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Das Unwort des Jahres

Dieses Thema im Forum "Kunst/Kultur Allgemein" wurde erstellt von baerliner, 31. Oktober 2004.

  1. baerliner

    baerliner New Member

    Registriert seit:
    3. März 2003
    Beiträge:
    3.638
    Ort:
    na wo wohl?
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    Im Thema "Das schönste Wort des Jahres" haben wir erfahren, daß die Jury des Goethe-Instituts

    H A B S E L I G K E I T E N

    als schönstes Wort gewählt hat.

    Nun findet ja auch jährlich eine Wahl des Unworts des Jahres durch ein Institut der Goethe-Uni Frankfurt statt. Was würdet Ihr denn da vorschlagen?
    Eine Netzgemeinde von Senioren macht da eine Vorauswahl

    http://michalowsky-online.de/st/lib03/jo31.htm

    Mein Vorschlag, den ich mich aber nicht wage, dort zu unterbreiten:

    verhartzen
     
  2. Stephanos

    Stephanos New Member

    Registriert seit:
    28. April 2003
    Beiträge:
    17
    Ort:
    Recklinghausen
    Habseligkeiten - ein kitschige Verkleisterung

    Ein kitschig-kleinfeines, sozusagen klitezfeines R e l i g i o n s-stündchen:

    Das selektierte "schönste" Wort - eine Verkleisterung...

    Ja, man muss zu Recht daraufhin weien, dass die Ableitung von "-selig" Blödsinn ist.
    Die Etymologie weist eindeutig daraufhin, dass Habseligkeiten wie Saumseligkeit und Trübseligkeit aus der Wortendungs-Gruppe "-sal" stammt wie Labsal, Drangsal, Trübsal, Wirrsal, Scheusal, Rinnsal, Mühsal, Schicksal. Also, einen nachträglichen Euphemismus darstellt, wie selten einer.
    Nein, bei Wartesaal nicht! Das garantiert die Rechtschreibung, ob alt, ob neu.)
    *
    Etymologische Belege zu "hab-selig" (nach KLuge/Miitzka. 20.Aufl.1967):
    "Habseligkeit" nohc bei "Stieler" (1691) zuerst gebildet aus opulentia und habentia. "Habselig" kann nur zweimal bei Ludwig (1761) und Frisch (1741) gleichbedeutend mit "reich" gleichgesetzt werden.
    Ansonsten erfolgte eine Demelioration, eine Abschmückung, ein Wertungsverlust (als Gegenteil zu Euphemismus), entsprechend den sozialen Verhältinssen und Erklärungen dazu, die nicht als Meinung einer Schönungs-Jury funktionieren.

    Literarische Beispiele, enie wenig - von Ebner-Eschenbach, Stifter, Goethe...?

    "Sie trocknete die Wangen ihrer Mutter und dann auch ihre eigenen mit der Schürze, nahm ihr Kind an die Hand und das Bündel mit ihren wenigen Habseligkeiten auf den Rücken und ging ihres Weges an Mischka vorbei und wagte nicht einmal, ihn anzusehen."(Marie von Ebner-Eschenbach - Er lasst die Hand küssen / 2; die Kurzgeschichte müsste man lesen in einer good-will-Jury oder in Lesebüchern drucken.)
    *
    Meine Habseligkeiten sinken dagegen zu Unbedeutenheiten herab, und ich sehe aus diesen Blättern, wie man die Sache anfassen muß, wenn man die Zeit, die Kenntnisse und die Mittel dazu hat." (Adalbert Stifter - Der Nachsommer / Die Erweiterung - 5)
    *
    Er fragte, ob die andern auch so glücklich gewesen, ihre Habseligkeiten zu retten. (Johann Wolfgang von Goethe - Wilhelm Meisters Lehrjahre / IV. Buch, 5. Kapitel)
    *

    Wenn so eine deklamierende Professorin des gewohnten und gewollten Rechts unsere Dämokratie und der asozialen RE-formzeiten wie Frau Jutta Limbach auf solche Belege aufmerksam gemacht hätte, statt der dumm-dreisten religiösen Verkleisterungen...
    Aber man wollte - von der Verschönerungs-Jury (von dem Deutsch-Werbe-Verein Jut-wie-Joethe) dekretiert, die nix angibt (wieviele Nennungen, wieviele andere Erklärungen, welche sprachgeschichtlichen Analysen...??) nur verklären, kleine Sprachpredigten des Gefühls loslassen, die verkleistern, nach allen religiös diffusen Vorlagen und Vorgaben.

