doch keinen. Sie haben doch alles im Kühlraum.“ Aber sie dachte nicht daran mir diesen Hubwagen zu überlassen. „Und was ist mit den Kartons?“ „Welche Kartons, Frau Werner?“ Noch bevor Frau Werner antworten konnte, kam auch schon Stefan an. Er war der einzigste, der während meiner Zeit hier, freundlich zu mir war. „Hier, nimm diesen Hubwagen.“ Frau Werner gefiel das nicht, aber sie konnte nichts machen. Wenn Blicke töten könnten, hätte ich hier im Extra nicht einen Tag überlebt. Na ja, zurück zur Arbeit.
Ich nahm den Hubwagen und holte mir die Palette raus. Ich wollte gerade aus dem Lager gehen, als Frau Powlok mir den Weg versperrte. Als hätte ich so einfach aus dem Lager gehen können und das auch noch mit einem Hubwagen voll Tetra Pack und Selters. „Wohin wollen sie?“ „Ich soll die Tetra Packs einräumen, Frau Powlok.“ „Davon ist mir nichts gesagt wurden.“ „Dann fragen sie doch mal den Herrn Beutel.“ „Du wartest hier.“ Schon klar, Frau Powlok.“ Gemütlich ging sie ins Büro. Mir war fast so, als wüsste sie das dies meine Zeit ist die sie vergeudet. Nach ein paar Minuten kam sie raus und blickte mich genau so an wie Frau Werner. „Nu mach, die Kunden warten.“ Ich ging los und zog den Hubwagen hinter mir her. Ich räumte die Packen ein und zerschnitt die Plastikbänder. Eine Packung bestand aus drei kleineren die durch diese Plastikbänder zusammengehalten wurden. Irgendwann kam ich auf die Idee erst die Packen rein zu stellen und dann das Band zu zerschneiden. Eine dumme Idee wie sich später rausstellte. Eine Packung stand immer über so das ich irgendwann auf die Idee kam, zwei Packungen nebeneinander in den Schrank zu räumen. So standen natürlich immer zwei der kleinern Packungen über. Nu stellte sich heraus, warum all meine Ideen recht dumm waren. Ich hielt das Messer in der rechten Hand und hielt mit der linken eine der großen Packungen, als rechts die Packung rausfiel. Aus einem Reflex heraus wollte ich diese Auffangen und schnitt mir die Pulsader auf. Es hat geblutet ohne ende, aber es tat nicht weh. Es brannte nicht mal. Vielleicht deshalb, weil ich daran gar nicht dachte. Ich hielt die wunde zu und lief hinter ins Lager. Frau Powlok stand wieder am Eingang zum Lager. „Hol dir ein Pflaster und wisch das Blut weg!“ „Ein Krankenwagen wäre vorteilhaft, Frau Powlok“ Wegen einem kleinem Kratzer? Zeig mal her!“ Ich nahm die Hand weg und Frau Powlok fing an zu schreien. Alle kamen angerannt. Die Kunden und die Angestellten.
Herr Beutel verschwand sofort im Büro, als er sah was ich angestellt hatte und rief den Krankenwagen. Er wies an das sie zur Warenannahme fahren sollten. Frau Werner gab mir ein Glas Wasser. „Sag mal Junge, tut das nicht weh? Geht’s dir auch gut? Wird dir Schwarz vor Augen.“ Und nu war es zu spät. Die wunde brannte plötzlich als hätte mir jemand eine Flasche Jod darauf gekippt. Mir wurde schwindelig und ich sah viele bunte Punkte. Hauptsächlich Blau und Rot, dazwischen etwas grün und selten etwas gelb. Ich sah immer noch Farben als von oben herab eine schwarze Barriere ihren Weg vor meine Augen suchte. Als diese Barriere bei einem Viertel ankam, wurde alles schwarz.
Als ich wieder zu Bewusstsein kam, lag ich auf der Krankenbahre und war auf dem Weg ins Krankenhaus. Der Sanitäter begann den Puls zu fühlen. „Na, wie sieht es aus? Noch alles da?“ Der Mann sah mich verwirrt an. „Du bist der erste lebende Tote den ich je gesehen habe.“ „Das versteh ich nicht.“ Er setzte sich etwas näher zu meinem Kopf. „Ich fühle keinen Puls, mit dem Stethoskop bekomme ich keinen Puls und meine Geräte bekommen auch keinen. Medizinisch gesehen, müsstest du einen Zettel am Zeh haben.“ Ich fing an zu lachen, aber das verging schnell, da mir alles wehtat. „Du bist vorhin auf einen Stapel Paletten gefallen.“
Ich wollte etwas fragen, aber da waren wir schon da. Die Türen gingen auf und 4 Leute holten mich raus. Ich fand, es war etwas zu viel Aufwand, ich sollte mich irren. Als ich nun in die Notaufnahme kam, hielten sie an der Rezeption. Mir war nicht klar was da jetzt passieren sollte. Meine Wunde blutet immer noch ohne Ende und ich werde hier abgestellt. Die Frau an der Rezeption klärte alles mit einem Satz auf. „Haben sie ihre Krankenkarte dabei?“ Was für eine Frage, natürlich hatte ich ihn dabei. Es ist ja auch selbstverständlich einen stark blutenden nicht zu behandeln bevor er seine Karte abgab. Ich nahm also meine rechte Hand und suchte nach der Karte. Leider war sie in der linken Hosentasche und festgeschnallt kommt man da nicht mit der rechten Hand rein. Nun gut, versau ich mir Die Hose und verschmutze die Wunde. Ich holte meine Brieftasche langsam raus und es machte noch immer keiner irgendwelche Bemühungen mir zu helfen. Was für eine großartige Behandlung. Ich gab der Frau die Karte und endlich wurde ich in das Behandlungszimmer geschoben. Endlich würde dieser Alptraum ein ende haben. Aber zu früh gefreut. Im Behandlungszimmer war kein Arzt. Nach kurzer Zeit kamen aber gleich zwei Ärzte mit einer Krankenschwester, oder etwas in der Art. Gleich zwei Ärzte, das ist doch toll, von wegen. Sie fingen an sich zu streiten welche Art von Unfall das wäre und zu welchem Arzt ich nach der Behandlung müsste. Das ganze während die Schwester mit einem Verband in der Hand nicht wusste was sie tun soll. Ein hoch auf den Hippokratischen Eid und seiner strikten Befolgung. Nach zwei Minuten, die mir vorkamen wie zwei Stunden, hatten sie sich entschieden das dies ein Arbeitsunfall sei. Die Schwester bekam nun endlich Anweisung wie sie mich zu verarzten hatte und einer der Halbgötter in Weiß machte sein Witzchen. „Beim nächsten mal von oben nach unten schneiden.“
Nachdem die Schwester mich genäht hatte und noch einen Verband drum wickelte, schob sie mich in einem Rollstuhl durchs Krankenhaus zum Arzt. Natürlich der für Arbeitsunfälle. Nach dreißig Minuten komme ich dran. Ich gehe also in das Zimmer und der Arzt fragt mich wie dies passiert ist. Ich sagte ihm wie es war. „Oh, im Praktikum? Da sind sie hier falsch. Da müssen sie zum Hausarzt. Das wird immer verwechselt.“
Nachdem ich dann beim Hausarzt weitere zwei Stunden wartete bekam ich eine Tetanus Impfung und konnte gehen.
Ja, so war das. Mein letzter Tag in einem schrecklichen Praktikum. Aber im Gegensatz zu anderen Praktika doch das beste.
 
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