    Jetzt müsste ich noch suchen, wie oft "Habseligkeiten" in den Grimmschen Märchen vorkommt, vermutlich ist es dort sehr selten.
    *
    Ja, auch HALB-", also: "H a l b-seligkeiten" lässt sich schon finden, um den geringen Wert von "Habseligkeiten" nochmals anschaulich zu relativieren.
    "Habseligkeiten" - ein Wort, ja, allenfalls schön gmeint von der Bildung her - aber ein Bluff, der die Realität derer, die dieses Wort brauchen oder seinen einschränkenden Wert zitieren, verklären, d.h. missbrauchen soll.
    *
    Viele weitere literarische Belege, s. URL:
    http://wortschatz.uni-leipzig.de/index_js.html

    Internet-Tipp: http://image.ebund.ch/4946_3.png

    *
    In dem Buch, von J. Limbach herausgegeben bei Hueber, gibt es schöne, gebildete, intelligente Beispiele für "schöne und schönste deutsche Wörter".
    Aber die ausgewählten sind Politkitsch und Desinformation in der g'schröderten Zeit, in der die grundlegenden Gleichheits-Artikel des Grundgesetzes nicht mehr in allen Teilen Deutschlands gelten, wie ein sottender oder sottisender BuPrä Horst der hotte K r ü g e r zu verkünden weiß.
     
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  3. majanna

    majanna Guest

    Sag mal, Stefanos, bist Du hier nicht im falschen Film?

    Oder willst Du das Wort Habseligkeit auch als Unwort irgendwie irgendwo vorschlagen.


    Falls es Dir nur daran liegt, das " schönste" deutsche Wort zu veräppeln - das findet gerade in Deinem eigenen Thread statt.

    sorry: so einem jebildeten dschungen Mann darf frau nicht mit dem Slangwort veräppeln kommen: Also: Habseligkeit wird gerade in Deinem eigenen Thread diskutiert- allerdings nicht sehr ernsthaft, fürche und weiß ich.

    Marianne
     
  4. Neugier

    Neugier Well-Known Member

    Registriert seit:
    29. März 2004
    Beiträge:
    3.646
    Mein Vorschlag für das hässlichste Wort lautet:

    Selbstmordattentäter.

    Darin kommt die Menschenverachtung in dichtest gepackter Form zum Ausdruck. Das ist Grausen pur.


    lg nase
     
  5. majanna

    majanna Guest

    zögerlich -zögerlich - mein Vorschlag

    Stell Dir mal vor, Näs`chen, ein zögerlicher Selbstmordattentäter überlegt vor dem Attentat rational die Folgen seines /ihres Tuns(, da es solche auch weiblichen Geschlechts git, wie Du weißt ).


    Ich denke, dann gäbe es sehr viel weniger solcher Menschen, die sich für Ideologien töten lassen und andere in diesen Selbstmord mit hineinziehen.

    Marianne
     
  6. Zeilinger

    Zeilinger Well-Known Member

    Registriert seit:
    22. Mai 2004
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    Wien
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  7. PhilippP

    PhilippP Active Member

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    8. April 2003
    Beiträge:
    776
    Hallo zusammen,

    Hallo Neugier,

    das ist das typische Missverständnis, denn gesucht wird nicht etwa ein wörtlicher Bedeutungsträger für das schönste Gefühl (z.B. Liebe) oder für die Menschen, vor denen wir uns derzeit am meisten fürchten (z.B. Selbstmordattentäter), sondern vielmehr Wörter um ihrer selbst Willen, also z.B. wäre die Laut- und Wortbildung wichtig. (Phonetik, Syntax)

    Mein Vorschlag wäre das Wort: Liederlichkeit

    Ich finde dieses Wort schlicht und ergreifend wiederlich ;)

    Grüßle,

    Philipp
     
  8. Neugier

    Neugier Well-Known Member

    Registriert seit:
    29. März 2004
    Beiträge:
    3.646
    Ich bin nicht sicher, ob das wirklich in dieser Deutlichkeit von authorisierten Instanzen so festgelegt wurde
    (war da nicht einmal "Shareholder-Value" das Unwort des Jahres ?).

    Wenn dem so sein sollte, liege ich eben daneben. *schluchz*

    lg nase
     
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  9. baerliner

    baerliner New Member

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    3. März 2003
    Beiträge:
    3.638
    Ort:
    na wo wohl?
    Unwörter seit 1991

    Nase, in meinem Eingansposting stand ein Link, über den Du auch die Unwörter seit 1991 finden kannst:

    Hier die Unwörter seit Beginn dieser Wahl in 1991:

    * 1991 ausländerfrei
    * 1992 ethnische Säuberung
    * 1993 Überfremdung
    * 1994 Peanuts
    * 1995 Diätenanpassung
    * 1996 Rentnerschwemme
    * 1997 Wohlstandsmüll (arbeitsunfähige Kranke)
    * 1998 sozialverträgliches Frühableben
    * 1999 Kollateralschaden
    * 2000 national befreite Zone
    * 2001 Gotteskrieger
    * 2002 Ich-AG
    * 2003 Tätervolk

    Shareholder-Value ist nicht dabei.
     
  10. PhilippP

    PhilippP Active Member

    Registriert seit:
    8. April 2003
    Beiträge:
    776
    Hmmm, wenn ich mir die Wortliste von Baerliner so von unten bis oben beschaue, dann, so muss ich entsetzt konstatieren, befinde ich mich ohne Zweifel im falschen Film, jedenfalls was meine Phonetik und Syntax anbelangt.

    Nichts wie weg hier... :fahren:

    ;)

    Philipp
     

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